Grundlagen KLR
Kosten- und Leistungsrechnung – Grundlagen
Vertiefung
Was ist der Unterschied zwischen internem und externem Rechnungswesen?
| Externes Rechnungswesen | Internes Rechnungswesen (KLR) | |
|---|---|---|
| Adressaten | Externe (Finanzamt, Banken, Gesellschafter) | Interne Entscheidungsträger (Management) |
| Rechtsgrundlage | Handelsrecht (§§ 238 ff. HGB); Steuerrecht (§ 140, § 141 AO i.V.m. EStG); IFRS nur für kapitalmarktorientierte Konzernabschlüsse (EU-VO 1606/2002) | Freiwillig; keine gesetzliche Pflicht |
| Inhalt | Jahresabschluss (Bilanz, GuV, Anhang) | Kosten-, Erlös-, Ergebnisrechnung |
| Zeitbezug | Vergangenheitsorientiert | Vergangenheit und Zukunft (Planung) |
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Was sind Kosten?
Kosten: Bewerteter, betriebszweckbezogener Güter- und Leistungsverzehr einer Periode.
Abgrenzungsmerkmale:
- Betriebszweckbezug: Kosten entstehen nur durch betriebliche Leistungserstellung (nicht durch betriebsfremde oder außerordentliche Vorgänge)
- Bewertung: Mengenmäßiger Verbrauch × Preis
- Periodenbezug: Zurechnung zur Abrechnungsperiode
Kosten sind der zentrale Begriff der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) – sie unterscheiden sich vom handelsrechtlichen Aufwand.
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Wie stehen Kosten dem Aufwand gegenüber?
Aufwand (Gewinn- und Verlustrechnung § 275 HGB) und Kosten (KLR) sind verwandte, aber nicht identische Begriffe:
- Zweckaufwand = Grundkosten: Aufwand, der auch betriebszweckbezogene Kosten darstellt (z.B. Materialaufwand, Personalkosten) → vollständige Übereinstimmung
- Neutraler Aufwand: Aufwand ohne Kostenwirkung (z.B. außerordentliche Verluste, betriebsfremde Aufwendungen, periodenfremde Aufwendungen) → nur in der GuV
- Anderskosten: Kosten und Aufwand existieren, aber in unterschiedlicher Höhe → z.B. kalkulatorische Abschreibung (Wiederbeschaffungswert) ≠ bilanzielle Abschreibung (AK)
- Zusatzkosten: Kosten ohne entsprechenden Aufwand → z.B. kalkulatorischer Unternehmerlohn, kalkulatorische Zinsen auf Eigenkapital
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Was ist der Unterschied zwischen Auszahlungen, Ausgaben, Aufwendungen und Kosten?
Die vier Begriffe sind unterschiedliche Rechengrößen mit unterschiedlichem Erkenntnisziel:
- Auszahlungen: Abfluss von Zahlungsmitteln (Kasse/Bank) im Zahlungszeitpunkt
- Ausgaben: Abfluss von Zahlungsmitteln oder Entstehung von Verbindlichkeiten (Finanzbuchhaltung, zahlungsorientiert); umfasst auch Ausgaben auf Ziel
- Aufwendungen: Periodisierte Ausgaben; wertmäßiger Ressourcenverzehr laut Gewinn- und Verlustrechnung (§ 275 HGB) – unabhängig vom Zahlungszeitpunkt
- Kosten: Betriebszweckbezogener, bewerteter Verbrauch in der Kosten- und Leistungsrechnung – bereinigt um neutralen Aufwand; ergänzt um kalkulatorische Kosten
Merksatz: Auszahlung → Ausgabe → Aufwand → Kosten: jede Ebene ist enger und auf ein spezifisches Erkenntnisziel ausgerichtet.
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Was sind Anderskosten?
Anderskosten: Kosten, für die in der Buchführung ein Aufwand in anderer Höhe ausgewiesen wird. Der Unterschied entsteht durch kalkulatorische Ansätze.
