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Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten - Cashflow-Kennzahlen

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Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten

Cashflow-Kennzahlen

Der Cashflow zeigt, welche Zahlungsmittel das Unternehmen aus eigener Kraft erwirtschaftet hat. Weil Bewertungsspielräume (z. B. bei Abschreibungen und Rückstellungen) herausgerechnet werden, ist er für die Beurteilung der Finanzkraft aussagekräftiger als der Jahresüberschuss.

Brutto-Cashflow (Praktikerformel)

Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag
+ Abschreibungen / ./. Zuschreibungen auf das Anlagevermögen
+ Zunahme / ./. Abnahme der Rückstellungen
= Brutto-Cashflow

Ist der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit (Kapitalflussrechnung) bekannt, wird in der Regel mit ihm gerechnet; die Aufgabenstellung gibt vor, welcher Cashflow gemeint ist.

Kennzahlen

Kennzahl

Formel

Aussage

Cashflow-Umsatzrate (Cashflow-Ratio)

Cashflow ÷ Umsatzerlöse × 100

Wie viel Prozent der Umsatzerlöse fließen als Zahlungsüberschuss zurück?

dynamischer Verschuldungsgrad (in Jahren)

Fremdkapital ÷ Cashflow

In wie vielen Jahren könnte das Fremdkapital rechnerisch aus dem Cashflow getilgt werden?

Schuldentilgungsdauer (in Jahren)

Effektivverschuldung ÷ Cashflow; Effektivverschuldung = bilanzanalytisches Fremdkapital ./. liquide Mittel

wie oben, aber nach Abzug der vorhandenen liquiden Mittel

Nettoinvestitionsdeckung

Cashflow ÷ Nettoinvestitionen des Geschäftsjahres in immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen × 100

Anteil der Investitionen, der aus eigener Kraft (Innenfinanzierung) gedeckt ist

Cash-Burn-Rate (in Jahren)

flüssige Mittel ÷ negativer operativer Cashflow pro Jahr

Wie lange reichen die vorhandenen Mittel, wenn das Unternehmen weiter Geld „verbrennt“? Nur bei negativem operativem Cashflow sinnvoll.

Cashflow Return on Investment (CFROI)

Cashflow ÷ Ø Gesamtkapital × 100

Cashflow-Rendite des eingesetzten Kapitals

Free Cashflow

Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit + Cashflow aus Investitionstätigkeit (mit Vorzeichen, also abzüglich der Netto-Investitionsauszahlungen)

Mittel, die nach den Investitionen für Tilgung, Ausschüttung oder Liquiditätsreserve bleiben

Hinweis

Cashflow-Umsatzrate, dynamischer Verschuldungsgrad, Nettoinvestitionsdeckung, Cash-Burn-Rate und CFROI stehen in der amtlichen Formelsammlung (Abschnitte 2.2.6 und 2.2.8); Effektivverschuldung und Free Cashflow stehen dort nicht, wurden aber in Prüfungen bereits verlangt. Der Cashflow aus Investitionstätigkeit ist bei investierenden Unternehmen negativ – rechnen Sie den Free Cashflow deshalb mit Vorzeichen, sonst verdoppeln Sie die Investitionen statt sie abzuziehen. Steht in einer Unterlage „Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit − Cashflow aus Investitionstätigkeit“, sind die Netto-Investitionsauszahlungen als positiver Betrag gemeint. Ein positiver Free Cashflow ist anzustreben. Dynamische Kennzahlen unterstellen, dass der Cashflow der Vergangenheit auch künftig erzielt und vollständig zur Tilgung verwendet wird – eine theoretische Annahme, die bei der Interpretation zu nennen ist.

Beispiel

Beispiel: Webinar GmbH 2025 (Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit 6.123.060 €, siehe Lerneinheit „Unterscheidung der Methoden“; bilanzanalytisches Fremdkapital 35.173.440 €, liquide Mittel 2.346.660 €; Investitionen in das Anlagevermögen 13.183.200 €, Erlös aus Anlagenabgang 370.000 €, Buchwert der Abgänge 336.000 €):

Cashflow-Umsatzrate = 6.123.060 € ÷ 155.418.800 € × 100 = 3,94 %
dynamischer Verschuldungsgrad = 35.173.440 € ÷ 6.123.060 € = 5,7 Jahre
Effektivverschuldung = 35.173.440 € ./. 2.346.660 € = 32.826.780 €; Schuldentilgungsdauer = 32.826.780 € ÷ 6.123.060 € = 5,4 Jahre
Nettoinvestitionen = 13.183.200 € ./. 336.000 € = 12.847.200 €; Nettoinvestitionsdeckung = 6.123.060 € ÷ 12.847.200 € × 100 = 47,7 %
Cashflow aus Investitionstätigkeit = −13.183.200 € + 370.000 € = −12.813.200 €; Free Cashflow = 6.123.060 € + (−12.813.200 €) = −6.690.140 €

Die Webinar GmbH konnte ihr umfangreiches Investitionsprogramm 2025 nur knapp zur Hälfte aus eigener Kraft finanzieren. Der negative Free Cashflow und die Ausschüttung von 6 Mio. € wurden vor allem über neue Bankkredite (+7 Mio. €), eine Eigenkapitalzuführung und den Abbau liquider Mittel einschließlich Wertpapieren (−3,2 Mio. €) finanziert.