Unternehmen, die in mehreren Regionen, Produktgruppen oder Geschäftsbereichen tätig sind, weisen zentrale Größen auch je Segment aus (Segmentvermögen, Segmentumsatz, Segmentergebnis). Kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen stellen ihren Konzernabschluss nach IFRS auf (§ 315e HGB) und müssen dort nach IFRS 8 Segmente berichten; nach HGB ist die Segmentberichterstattung ein Wahlrecht (§ 297 Abs. 1 Satz 2, § 264 Abs. 1 Satz 2 HGB), für das DRS 28 gilt; für die Analyse wird sie als innerbetrieblicher Vergleich genutzt: Welche Segmente tragen den Unternehmenserfolg, welche binden Kapital, ohne eine angemessene Rendite zu erwirtschaften?
Segmentkennzahlen werden nach denselben Formeln berechnet wie die Kennzahlen des Gesamtunternehmens; Zähler und Nenner beziehen sich auf das einzelne Segment:
Gesamtkapitalrentabilität (Segment) = (Segmentergebnis + Zinsaufwand des Segments) ÷ Segmentvermögen × 100
ROI (Segment) = Umsatzrentabilität (Segmentergebnis ÷ Segmentumsatz) × Kapitalumschlag (Segmentumsatz ÷ Segmentvermögen)
Methode
Segmentgrößen sind in Aufgaben oft gemischt angegeben – teils als Prozentsatz vom Gesamtwert, teils absolut. Prüfen Sie zuerst die Bezugsgröße der Prozentangaben; ein fehlendes Segment (z. B. „Sonstige“) ergibt sich als Restgröße. Negative Segmentergebnisse in Klammern mitrechnen, damit das Vorzeichen nicht verloren geht.
Beispiel
Beispiel: Eine GmbH hat ein bilanzanalytisches Gesamtkapital von 100 Mio. €, gewichtete Kapitalkosten (WACC) von 8 % und drei Segmente:
Mio. € | A | B | C | Gesamt |
Segmentvermögen | 40 | 35 | 25 | 100 |
Umsatzerlöse | 80 | 50 | 30 | 160 |
EBT | 4,0 | 1,4 | −0,6 | 4,8 |
Zinsaufwand | 1,2 | 1,0 | 0,8 | 3,0 |
Gesamtkapitalrentabilität | 13,0 % | 6,9 % | 0,8 % | 7,8 % |
Umsatzrentabilität | 5,0 % | 2,8 % | −2,0 % | 3,0 % |
Kapitalumschlag | 2,00 | 1,43 | 1,20 | 1,60 |
ROI | 10,0 % | 4,0 % | −2,4 % | 4,8 % |
Rechenweg Segment A: Gesamtkapitalrentabilität = (4,0 + 1,2) ÷ 40 × 100 = 13,0 %; ROI = 4,0 ÷ 80 × 100 × 80 ÷ 40 = 5,0 % × 2,00 = 10,0 %.
Nur Segment A verdient mehr als die Kapitalkosten von 8 %. Segment C erwirtschaftet einen Verlust und bindet ein Viertel des Kapitals – hier setzen Maßnahmen an (Kostensenkung, Preisanpassung, Kapitalabbau oder Aufgabe des Segments). Die Gesamtkennzahl von 7,8 % verdeckt diese Unterschiede.
Merke
Lautet eine Aufgabe „ROI = Gesamtkapitalrentabilität × Kapitalumschlag“, ist das methodisch nicht das DuPont-Schema, weil das Gesamtkapital dann zweimal im Nenner steht. Rechnen Sie den ROI über Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag und weisen Sie bei Abweichung kurz darauf hin.
Im folgenden Video wird eine Aufgabe zur Segmentberichterstattung gelöst: EBIT und EBIT-Marge je Segment, Abgrenzung der Segmente, Vorteile der Segmentberichterstattung und Schwellenwerte nach IFRS 8.
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Hinweis
Hinweis zum Video:
- Pflicht und Wahlrecht: IFRS 8 ist nur für Unternehmen verpflichtend, deren Eigen- oder Fremdkapitalinstrumente öffentlich gehandelt werden (IFRS 8.2), im Konzern also für kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen (§ 315e HGB). Nach HGB ist die Segmentberichterstattung im Konzernabschluss ein Wahlrecht (§ 297 Abs. 1 Satz 2 HGB).
- Abgrenzung der Segmente: Nach IFRS 8 richtet sich die Abgrenzung nach der internen Berichtsstruktur (Management Approach). Produkte, Regionen, Kundengruppen oder Vertriebswege sind mögliche Ausprägungen.
- Schwellenwerte (IFRS 8.13, nicht „§ 13“): Ein Geschäftssegment ist berichtspflichtig, wenn es mindestens eine Grenze von 10 % erreicht: Umsatzerlöse (externe und intersegmentäre) im Verhältnis zu den zusammengefassten Umsatzerlösen aller Geschäftssegmente; Betrag des Gewinns oder Verlusts im Verhältnis zum höheren Betrag aus der Summe der Gewinne bzw. der Summe der Verluste; Vermögen im Verhältnis zum zusammengefassten Vermögen aller Geschäftssegmente – nicht zum Gesamtvermögen des Unternehmens.
- 75-%-Regel (IFRS 8.15 f.): Maßgeblich sind die externen Umsatzerlöse der berichtspflichtigen Segmente; sie müssen mindestens 75 % der Umsatzerlöse des Unternehmens erreichen. Die übrigen Aktivitäten werden unter „Alle sonstigen Segmente“ zusammengefasst.
Damit ist das Kapitel „Jahresabschlussanalyse“ abgeschlossen.
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Es folgt das Kapitel „Aktuelle Eigenkapitalrichtlinien für Banken“.