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Finanzmanagement - Risikoanalyse und Risikostrategien

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Finanzmanagement

Risikoanalyse und Risikostrategien

Risiken lassen sich nicht vollständig ausschalten. Ein Unternehmen muss sie aber kennen, bewerten und bewusst entscheiden, wie es mit ihnen umgeht. Der Rahmenplan beschreibt dafür einen Ablauf in mehreren Schritten:

  1. Ersteinschätzung der Kreditrisiken und daraus abgeleitete unternehmerische Entscheidungen,
  2. Risikoanalyse: Welche Risiken bestehen, wie wahrscheinlich sind sie, wie hoch wäre der Schaden?
  3. Risikostufen festlegen: vermeiden, begrenzen oder akzeptieren,
  4. Instrumente zur Risikosteuerung einsetzen (z. B. Devisentermingeschäft, Devisenoption, Zinsswap, Akkreditiv, Exportkreditgarantie),
  5. Wirkung der eingesetzten Instrumente beurteilen.

Ersteinschätzung

Schon vor Abschluss eines Geschäfts verschafft sich das Unternehmen einen ersten Überblick über die Risiken. Typische Fragen sind:

  • Wer ist der Geschäftspartner? Wie ist seine Bonität, wie war sein bisheriges Zahlungsverhalten (Auskünfte von Auskunfteien und Banken, Jahresabschlüsse)?
  • In welchem Land sitzt er? Wie hoch ist das Länderrisiko?
  • In welcher Währung wird abgerechnet? Wie lang ist die Laufzeit bzw. das Zahlungsziel, wie hoch ist der Betrag?
  • Welche Sicherheiten stehen zur Verfügung?

Aus der Ersteinschätzung leitet das Unternehmen seine Entscheidungen ab: das Geschäft annehmen oder ablehnen, die Zahlungsbedingung festlegen (z. B. Vorauszahlung, Dokumentenakkreditiv, Dokumenteninkasso oder Zahlung gegen offene Rechnung), Sicherheiten verlangen, eine Absicherung abschließen oder das Risiko im Preis berücksichtigen.

Risikoanalyse

In der Risikoanalyse werden die einzelnen Risiken erfasst und bewertet. Der Rahmenplan nennt folgende Risikoarten:

RisikoBedeutungMögliche Steuerung
BeschaffungsmarktrisikoLieferanten fallen aus, Rohstoffe werden knapp oder teurermehrere Lieferanten, langfristige Lieferverträge, Sicherheitsbestände
BonitätsrisikoDie Zahlungsfähigkeit des Geschäftspartners verschlechtert sichAuskünfte, Rating, Kreditlimits, laufende Überwachung
AusfallrisikoEine Forderung wird ganz oder teilweise nicht bezahlt (Delkredererisiko)Sicherheiten, echtes Factoring, Forfaitierung, Warenkreditversicherung, Exportkreditgarantie
BesicherungsrisikoSicherheiten verlieren an Wert oder lassen sich nicht wie erwartet verwertenvorsichtige Beleihungswerte und Beleihungsgrenzen, zusätzliche Sicherheiten, Überwachung
Länderrisikopolitische oder wirtschaftliche Ereignisse im Land des Partners (Krieg, Enteignung, Zahlungsverbot, Moratorium)Exportkreditgarantie des Bundes, bestätigtes Akkreditiv
TransferrisikoDer Schuldner ist zahlungsfähig und zahlungswillig, sein Staat verhindert aber den Umtausch oder die Überweisung ins Ausland (Konvertierungs- und Transferrisiko, KT-Risiko)Exportkreditgarantie des Bundes, bestätigtes Akkreditiv
WährungsrisikoOberbegriff für Risiken aus Geschäften in fremder Währung; neben dem Wechselkursrisiko z. B. das Risiko, dass eine Währung nicht mehr frei umtauschbar istFakturierung in Euro, Exportkreditgarantie (für das KT-Risiko)
WechselkursrisikoDer Euro-Wert einer Fremdwährungsforderung oder -verbindlichkeit ändert sich durch KursschwankungenDevisentermingeschäft, Devisenoption, Fremdwährungskredit, Netting
ZinsrisikoSteigende Zinsen verteuern variabel verzinsliche Kredite; sinkende Zinsen mindern Erträge aus variabel verzinslichen AnlagenZinsbindung, Zinsswap, Cap, Floor, Forward Rate Agreement, Financial Futures

Zur Bewertung werden die Eintrittswahrscheinlichkeit und die mögliche Schadenshöhe eingeschätzt. Ihr Produkt ist der erwartete Schaden:

erwarteter Schaden = Eintrittswahrscheinlichkeit · Schadenshöhe

Daneben ist der höchstmögliche Schaden wichtig: Ein seltenes Risiko kann das Unternehmen gefährden, wenn der mögliche Schaden sehr hoch ist.

