Inhaltsverzeichnis
Zu den Handelskrediten zählen Lieferantenkredite und Kundenkredite:
Lieferantenkredit
Ein Lieferantenkredit kann freiwillig oder unfreiwillig eingeräumt werden. Dabei wird ein Zahlungsziel eingeräumt.
Beispiel
Die P-AG bezieht bei der H-GmbH Bauteile für 2.000 €. Die H-GmbH schreibt in der Rechnung: „Bezahlung des Betrags von 2.000 € innerhalb von 30 Tagen oder Abzug von Skonto bei Bezahlung innerhalb der ersten zehn Tage in Höhe von 3 % des Rechnungsbetrags.“
Das Unternehmen erhält dabei Lieferungen oder sonstige Leistungen auf Ziel (Stundung des Kaufpreises). Meist nutzt der Käufer das eingeräumte Zahlungsziel (häufig 30 Tage) voll aus. Aus Gründen der Kundenbindung kann bei einer längerfristigen Geschäftsbeziehung auch ein langfristiger Kredit gewährt werden.
Merke
Vorteile eines Lieferantenkredits:
- Schnelligkeit
- Formlosigkeit
- Einfachheit
Nachteile eines Lieferantenkredits:
- relativ teuer
- Abhängigkeit vom Lieferanten
- Eigentumsvorbehalt des Lieferanten
Beispiel
Die L-AG kauft Handelswaren für 10.000 €, zahlbar binnen zehn Tagen abzüglich 2 % Skonto oder binnen 30 Tagen netto Kasse.
Effektiver Jahreszins des Lieferantenkredits (Näherung):
Skontosatz × 360 ÷ (Zahlungsziel − Skontofrist) = 2 % × 360 ÷ 20 = 36 %
Genauer (Skonto bezogen auf den tatsächlich zu zahlenden Betrag): 2 ÷ 98 × 360 ÷ 20 = 36,73 %
Finanzierungsvergleich: Die L-AG finanziert den Zahlbetrag über ihren Kontokorrentkredit (10 % p. a.) für 20 Tage.
Skontoertrag: 2 % × 10.000 € = 200,00 €
Kontokorrentzinsen: 9.800 € × 10 % × 20 ÷ 360 = 54,44 €
Finanzierungsvorteil: 145,56 € – die Skontoziehung lohnt sich.
Für den Lieferantenkredit wird kein explizit vereinbarter Zins gezahlt. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieser kostenlos ist. Vielmehr wird bei rechtzeitiger Zahlung innerhalb der sog. Skontofrist ein Abzug eines gewissen Betrages, das sog. Skonto, gewährt. Wird nicht innerhalb dieser Skontofrist bezahlt, so soll spätestens nach Ende der dann folgenden Skontobezugsspanne der Rechnungsbetrag bezahlt werden. Der Lieferantenkredit wird dann für diese sog. Skontobezugsspanne gewährt.
Beispiel
Die P-AG darf, wenn sie innerhalb der ersten zehn Tage den Rechnungsbetrag begleicht, 3 % von 2.000 €, also 60 €, abziehen. Sie überweist dann lediglich 1.940 € an die H-GmbH.
Der Lieferantenkredit wird für die Skontofrist zinslos gewährt, der Skontobetrag, welcher im Preis eingerechnet ist, bildet die Zinskosten für die Skontobezugsspanne, hier also für die 20 Tage.
Wenn die P-AG den Skonto von 3 % nur dann abziehen kann, wenn sie sofort bezahlt, dann liegt der Jahreszins bei 36 %. Wenn sie zehn Tage Zeit hat, den Skonto von 3 % abzuziehen, so läge der Jahreszins bei 54 %. Dürfte sie sich 13 Tage Zeit mit der Bezahlung von lediglich 97 % des Rechnungsbetrages lassen, also innerhalb der ersten 13 Tage einen Skonto von 3 % abziehen, so läge der Jahreszins bei 63,5 %.
Klar ist nun, dass eine Bezahlung, die noch innerhalb der Skontofrist erfolgt, günstiger ist als das Ausnutzen der Skontobezugsspanne und Bezahlung erst an deren Ende. Selbst ein kurzfristiger Bankkredit zur Finanzierung des Betrags ist nämlich in aller Regel günstiger als der Lieferantenkredit.
Erfolgt hingegen die Bezahlung lediglich schleppend, so spricht man von einer unfreiwilligen Einräumung eines Lieferantenkredits. Für den Lieferantenkredit als Form der kurzfristigen Fremdfinanzierung benötigt es keine besonderen Formalitäten und keine bankübliche Kreditwürdigkeitsprüfung; als Sicherheit dient meist der Eigentumsvorbehalt. Er ist daher besonders bequem. Es liegt im Interesse des Lieferanten, den Lieferantenkredit zu gewähren, um seinen Absatz zu steigern. Das Interesse liegt also nicht im primären Kreditgeschäft, sondern vielmehr in dem dahinter liegenden Gütergeschäft.
Kundenkredit
Im Unterschied zum Lieferantenkredit tritt bei einem Kundenkredit der Kunde in Vorleistung. Durch den Kunden werden also bereits vor dem Erhalt der Lieferung oder Leistung Zahlungen an den Vertragspartner geleistet.
Merke
Vorteile für den Lieferanten:
- Liquiditätsvorteil
- größere Sicherheit, dass Kunde die Leistung abnimmt
Kundenanzahlungen sind vor allem bei langer Herstellungsdauer und hohem Auftragswert üblich, etwa im Anlagen- und Maschinenbau oder im Baugewerbe. Der Kunde sichert sich gegen das Risiko ab, dass der Lieferant nicht liefert, indem er eine Anzahlungsgarantie bzw. Anzahlungsbürgschaft einer Bank verlangt (Avalkredit). Der Lieferant weist die Anzahlung als erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen unter den Verbindlichkeiten aus (§ 266 Abs. 3 C Nr. 3 HGB). Nachteile für den Lieferanten sind die Kosten der Anzahlungsgarantie und die geringere Verhandlungsmacht gegenüber dem Kunden.
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