Typische Beispiele:
- Kalkulatorische Abschreibungen (vom Wiederbeschaffungswert) statt bilanzieller AfA (von AK)
- Kalkulatorische Zinsen auf das Fremdkapital – in der Buchführung sind die tatsächlichen Zinsen Aufwand, in der KLR werden die Zinsen auf das betriebsnotwendige Kapital berechnet.
Anderskosten sind Teil der kalkulatorischen Kosten und dienen der internen Steuerung.
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Was sind Zusatzkosten?
Zusatzkosten: Kosten, denen in der Buchführung kein entsprechender Aufwand gegenübersteht – sie sind rein kalkulatorischer Natur.
Typische Beispiele:
- Kalkulatorischer Unternehmerlohn: Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften erhält der Inhaber kein Gehalt (kein Aufwand in GuV); in der KLR wird ein fiktiver Unternehmerlohn angesetzt
- Kalkulatorische Miete: Nutzt der Unternehmer eigene Räume, entsteht kein Mietaufwand – die KLR setzt eine Marktmiete an
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Was sind kalkulatorische Kosten? Nennen Sie Beispiele
Kalkulatorische Kosten: Kosten, die in der handelsrechtlichen Buchführung nicht oder in anderer Höhe als Aufwand erfasst werden, aber für eine vollständige und verursachungsgerechte Kostenrechnung berücksichtigt werden müssen.
Beispiele:
- Kalkulatorische Abschreibungen: Basis Wiederbeschaffungswert statt historischer AK
- Kalkulatorische Zinsen: Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals
- Kalkulatorischer Unternehmerlohn (Zusatzkosten)
- Kalkulatorische Miete für eigene Gebäude (Zusatzkosten)
- Kalkulatorische Wagnisse: Pauschalrisikoansatz für betriebliche Risiken (z.B. Forderungsausfall, Lagerrisiko)
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Was sind kalkulatorische Zinsen?
Kalkulatorische Zinsen: Ansatz von Zinsen auf das im Unternehmen gebundene Kapital – unabhängig davon, ob es sich um Eigen- oder Fremdkapital handelt.
Begründung: Eigenkapital hat Opportunitätskosten (entgangene Rendite einer Alternativanlage); für eine vollständige Kalkulation müssen diese berücksichtigt werden.
Berechnung:
- Basis: betriebsnotwendiges Kapital (nur Kapital, das der eigentlichen Betriebstätigkeit dient)
- Abzug des Abzugskapitals (zinsloses Fremdkapital wie Lieferantenverbindlichkeiten, erhaltene Anzahlungen) → diese sind kostenfrei und mindern die Zinsbasis
- Zinsbasis = betriebsnotwendiges Vermögen – Abzugskapital
- Kalk. Zinsen = Zinsbasis × kalkulatorischer Zinssatz
Abgrenzung: In der Gewinn- und Verlustrechnung erscheinen nur tatsächliche Fremdkapitalzinsen als Aufwand; kalkulatorische Eigenkapitalzinsen sind Zusatzkosten.
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Wie funktioniert die kalkulatorische Abschreibung?
Die kalkulatorische Abschreibung weicht in Basis und/oder Methode von der bilanziellen AfA ab:
Basis: Wiederbeschaffungswert statt Anschaffungskosten – spiegelt den tatsächlichen Werteverzehr zum aktuellen Preisniveau wider
Nutzungsdauer: Technisch-wirtschaftliche Nutzungsdauer (kann von steuerlichen AfA-Tabellen abweichen)
Methode: In der Regel lineare Abschreibung
Ziel: Die Kalkulation soll zeigen, welche Kosten tatsächlich entstehen, wenn das Anlagegut zu heutigen Preisen ersetzt werden muss – nicht den historischen Anschaffungspreis.
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Warum wird bei kalkulatorischen Abschreibungen vom Wiederbeschaffungswert ausgegangen?
