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Bilanz nach Handelsrecht - Anlagespiegel

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Anlagespiegel

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Methode

Oftmals wird das Anlagegitter in IHK-Prüfungen zum Bilanzbuchhalter im Rahmen einer Jahresabschlussanalyse-Aufgabe abgefragt und nicht im „normalen“ Rahmen des Jahresabschlusses. Deswegen betonen wir hier nochmals dieses Thema und stellen es, gleichsam losgelöst von den anderen Themen, dar.

Aufgabe des Anlagespiegels (= Anlagengitter) ist es, die einzelnen Vermögenspositionen des Anlagevermögens in ihrer Entwicklung im Anhang (!) darzustellen (§ 284 III HGB). Hierbei sind auszuweisen:

  • (historische) Anschaffungs-/Herstellungskosten,

  • Zugänge,

  • Abgänge

  • Umbuchungen,

  • Zuschreibungen,

  • kumulierte Abschreibungen.

Mit ihren historischen, also anfänglichen, Anschaffungs-/Herstellungskosten sind sämtliche im Unternehmen vorhandenen Anlagegegenstände auszuweisen. Ebenso sind bereits vollständig abgeschriebene Vermögensgegenstände mit ihren historischen Anschaffungs-/Herstellungskosten auszuweisen.

Unter der Position Zugänge sind nur tatsächliche Zugänge zu erfassen. Entscheidend ist also, dass der Vermögensgegenstand mengenmäßig zugeht und nicht lediglich wertmäßig. Genau so verhält es sich mit einem Abgang, auch hier kommt es auf den tatsächlichen Abgang des Vermögensgegenstandes, d.h. den mengenmäßigen, an. Es reicht nicht aus, dass der Vermögensgegenstand lediglich keinen Wert mehr hat.

Merke

Ein Zugang bzw. Abgang des jetzigen Geschäftsjahres wird im nächsten Geschäftsjahr mit den Anschaffungs- und Herstellungskosten saldiert. Der Posten wandert also gewissermaßen von der Spalte Zugang bzw. Abgang in die Spalte der (historischen) Anschaffungs-/Herstellungskosten.

Die sog. geringwertigen Wirtschaftsgüter hingegen sind jene Anlagegüter, deren Anschaffungskosten (netto) entweder höchstens 150 €, zwischen 150,01 € und 410 €, oder 150 € bis einschließlich 1.000 € betragen (§ 6 Abs. 2 bzw. Abs. 2a EStG)

Merke

Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Unternehmer vorsteuerabzugsberechtigt ist oder nicht.

Deren Anschaffungskosten dürfen sofort als Aufwand verbucht werden und müssen dann nicht als Zugang innerhalb des Anlagespiegels erfasst werden.

Ein Abgang ist zu buchen, wenn ein Vermögensgegenstand körperlich aus dem Unternehmen ausscheidet. Dies hat zu erfolgen in Höhe der ursprünglichen historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Wenn man lediglich die jeweiligen Restbuchwerte der Vermögensgegenstände unter den Abgängen erfassen würde, so hätte man die direkte Nettomethode statt der geforderten direkten Bruttomethode vorliegen. Klarerweise müssen im Falle eines Abgangs im gleichen Jahr ebenfalls die auf den Vermögensgegenstand entfallenden kumulierten Abschreibungen aus der entsprechenden Spalte des Anlagespiegels entfernt werden. Geringwertige Wirtschaftsgüter müssen im Jahr ihres Zugangs zunächst als Zugang gebucht werden. Werden sie im selben Jahr komplett abgeschrieben, so dürfen sie ebenfalls als Abgang gebucht werden, so dass die ansonsten notwendige Pflicht entfällt, die geringwertigen Wirtschaftsgüter mit ihren historischen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten und ihren Abschreibungen bis zum effektiven Ausscheiden aus dem Unternehmen im Anlagespiegel zu führen.
Umbuchungen finden statt, wenn eine Position von einer Spalte des Anlagespiegels in eine andere Spalte gebucht wird. Sie findet also Insbesondere statt, wenn Vermögenspositionen Ihren Wert verändern oder wenn ihre Menge geändert wird. 

Beispiel

Eine Maschinenhalle wird im Jahre 2016 gebaut, aber erst in 2017 fertig gestellt. Im Jahre 2016 führt die Errichtung zu Herstellungskosten von 500.000 €.

Die 500.000 € werden im Anlagespiegel des Jahres 2016 in der Zeile "geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau" in der Spalte „Zugänge" erfasst. Im Jahre 2017 wird sie in derselben Zeile "geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau" mit negativem Vorzeichen unter "Umbuchungen" erfasst, zusätzlich dazu in einer anderen Zeile, z.B. "Grundstücke und Bauten", mit positivem Vorzeichen in der Spalte "Umbuchungen".

