Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit kann nach der direkten oder nach der indirekten Methode ermittelt werden; die Bereiche Investitions- und Finanzierungstätigkeit werden immer direkt (aus den Ein- und Auszahlungen) dargestellt.
- Direkte Methode: Die Einzahlungen (z. B. von Kunden) und Auszahlungen (z. B. an Lieferanten und Beschäftigte) der laufenden Geschäftstätigkeit werden einzeln gegenübergestellt. Sie ist anschaulich, setzt aber Zahlungsinformationen voraus, die ein externer Analyst meist nicht hat.
- Indirekte Methode: Ausgangsgröße ist das Periodenergebnis. Es wird um alle Aufwendungen und Erträge korrigiert, denen keine Zahlung gegenübersteht, sowie um die Veränderungen des Working Capital. Sie lässt sich aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung ableiten und ist in der Prüfung der Regelfall.
Indirekte Methode (Grundschema nach DRS 21, verkürzt)
Periodenergebnis (Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag)
+/− Abschreibungen/Zuschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens
+/− Zunahme/Abnahme der Rückstellungen
+/− sonstige zahlungsunwirksame Aufwendungen/Erträge
−/+ Zunahme/Abnahme der Vorräte, der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind
+/− Zunahme/Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind
−/+ Gewinn/Verlust aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens
+/− Zinsaufwendungen/Zinserträge
+/− Ertragsteueraufwand/-ertrag
−/+ Ertragsteuerzahlungen
= Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit
Merke
Die Vorzeichen folgen der Bewegungsbilanz: Eine Zunahme von Aktiva (z. B. Vorräte, Forderungen) ist Mittelverwendung und wird abgezogen; eine Zunahme von Passiva (z. B. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) ist Mittelherkunft und wird hinzugerechnet. Die ersten drei Zeilen bilden die Praktikerformel für den Brutto-Cashflow (siehe Lerneinheit „Cashflow-Kennzahlen“). Latente Steuern sind zahlungsunwirksam; eine erfolgswirksame Veränderung wird deshalb als sonstiger zahlungsunwirksamer Aufwand bzw. Ertrag korrigiert.
Beispiel
Beispiel: Operativer Cashflow der Webinar GmbH 2025 (indirekt, vereinfacht ohne Zins- und Steuerkorrekturen – so wie das Schema „Berechnung Cashflow“ der amtlichen Formelsammlung), Zahlen aus den Lerneinheiten „Strukturbilanz“ und „Erfolgsspaltung, ordentliches Betriebsergebnis und EBIT“, in €:
Jahresüberschuss 3.520.120
+ Abschreibungen 4.680.060
+ Zunahme der Rückstellungen (6.816.000 ./. 6.384.000) 432.000
= Brutto-Cashflow 8.632.180
./. Zunahme der Vorräte (14.720.000 ./. 12.320.000) 2.400.000
./. Zunahme der Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände (11.393.000 ./. 8.181.600) 3.211.400
+ Zunahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, der sonstigen Verbindlichkeiten und der erhaltenen Anzahlungen (13.969.440 ./. 10.833.160) 3.136.280
./. Gewinn aus Anlagenabgang 34.000
= Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit 6.123.060
Der Erlös aus dem Anlagenabgang (370.000 €) gehört zur Investitionstätigkeit, die Zunahme der Bankverbindlichkeiten zur Finanzierungstätigkeit. Bewusst weggelassen sind hier – wie im Formelsammlungs-Schema – die Veränderung der aktiven latenten Steuern (Abnahme um 217.000 €, zahlungsunwirksamer Steueraufwand) und des aktiven Rechnungsabgrenzungspostens; eine vollständige Rechnung käme auf einen etwas höheren Cashflow.
Beispiel zur direkten Methode
Erstellen Sie für die Max Money AG eine Kapitalflussrechnung nach der direkten Methode. Der Zahlungsmittelbestand liegt am Jahresanfang bei 60 Tsd. €.
Vorgang | Tsd. € |
Umsatzerlöse auf Ziel | 200 |
Zahlungseingang von Kunden | 120 |
Zahlungseingang für Zinsen auf Forderungen | 10 |
Umsatzaufwand | 150 |
Kauf von Waren auf Ziel | 180 |
Zahlungsausgang für Löhne und Gehälter | 50 |
Abschreibungen auf Sachanlagen | 10 |
Zahlungsausgang für den Kauf von Sachanlagen | 250 |
Einzahlung aus dem Verkauf von Sachanlagen (inkl. eines Gewinns von 5 Tsd. €) | 60 |
Zahlungseingang aus der Ausgabe junger Aktien | 100 |
Dividendenzahlung an die Aktionäre | 5 |
Lösung (in Tsd. €): Umsätze auf Ziel, Warenkäufe auf Ziel, Umsatzaufwand und Abschreibungen sind nicht zahlungswirksam und bleiben außer Ansatz.
Einzahlungen von Kunden | 120 |
./. Auszahlungen an Beschäftigte | −50 |
= Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit | 70 |
Einzahlungen aus dem Verkauf von Sachanlagen | 60 |
./. Auszahlungen für den Kauf von Sachanlagen | −250 |
+ erhaltene Zinsen (DRS 21) | 10 |
= Cashflow aus Investitionstätigkeit | −180 |
Einzahlungen aus der Ausgabe junger Aktien | 100 |
./. Dividenden an die Aktionäre | −5 |
= Cashflow aus Finanzierungstätigkeit | 95 |
Veränderung des Finanzmittelfonds | −15 |
Finanzmittelfonds am Jahresanfang | 60 |
Finanzmittelfonds am Jahresende | 45 |
Tab. 12: Direkte Kapitalflussrechnung
Zusammenfassung Kapitalflussrechnung:
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