Die bilanzielle AfA basiert auf historischen Anschaffungskosten – bei Inflation oder Preisanstieg reichen die angesparten Beträge nicht aus, um das Anlagegut zu ersetzen.
Die kalkulatorische Abschreibung auf Basis des Wiederbeschaffungswerts stellt sicher, dass:
- Die Verkaufspreise den tatsächlichen Ersatzbedarf abdecken (Substanzerhaltung)
- Keine Scheingewinne ausgewiesen werden (durch zu niedrige Abschreibungen)
- Das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig bleibt
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Was sind fixe Kosten?
Fixe Kosten: Kosten, die in ihrer Höhe unabhängig von der produzierten Menge (Beschäftigung) sind – sie fallen auch bei Stillstand an.
Beispiele: Miete, Leasingraten, Gehälter (Management), bilanzielle Abschreibungen, Versicherungen
Sprungfixe Kosten (intervallfix): Fixe Kosten, die sich bei Überschreiten einer bestimmten Kapazitätsgrenze sprungartig erhöhen (z.B. zweite Schicht erfordert zweiten Schichtleiter, Anmietung zusätzlicher Lagerräume). Innerhalb eines Kapazitätsintervalls sind sie fix.
Stückkostenperspektive: Fixe Kosten je Einheit sinken mit steigender Menge (Fixkostendegression) → Skaleneffekte.
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Was sind variable Kosten?
Variable Kosten: Kosten, die sich mit der Beschäftigung (Produktionsmenge) verändern.
Arten:
- Proportional variabel: Kosten steigen im gleichen Verhältnis wie die Menge (Regelfall)
- Progressiv variabel: Kosten steigen überproportional (z.B. Überstundenzuschläge)
- Degressiv variabel: Kosten steigen unterproportional (z.B. Mengenrabatte)
Beispiele: Rohstoffkosten, Fertigungslöhne, Energiekosten, Verpackungsmaterial
Variable Kosten je Einheit sind bei proportional variablen Kosten konstant. Grenzkosten (Kosten der letzten produzierten Einheit) = variable Stückkosten bei linearer Kostenfunktion – entscheidungsrelevant für kurzfristige Preis- und Programmentscheidungen.
Kostenstellenrechnung
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Warum gibt es Kostenstellen?
Kostenstellen sind betriebliche Abrechnungsbereiche, denen Kosten zugeordnet werden. Zwecke:
- Verursachungsgerechte Kostenzuordnung: Gemeinkosten werden nicht pauschal, sondern dem verursachenden Bereich zugerechnet
- Kostenkontrolle: Jede Kostenstelle hat einen Verantwortlichen → Abweichungsanalyse möglich
- Kalkulation: Grundlage für Gemeinkostenzuschlagssätze auf Kostenträger
- Entscheidungsunterstützung: Make-or-Buy, Outsourcing, Bereichsprofitabilität
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Welche Bereiche gibt es in der KLR?
Die KLR gliedert sich in drei Stufen:
- Kostenartenrechnung: Was ist angefallen? (Material, Personal, Abschreibungen, Zinsen …)
- Kostenstellenrechnung: Wo ist es angefallen? (Fertigung, Verwaltung, Vertrieb, Material …)
- Kostenträgerrechnung: Wofür ist es angefallen? (Kalkulation der Produkte/Leistungen)
Ergänzt durch die Kurzfristige Erfolgsrechnung (KER) zum Periodenergebnis auf Basis der KLR.
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Was ist ein Betriebsabrechnungsbogen (BAB)?
BAB: Tabellarisches Instrument zur Verteilung der Gemeinkosten aus der Kostenartenrechnung auf die Kostenstellen.