Anlagespiegel 2016

Positionen

histor.

AK/HK

Zugänge

Abgänge

Umbuch
ungen

Zuschreibg.

Abschreib.
(kumul.)

Buch-
wert

Grdstk. & Bauten

             

Anlagen im Bau

 

500

         
Anlagespiegel

Im Jahre 2017 lautet der Anlagespiegel dann

Anlagespiegel 2017

Positionen

histor.

AK/HK

Zugänge

Abgänge

Umbuchungen

Zuschreibg.

Abschreib.
(kumul.)

Buch-
wert

Grdstk. & Bauten

     

500

     

Anlagen im Bau

500

   

-500

     
Anlagespiegel

Beispiel

Am 2.1.2015 beginnt die Maik AG mit dem Bau technischer Anlagen. Herstellungskosten sind im Jahre 2015 angefallen in Höhe von insgesamt 500.000 €. Die Fertigstellung erfolgt am 1.6.2016. Im Jahre 2016 sind Herstellungsaufwendungen von 400.000 € getätigt worden. Die Abschreibung erfolgt geometrisch-degressiv mit 20 %.

Anlagen im Bau sind entstanden mit historischen Herstellungskosten von 500.000 €. nämlich im jenen aus dem Jahre 2015. Der Restbuchwert am Ende des Jahres 2015 liegt daher bei den Anlagen im Bau bei 500.000 €. Da allerdings die Anlagen im Bau umgebucht werden auf technische Anlagen und Maschinen erfolgt eine Umbuchung ( bei Anlagen im Bau mit "-", bei technischen Anlagen und Maschinen mit "+"). Technische Anlagen und Maschinen werden mit einem Zugang in Höhe der Herstellungsaufwendungen aus dem Jahre 2006 von 400.000 € versehen. Die Abschreibungen des Geschäftsjahres berechnen sich als 

 ABGJ = 500.000*0,2 + 400.000*0,2*(7/12)

        = 100.000 + 46.666,670

        = 146.666.670 € 

Man beachte, dass also die 500.000 € erst im Jahre 2016 abgeschrieben werden, nicht etwa schon im Jahre 2015. Zusätzlich werden die aktivierten Herstellungsaufwendungen von 400.000 € nur sieben Monate abgeschrieben, nämlich in den Monaten Juni bis Dezember 2016. Die kumulierten Abschreibungen liegen deswegen bei technischen Anlagen und Maschinen bei einem Betrag von 146.666,67 €, denn es wird nur ein einziges Jahr lang abgeschrieben. Der Restbuchwert am Ende des Jahres 2016 beträgt
RBW2016= 400.000 + 500.000 -146.666,67 = 753.333,33 € 

Beispiel

Die Maik-AG beteiligt sich an der VWL-AG am 13.7.2011. Die Anschaffungskosten der Beteiligung liegen bei 1.000 €. Wegen eines Kursverfalls der Anteile kommt es im Jahre 2013 zu einer außerplanmäßigen Abschreibung in Höhe von 30 %. Die Gründe für die außerplanmäßige Abschreibung sind im Jahre 2016 weggefallen, die Zuschreibung muss vorgenommen werden.

Historische Anschaffungs- oder Herstellungskosten sind angefallen in Höhe der Anschaffungskosten von 1.000 €. Da Beteiligungen nicht zum abnutzbaren Anlagevermögen gehören, werden keine planmäßigen Abschreibungen vorgenommen. Insofern ist im Jahre 2016 keine planmäßige Abschreibungen entstanden. Die kumulierten Abschreibungen der Jahre 2011 bis 2016 bestehen folglich ausschließlich aus der außerplanmäßigen Abschreibung des Jahres 2013 in Höhe von 300 €. Der Restbuchwert des Jahres 2015 liegt bei 700 € (nämlich bereits seit Ende des Jahres 2013), jener des Jahres 2016 beträgt 1.000 €.

Beispiel

Die Maik AG verfügt über ein bebautes Grundstück. Der Anschaffungspreis lag bei 150.000 € am 2.1.2010, dem Tag des Übergangs von Nutzen und Lasten. Anschaffungsnebenkosten fielen an in Höhe von 60.000 €, es wurde der Maik AG ein Rabatt gewährt von 10.000 €. Das aufstehende Gebäude kostete in der Herstellung 450.000 €, seit dem 2.1.2013 muss das Gebäude aktiviert werden. Es wird jährlich mit 3 % abgeschrieben. Ein Erweiterungsbau wurde am 2.4.2016 fertig gestellt, die Herstellungskosten lagen hier bei 150.000 €, auch hier liegt die Jahresabschreibung bei 3 %.