Risikostufen und Risikostrategien

Nach der Analyse ordnet das Unternehmen jedes Risiko einer Risikostufe zu und legt fest, wie es damit umgeht:

RisikostufeEinschätzungStrategie
hochhohe Eintrittswahrscheinlichkeit und hoher Schadenvermeiden: Geschäft nicht abschließen oder nur gegen Vorauszahlung
mittelSchaden oder Wahrscheinlichkeit spürbar, Geschäft aber erwünschtbegrenzen (vermindern): Bonitätsprüfung, Kreditlimits, Sicherheiten, Streuung auf mehrere Kunden und Länder; oder überwälzen auf Dritte, z. B. durch Akkreditiv, Bankgarantie, Exportkreditgarantie, Forfaitierung, echtes Factoring, Devisentermingeschäft
geringkleiner Schaden oder sehr unwahrscheinlichakzeptieren: Risiko selbst tragen, z. B. durch Wertberichtigungen oder Rücklagen

Merke

Der Rahmenplan nennt die Risikostufen vermeiden, begrenzen, akzeptieren. Das Überwälzen auf Dritte (Bank, Factor, Forfaiteur, Bund) ist eine Form der Begrenzung: Das Risiko bleibt bestehen, wird aber gegen ein Entgelt ganz oder teilweise von einem anderen getragen.

Wirkung der Instrumente beurteilen

Absicherung kostet Geld. Ob sie sich lohnt, beurteilt das Unternehmen anhand folgender Fragen:

  • Wie hoch sind die Kosten der Absicherung (Prämie, Entgelt, Abschlag, Provision) im Vergleich zum erwarteten Schaden?
  • Welches Restrisiko bleibt (z. B. Selbstbeteiligung bei der Exportkreditgarantie, Veritätsrisiko bei Factoring und Forfaitierung, Ausfall der Bank als Vertragspartner)?
  • Wie verändert sich der höchstmögliche Schaden?
  • Welche Wirkung hat das Instrument auf die Liquidität (sofortiger Zahlungseingang bei Forfaitierung und Factoring) und auf die Flexibilität (Devisentermingeschäft muss erfüllt werden, Option nicht)?
  • Bleibt das Unternehmen wettbewerbsfähig? Verlangt es z. B. von jedem Kunden ein Akkreditiv, verliert es möglicherweise Aufträge.

Risikostufen, Kreditlimits und Absicherungen sind regelmäßig zu überprüfen, weil sich Bonität, Länderrisiken, Kurse und Zinsen ändern.

Beispiel

Die Tech-GmbH liefert für 200.000 € an einen neuen Kunden im Ausland. Sie schätzt die Ausfallwahrscheinlichkeit auf 3 %. Eine Exportkreditgarantie würde ein Entgelt von 3.000 € kosten; bei Ausfall trägt die Tech-GmbH eine Selbstbeteiligung von 15 %. Beurteilen Sie die Absicherung.

Ohne Absicherung beträgt der erwartete Schaden 3 % · 200.000 € = 6.000 €, der höchstmögliche Schaden 200.000 €.

Mit Absicherung bleiben das Entgelt von 3.000 € und die Selbstbeteiligung im Schadensfall: erwartete Belastung 3.000 € + 3 % · 15 % · 200.000 € = 3.000 € + 900 € = 3.900 €. Der höchstmögliche Schaden sinkt auf 3.000 € + 30.000 € = 33.000 €.

Die Absicherung ist hier vorteilhaft: Sie senkt die erwartete Belastung um 2.100 € und begrenzt vor allem den möglichen Verlust deutlich.

Prüfungstipp

Prüfungsaufgaben verlangen hier vor allem Erläuterungen: geeignete Absicherungen für ein beschriebenes Risiko nennen (z. B. Bonitätsprüfung und Kreditlimit, Warenkreditversicherung, echtes Factoring, Akkreditiv oder Dokumenteninkasso) und deren Wirkung begründen.

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