Aufbau:
- Zeilen: Kostenarten (Material-GK, Fertigungs-GK, Verwaltungs-GK, Vertriebs-GK …)
- Spalten: Kostenstellen (Hilfskostenstellen + Hauptkostenstellen)
Schritte:
- Primärkostenverteilung: Gemeinkosten direkt den Kostenstellen zurechnen
- Innerbetriebliche Leistungsverrechnung: Hilfskostenstellen (z.B. Kantine, Fuhrpark) auf Hauptkostenstellen umlegen. Verfahren:
- Anbauverfahren: Einseitige Umlage; Gegenleistungen zwischen Hilfskostenstellen werden ignoriert – einfach, aber ungenau
- Stufenleiterverfahren: Schrittweise Umlage in festgelegter Reihenfolge; teilweise Berücksichtigung gegenseitiger Leistungen
- Gleichungsverfahren: Simultane Lösung eines Gleichungssystems; exakte Berücksichtigung aller gegenseitigen Leistungen – klausurrelevant!
- Ermittlung der Gemeinkostenzuschlagssätze je Hauptkostenstelle
Kalkulation
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Welche Kalkulationsverfahren gibt es?
- Divisionskalkulation: Gesamtkosten / Menge; nur bei homogener Massenproduktion (z.B. Zement)
- Äquivalenzziffernkalkulation: Divisionskalkulation bei ähnlichen Produkten mit unterschiedlichem Kostenverbrauch
- Zuschlagskalkulation: Einzel- und Gemeinkosten getrennt; Zuschlagssätze aus dem BAB; häufigste Methode in der Praxis
- Maschinenstundensatzrechnung: Ergänzung der Zuschlagskalkulation; Fertigungsgemeinkosten werden maschinengenau verrechnet
- Kuppelkalkulation: Bei Kuppelproduktion (mehrere Produkte aus einem Prozess)
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Was ist eine Zuschlagskalkulation?
Zuschlagskalkulation: Kalkulationsverfahren, bei dem auf die direkt zurechenbaren Einzelkosten prozentuale Gemeinkostenzuschläge addiert werden.
Grundschema:
| Materialeinzelkosten (MEK) | |
| + Materialgemeinkosten (MGK) → % auf MEK | |
| = Materialkosten | |
| + Fertigungseinzelkosten (FEK) | |
| + Fertigungsgemeinkosten (FGK) → % auf FEK | |
| + Sondereinzelkosten der Fertigung | |
| = Herstellkosten | |
| + Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) → % auf HK | |
| + Vertriebsgemeinkosten (VtGK) → % auf HK | |
| + Sondereinzelkosten des Vertriebs | |
| = Selbstkosten |
Zuschlagssätze (aus dem BAB): MGK-Satz = MGK / MEK × 100; FGK-Satz = FGK / FEK × 100; VwGK-Satz = VwGK / HK × 100
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Wie funktioniert die Zuschlagskalkulation mit Maschinenstundensatz?
Der Maschinenstundensatz ersetzt den pauschalen Fertigungsgemeinkostenzuschlag für maschinenintensive Fertigungsprozesse durch eine maschinenspezifische Stundenkostenrate.
Berechnung:
Maschinenstundensatz = Maschinenkosten je Periode / geplante Maschinenstunden
Maschinenkosten umfassen: Kalk. Abschreibung, kalk. Zinsen, Raumkosten, Energiekosten, Wartung/Instandhaltung
In der Kalkulation: FGK-Anteil = Maschinenstundensatz × Bearbeitungszeit je Einheit → präzisere Kostenzuordnung als prozentualer Zuschlag.
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Was ist das Kalkulationsschema für den Handelspreis (inkl. Skonto)?
Rückwärtskalkulation vom Nettoverkaufspreis zum Einstandspreis:
| Bruttoverkaufspreis (Listenpreis) | |
| – Kundenrabatt | |
| = Zielverkaufspreis | |
| – Kundenskonto (z.B. 2 %) | |
| = Barverkaufspreis | |
| – Vertriebskosten / Handlungskosten | |
| = Selbstkosten | |
| – Gewinnzuschlag | |
| = Einstandspreis (Bezugspreis) |
Hinweis Skonto: Skonto wird auf den Zielverkaufspreis vereinbart, aber der Barverkaufspreis ergibt sich durch Division:
Barverkaufspreis = Zielverkaufspreis × 100 / (100 + Skontosatz)
Beispiel: 2 % Skonto auf 1.020 € → Barverkaufspreis = 1.020 × 100/102 = 1.000 €
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Wie ermittelt man Herstellungskosten in der KLR?
