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Bilanz nach Handelsrecht - Lösung: Beurteilung von Sachverhalten nach steuer- und handelsrechtlichen Gesichtspunkten

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Bilanz nach Handelsrecht

Lösung: Beurteilung von Sachverhalten nach steuer- und handelsrechtlichen Gesichtspunkten

Wir reden über Finanzierungsleasing über ein bewegtes Wirtschaftsgut mit Vollamortisationsvertrag.

Der Vertrag ist während der Grundmietzeit von 36 Monaten, also drei Jahren, beiderseits unkündbar. Die Leasingrate während der Grundmietzeit in Höhe von insgesamt 36∙20.000 = 720.000 € decken die Anschaffungskosten in Höhe von 500.000 € als auch die Finanzierungskosten des Leasinggebers.

Wichtig ist bei Vollamortisationsverträgen (full – payout – leasing), dass die an den Leasingnehmer innerhalb der Grundmietzeit zu entrichtenden Leasingraten sowohl die Anschaffungs- oder Herstellungskosten als auch die Nebenkosten und insbesondere die Finanzierungskosten des Leasinggebers abdecken.

Nach der Grundmietzeit von 36 Monaten, welche kürzer ist als die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, lässt sich die Kaufoption ausüben und die Maschine erwerben. Die bilanzielle Zurechnung der Maschine richtet sich also nach der Grundmietzeit und nach dem Kaufpreis.

Die Grundmietzeit von 36 Monaten entspricht 36/48 = 75 % der betrieblichen Nutzungsdauer. Die Grundmietzeit ist damit größer als 40 % und gleichzeitig kleiner als 90 % der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer.

Der Restbuchwert am Ende der Grundmietzeit liegt bei

RBW3 = AK – AB

= 500.000 – 500.000/4∙3

= 500.000 – 375.000

= 125.000.

Der Kaufpreis der Kaufoption liegt mit 40.000 € unterhalb dieses Restbuchwerts. Insgesamt ist daher der Leasinggegenstand beim Leasingnehmer zu aktivieren.

Die zulässige Vorschrift ergibt sich aus § 39 II AO.

Weil explizite handelsbilanzielle Zurechnungskriterien für Leasinggegenstände fehlen, hat auch handelsrechtlich die Aktivierung der Maschine in der Bilanz des Leasingnehmers zu erfolgen.

Die Maschine gehört zum Anlagevermögen, denn sie dient dauernd dem Geschäftsbetrieb der Lambert GmbH, sie ist unter § 266 II a II 2 oder 3 auszuweisen, planmäßig abzuschreiben und auf die voraussichtliche Nutzungsdauer von 48 Monaten zu verteilen (§ 253 I, II HGB).

Die planmäßige Abschreibung liegt bei AB = 0,25∙AK = 0,25∙500.000 = 125.000 € für das gesamte erste Jahr. Da die Maschine im November erst geschafft wurde, ist hiervon nur 2/12 = 1/6 anzusetzen, mithin also 125.000·2/12 = 20.833,33 € (§ 7 II 3, 4 i.V.m. § 7 I 4 EStG). Der Buchwert der Maschine am Ende des Jahres 2016 liegt damit bei 479.166,67 €. Die Leasingraten liegen insgesamt bei 36·20.000 = 720.000 €. Zieht man hiervon die Anschaffungskosten von 500.000 € ab, so verbleiben Finanzierungskosten in Höhe von 220.000 €, welche nach der Zinsstaffelmethode auf die Laufzeit zu verteilen sind. Man rechnet den Zinsanteil der ersten Rate aus als

ZA 1. Rate = (Summe Zins- und Kostenanteil)/(1 + 2 + … + 36)∙(Anzahl der restlichen Raten)

= 220.000/(1 + 2 + … + 36)∙36 = 11.891,89 €.

Der Tilgungsanteil liegt also bei 20.000 – 11.891,89 = 8.108,11 €. Der Bilanzansatz der Verbindlichkeit liegt damit bei 500.000 – 8.108,11 = 491.891,89 €.

Merke

Hier klicken zum Ausklappen Es wäre auch möglich gewesen, die Verbindlichkeit mit dem Rückzahlungsbetrag (= 720.000 – 20.000 = 700.000 €) und Bildung eines aktiven Rechnungsabgrenzungspostens (= 220.000 – 11.891,89 = 208.108,11 €) zu bewerten.