Kursangebot | Bilanz nach Handelsrecht | Grenzwerte für Größe einer Kapitalgesellschaft

Bilanz nach Handelsrecht

Grenzwerte für Größe einer Kapitalgesellschaft

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Für die Größe einer Kapitalgesellschaft (§ 267 HGB) sind unterschiedliche Dinge wichtig:

  • Größenmerkmal

    • Höhe der Bilanzsumme

    • Höhe der Umsatzerlöse

    • Anzahl der Arbeitnehmer

  • zeitliche Aufeinanderfolge,

  • Listung an einer Wertpapierbörse.

Die Größenmerkmale

Die Größenmerkmale, anhand derer die Einteilung vorgenommen wird, listet die folgende Übersicht auf (§ 267 I,II,III HGB).

Größe

Höhe der Bilanzsumme (#) (BS)

Höhe Umsatzerlöse (UE)

durchn. Anzahl Arbeitnehmer (AN)

klein

BS ≤ 6 Mill. €

UE ≤ 12 Mill. €

AN ≤ 50

mittelgroß

6 Mill. € < BS ≤ 20 Mill. €

12 Mill. € < UE ≤ 40 Mill. €

50 < AN ≤ 250

groß

BS > 20 Mill. €

 UE > 40 Mill. €

 AN > 250

(#) nach Abzug eines auf der Aktivseite ausgewiesenen Fehlbetrags.

* Diese Beträge richten sich nach dem Rechtsstand von Januar 2016.

Zeitliche Aufeinanderfolge

Es ist allerdings zusätzlich wichtig, dass die Merkmale an jeweils zwei aufeinander folgenden Bilanzstichtagen vorliegen müssen (zeitliche Aufeinanderfolge).

Beispiel

Die Dietrich AG hat im Jahre 2014 eine Bilanzsumme von 25.000.000 €, 45.000.000 € Umsatzerlöse und durchschnittlich 300 Mitarbeiter. Im Jahre 2015 haben sich Bilanzsumme und Umsatzerlöse nicht verändert, wohl aber ist die Anzahl der Mitarbeiter auf im Jahresdurchschnitt 200 Arbeitnehmer gesunken.

Die Dietrich AG erfüllt die Anforderungen an große Kapitalgesellschaften im Jahre 2014, denn alle drei Grenzwerte aus § 267 II HGB sind überschritten. Im Jahr darauf, also in 2015, ist jedoch eines dieser Merkmale nicht mehr erfüllt, nämlich die Mitarbeiterzahl. Trotzdem ist die Dietrich AG in 2015 eine große Kapitalgesellschaft, da sie zwei der drei bezeichneten Merkmale überschreitet, und damit insgesamt groß.

Zusätzlich geht es bei der Anzahl der Arbeitnehmer um die durchschnittliche Anzahl. Hierunter ist das arithmetische Mittel der vier Bestände der Arbeitnehmer am 31.3., 30.6., 30.9. und 31.12. eines jeden Jahres zu verstehen (§ 267 V HGB). Mitarbeiter, die im Ausland beschäftigt werden, zählen zur Anzahl der Arbeitnehmer hinzu. Schließlich werden Beschäftigte nicht mit gerechnet, die in ihrer Berufsausbildung stehen (§ 267 V, letzter HS HGB).

Beispiel

Die Müller-AG hat im Jahre 2014 eine Bilanzsumme von 15.000.000 €, 45.000.000 € Umsatzerlöse und durchschnittlich 300 Mitarbeiter. Im Jahre 2015 haben sich Bilanzsumme und Umsatzerlöse nicht verändert, die Mitarbeiterzahlen der Müller-AG ließen sich allerdings folgendermaßen aufschlüsseln.
 

Daten

Mitarbeiter im Inland    

Mitarbeiter im Ausland         

Auszubildende

Gesamtzahl

31.03.15

110

120

30

260

30.06.15

120

130

40

290

30.09.15

130

140

50

320

31.12.15

140

150

60

350

Die Auszubildenden werden nicht mitgezählt, die Mitarbeiter im Ausland sehr wohl. Deswegen rechnet man als die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter (230 + 250 + 270 + 290)/ 4 = 260 Mitarbeiter. Diese Zahl ist größer als 250. Zusätzlich überschreitet die Höhe der Umsatzerlöse den Grenzwert von 40.000.000 € in zwei aufeinander folgenden Jahren. Insgesamt ist die Müller AG also eine große Kapitalgesellschaft.

Listung an einer Wertpapierbörse

Bzgl. der Listung an einer Wertpapierbörse ist zu sagen, dass eine Kapitalgesellschaft stets dann als groß gilt (§ 267 III 2 HGB), wenn sie die Voraussetzungen des § 264d HGB erfüllt. Danach gilt eine Kapitalgesellschaft dann als kapitalmarktorientiert, wenn

  • sie einen organisierten Markt i.S.d. § 2 V WPHG durch von ihr ausgegebene Wertpapiere i.S.d. § 2 I 1 WPHG in Anspruch nimmt oder

  • die Zulassung zum Handel an einem organisierten Markt beantragt worden ist.

Beispiele und Bedeutung der Einteilung

Beispiel

Die Mayer AG hat im Jahre 2014 eine Bilanzsumme von 12.000.000 €, 33.000.000 € Umsatzerlöse und durchschnittlich 300 Mitarbeiter. Im Jahre 2015 hat sich aufgrund einer rückläufigen Geschäftsentwicklung die Bilanzsumme halbiert, die Umsatzerlöse sind auf 5.000.000 € gefallen, die Anzahl der Arbeitnehmer ist gleich geblieben. Am Ende des Jahres 2015 wird die Mayer AG an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet.