In der Kosten- und Leistungsrechnung sind die Herstellkosten umfassender als der HGB-Mindestansatz:
§ 255 Abs. 2 HGB – Herstellungskosten:
- Pflichtbestandteile: Materialeinzelkosten, Fertigungseinzelkosten, Sondereinzelkosten der Fertigung, notwendige Material- und Fertigungsgemeinkosten
- Wahlbestandteile: Angemessene Verwaltungsgemeinkosten, Sozialeinrichtungen, freiwillige soziale Leistungen, betriebliche Altersversorgung
- Nicht aktivierbar: Vertriebskosten (§ 255 Abs. 2 S. 4 HGB)
KLR ≠ HGB: Die Kosten- und Leistungsrechnung hat keinen Bilanzzweck. Sie setzt Vollkosten an (inkl. kalkulatorischer Abschreibungen und Zinsen), um vollständige Preisentscheidungen zu treffen – unabhängig von handelsrechtlichen Bewertungsvorschriften.
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Sind Finanzierungskosten den Herstellungskosten hinzuzurechnen?
Handelsrecht (§ 255 Abs. 3 HGB): Fremdkapitalzinsen dürfen aktiviert werden, wenn sie auf den Herstellungszeitraum entfallen (Aktivierungswahlrecht für Bauzeitzinsen). Gilt nur für Fremdkapital – keine Aktivierung kalkulatorischer Eigenkapitalzinsen.
Steuerrecht (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 2 EStG i.V.m. R 6.3 EStR): Aktivierungsverbot für Fremdkapitalzinsen in den Herstellungskosten.
Kosten- und Leistungsrechnung: Kalkulatorische Zinsen auf das eingesetzte Kapital (eigen- und fremdfinanziert) werden als Kostenbestandteil berücksichtigt – Ziel: vollständige Kapitalkosten im Preis abbilden.
Vollkostenrechnung vs. Teilkostenrechnung
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Was ist Vollkostenrechnung?
Vollkostenrechnung: Alle Kosten (fixe und variable) werden auf die Kostenträger verteilt. Jedes Produkt trägt einen Anteil aller Gemeinkosten.
Vorteil: Vollständige Kostendeckung in der Preiskalkulation; geeignet für langfristige Preisuntergrenzen.
Nachteil: Fixkosten werden durch Schlüsselung willkürlich auf Produkte verteilt → Scheingenauigkeit. Ungeeignet für kurzfristige Preis- und Programmentscheidungen, da fixe Kosten bei einer Produktentscheidung nicht entscheidungsrelevant sind.
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Was ist Teilkostenrechnung?
Teilkostenrechnung: Nur ein Teil der Kosten – in der Regel die variablen Kosten (Grenzkosten) – werden den Kostenträgern zugerechnet. Die Fixkosten werden als Periodenkosten behandelt und nicht auf Produkte verteilt.
Wichtigste Form: Deckungsbeitragsrechnung / Grenzkostenrechnung (Direct Costing)
Verbindung zur Grenzplankostenrechnung: Kombination aus Teilkostenrechnung und Plankostenrechnung; nur variable Plankosten werden auf Kostenträger verrechnet → Basis für präzise Abweichungsanalyse ohne Fixkostenverzerrung.
Vorteil: Fixkostenproportionalisierung wird vermieden; bessere Grundlage für kurzfristige Entscheidungen.
Nachteil: Kein vollständiger Kostenausweis je Produkt; langfristige Preisuntergrenze nicht direkt ableitbar.