Die historischen Anschaffungskosten der Grundstücke sind als solche in der ersten Zeile des erwähnten Anlagegitters zu notieren. Anschaffungskosten berechnen sich gemäß dem Schema

Posten

Betrag

Anschaffungspreis (netto, wenn Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt)

150.000

– Anschaffungspreisminderungen (Rabatte, Skonti)

-10000

+ Anschaffungsnebenkosten (alles, was notwendig ist, um den Vermögensgegenstand in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen)

60.000

+ nachträgliche Anschaffungsnebenkosten

 

= Anschaffungskosten

200.000

Berechnung Anschaffungskosten

Da Grundstücke nicht planmäßig abgeschrieben werden und es zu keiner außerplanmäßigen Abschreibung kam, ist der Restbuchwert am Ende eines jeden Jahres hier 200.000 €.

Wichtig ist, dass Grundstücke nicht planmäßig abgeschrieben werden, weil sie keinem gewöhnlichen Nutzungsverzehr unterliegen. Sehr wohl müssen Grundstücke aber außerplanmäßig abgeschrieben unter Umständen außerplanmäßig werden, z.B. im Fall eines Katastrophenschadens. Es wäre also falsch zu sagen, dass Grundstücke generell „nicht abgeschrieben“ würden.

Weiterhin sind die Bauten anfänglich mit 450.000 € zu erwähnen, der Erweiterungsbau ist ein Zugang zu den Bauten. Die Bauten werden vier Jahre mit 3 % abgeschrieben, Bemessungsbasis bilden die Herstellungskosten von 450.000 €. Zusätzlich wird der Erweiterungsbau nur neun Monate abgeschrieben, da er erst ab April 2016 besteht. Die kumulierten Abschreibungen liegen daher (von 2013 bis 2016) bei

kumul. AB = 4∙0,03∙450.000 + (9/12)∙0,03∙150.000

= 54.000 + 3.375

= 57.375 €.

Die Abschreibungen des Geschäftsjahres 2016 speziell liegen bei 0,03∙ 450.000 = 16.875 €. Der Restbuchwert am Ende des Jahres 2015 ist 450.000 – 3∙0,03∙450.000 = 409.500 €, jener am Ende des Jahres 2016 ist

RBW2016 = 450.000 – 4∙0,03∙450.000 + 150.000 – 3.375

= 542.625 €.

Hier nochmals der Anlagespiegel für das Jahr 2016:

Bil.posten

Hist. AK/HK

Zugang

Abgänge

Umbuch
ungen

Zuschr.

AB (kum.)

RBW

RBW Ende Vj.

AB Gesch.j.

Grundstücke

200 T€

         

200 T€

200 T€

 

Bauten

450 T€

150 T€

     

57.375

542.625

409.500

16.875

Anlagespiegel

Beispiel

Die Maik AG verfügt über sieben Maschinen, die sie für 100.000 € pro Stück am 2.4.2014 angeschafft hatte. Sie schreibt diese über ihre Nutzungsdauer von fünf Jahren linear ab. Eine Maschine wurde am 31.12.2016 verschrottet.

Die Maschinen werden zu historischen Anschaffungskosten in Höhe von 700.000 € links in Tab. 30 erwähnt. Ebenso erfolgt der Abgang zu diesen historischen Anschaffungskosten von 100.000 €. Bei den kumulierten Abschreibungen sind diejenigen, die sich auf den Abgang beziehen, rauszunehmen. Man erhält also

ABkumul.bis 2015 = 6∙((9/12)·20.000 + 20.000 + 20.000) = 330.000 €.

Im Jahr 2015 sind 20.000 € abzuschreiben, genau so wie im Jahre 2016, im Jahre 2014 allerdings nur (9/12)·20.000 = 15.000 €, da die Maschinen erst ab April zum Betriebsvermögen gehören. Der Restbuchwert des Jahres 2016 liegt also bei

RBW2016 = 600.000 – 330.000 = 270.000 €,

der Abgang wird also so behandelt, als hätte er niemals zur Unternehmung gehört (jedenfalls beim Restbuchwert des aktuellen Jahres 2016).

Beim Restbuchwert des Vorjahres, also 2015, ist genau dies natürlich anders. Man rechnet

RBW2015 = 700.000 – 7·((9/12)·20.000 + 20.000) = 455.000 €.

Die Abschreibungen des Geschäftsjahres liegen bei AB2016 = 6·20.000 + 1·20.000 = 140.000 €. Der Anlagespiegel für 2016 lautet insgesamt

Bil.posten

Hist. AK/HK

Zu
gang

Ab
gänge

Umbuch
ungen

Zuschr.

AB (kum.)

RBW

RBW Ende Vj.

AB Gesch.j.

Maschinen

700 T€

 

100 T€

   

330 T€

270 T€

455 T€

140 T€

Anlagespiegel

Bewertung abnutzbares Anlagevermögen:

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