Aufgrund der Zahlen wäre die Mayer AG nicht als groß zu beurteilen. Trotzdem ist die Mayer AG groß, weil sie an einem organisierten Markt im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes gelistet wird. Die Größe ist in diesem Falle unbedeutend (§ 267 III 2 HGB).

Beispiel

Die Lars AG aus Wurzen hat folgende Bilanz:
 

Aktiva

Beträge (Mill. €)

Passiva

Beträge (Mill. €)

Fehlbetrag

2

Eigenkapital

4

Anlagevermögen

3

Fremdkapital

2

Umlaufvermögen

1

   

Bilanzsumme

6

Bilanzsumme

6

Was kann über die Größe der Lars AG gesagt werden?

Die zu berücksichtigende Bilanzsumme ist nur 6.000.000 – 2.000.000 = 4.000.000 €, denn der Fehlbetrag muss zunächst abgezogen werden. Ausgehend von der Bilanzsumme tendiert die Lars AG also dazu, eine kleine Kapitalgesellschaft zu sein.

Merke

Wofür ist die Größe einer Kapitalgesellschaft wichtig? Eine große Kapitalgesellschaft hat u.a. strengere Ausweisregeln. Sie muss die Bilanzgliederung des § 266 HGB bis auf die arabischen Zahlen übernehmen. Eine kleine hingegen darf auf diese verzichten (§ 266 I 3 HGB).

Die Bilanz „aller“ Kaufleute sieht daher folgendermaßen aus:

Aktiva

Passiva

A.

Anlagevermögen

A.

Eigenkapital

 

I.

Immaterielle Vermögensgegenstände

B.

Rückstellungen

 

II.

Sachanlagen

C.

Verbindlichkeiten

 

III.

Finanzanlagen

D.

Rechnungsabgrenzungsposten

B.

Umlaufvermögen

   
 

I.

Vorräte

   
 

II.

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

   
 

III.

Wertpapiere

   
 

IV.

Kasse, Bank

   

C.

Rechnungsabgrenzungsposten

   

Bilanzsumme

Bilanzsumme

Bilanzgliederung für alle Kaufleute

Große Kapitalgesellschaften müssen die einzelnen Punkte noch genauer spezifizieren, d.h. unterteilen. Dies führt dann zu deutlich mehr Unterpunkten, siehe § 266 II, III HGB.  

Unter den sog. Kleinstkapitalgesellschaften verstehen wir kleine Kapitalgesellschaften, welche mindestens zwei der folgenden drei nachstehenden Grenzwerte nicht überschreiten:

  • eine Bilanzsumme von höchstens 350.000 €
  • Umsatzerlöse von höchstens 700.000 € in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag und
  • höchstens zehn Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt.

Wichtig ist also, dass wir eine Unterteilung von Kapitalgesellschaften in folgende Größen haben:

  • kleine Kapitalgesellschaften

    • klein, aber nicht Kleinstkapitalgesellschaft

    • klein und Kleinstkapitalgesellschaft

  • mittelgroße Kapitalgesellschaften

  • große Kapitalgesellschaften

Beispiel

Die Sven-AG aus Frankfurt liefere folgende Informationen.
Jahr Bilanzsumme (Mio. €) Umsatzerlöse (Mio. €) Anzahl Arbeitnehmer
01 4 11 40
02 2 13 30
03 3 14 60
04 4 0,5 8
05 5 4 7

Fraglich ist nun, ob die betrachtete Kapitalgesellschaft klein (vielleicht sogar Kleinstkapitalgesellschaft), mittelgroß oder sogar groß ist. Im Jahr 02 ist die beschriebene Kapitalgesellschaft klein, denn die beiden Grenzwerte für die Bilanzsumme und die Mitarbeiteranzahl wird im zweiten Jahr zum zweitenmal (hintereinander) unterschritten. Sie ist allerdings keine Kleinstkapitalgesellschaft, denn die Grenzwerte aus § 267a I HGB sind überschritten.

Im Jahr 03 nun ist die Kapitalgesellschaft nicht mehr eine kleine Kapitalgesellschaft, denn die Umsatzerlöse als auch die Mitarbeiteranzahl übersteigt die Grenzwerte aus § 267 I HGB.

Im Jahr 04 liegt ebenfalls keine Kleinstkapitalgesellschaft vor, denn die Grenzwerte sind zwar unterschritten, allerdings noch nicht im zweiten Jahr hintereinander. Im Jahr 04 liegt noch keine kleine Kapitalgesellschaft vor, denn die Grenzwerte sind zwar unterschritten, allerdings noch nicht zum zweitenmal hintereinander.

Im Jahr 05 wiederum ist die Kapitalgesellschaft klein, denn alle relevanten Grenzwerte des § 267 I HGB werden zum zweitenmal hintereinander unterschritten. Darüber hinaus ist die kleine Kapitalgesellschaft sogar eine Kleinstkapitalgesellschaft, denn die Grenzwerte für die Umsatzerlöse und die Anzahl der Mitarbeiter werden zum zweitenmal hintereinander im Jahre 05 unterschritten.

Video zur Größe einer Kapitalgesellschaft

In dem folgendem Video schauen wir uns die gelernten Grundsätze erneut an:

Video: Grenzwerte für Größe einer Kapitalgesellschaft

Wichtig

Hinweis: Die Beträge sind nicht aktuell. Bitte entnehmen Sie die aktuellen Beträge der Tabelle zu den Größenmerkmalen.