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Was sind die Unterschiede zwischen Vollkosten- und Teilkostenrechnung?
| Vollkostenrechnung | Teilkostenrechnung | |
|---|---|---|
| Fixkostenverteilung | Auf Produkte verteilt (Schlüsselung) | Als Periodenblock behandelt |
| Ergebnisgröße | Gewinn je Produkt | Deckungsbeitrag je Produkt |
| Preisuntergrenze | Langfristig (= Selbstkosten) | Kurzfristig (= variable Kosten) |
| Entscheidungen | Langfristige Planung | Kurzfristige Programm- und Preisentscheidungen |
| Gefahr | Scheingewinne/-verluste durch Schlüsselung | Fixkostendeckung nicht sichtbar |
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Was ist Plankostenrechnung?
Plankostenrechnung: Zukunftsorientiertes Kostenrechnungssystem, das vor Beginn der Periode Plankosten festlegt und am Periodenende mit den Istkosten vergleicht.
Kernzweck: Kostenkontrolle durch Soll-Ist-Vergleich und Abweichungsanalyse (z.B. Verbrauchsabweichung, Beschäftigungsabweichung).
Formen:
- Starre Plankostenrechnung: Plankosten werden nicht an tatsächliche Beschäftigung angepasst
- Flexible Plankostenrechnung: Plankosten werden auf Istbeschäftigung umgerechnet → genauere Abweichungsanalyse
- Grenzplankostenrechnung: Nur variable Plankosten → Verbindung mit Teilkostenrechnung
Deckungsbeitragsrechnung
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Was ist der Deckungsbeitrag?
Deckungsbeitrag (DB): Differenz zwischen Erlös und variablen Kosten eines Produkts oder einer Leistung.
Formel:
- DB je Einheit = Verkaufspreis – variable Stückkosten
- DB gesamt = Umsatz – gesamte variable Kosten
- Betriebsergebnis = DB gesamt – Fixkosten
Bedeutung: Der Deckungsbeitrag gibt an, wie viel ein Produkt zum Beitrag zur Deckung der Fixkosten und zum Gewinn leistet. Ein positiver DB bedeutet: das Produkt lohnt sich kurzfristig (solange DB > 0).
DB-Quote (Deckungsbeitragsquote): DB / Umsatz × 100 → gibt an, wie viel Prozent des Umsatzes als Deckungsbeitrag verbleiben; wichtige Kennzahl für Preisverhandlungen und Sortimentssteuerung.
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Welche Funktionen hat die Deckungsbeitragsrechnung?
- Kurzfristige Preisuntergrenze: Mindestpreis = variable Stückkosten (Preis > variable Kosten → DB > 0)
- Produktprogrammentscheidung: Welche Produkte bei Kapazitätsengpass vorrangig produzieren? → Rangfolge nach DB je Engpasseinheit
- Make-or-Buy: Fremdbezug günstiger, wenn Fremdpreis < variable Eigenkosten
- Break-Even-Analyse: Ab welcher Menge werden die Fixkosten gedeckt?
- Sortimentssteuerung: Elimination von Produkten mit negativem DB prüfen
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Was ist eine einstufige Deckungsbeitragsrechnung?
Einstufige DBR (Direct Costing): Die Fixkosten werden als einheitlicher Gesamtblock behandelt und nicht auf Produkte oder Bereiche aufgeteilt.
Schema:
| Umsatzerlöse | xxx € |
| – Variable Kosten gesamt | – xxx € |
| = Deckungsbeitrag | xxx € |
| – Fixkosten gesamt (Block) | – xxx € |
| = Betriebsergebnis | xxx € |
Vorteil: Einfach und schnell. Nachteil: Keine Aussage darüber, welche Fixkosten welchen Produkten oder Bereichen zuzurechnen sind.
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Was ist eine mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung?
Mehrstufige DBR (Fixkostendeckungsrechnung): Fixkosten werden nach ihrer Zurechenbarkeit in mehrere Ebenen aufgeteilt – jede Ebene zeigt einen eigenen Deckungsbeitrag.
Stufenbeispiel:
| Umsatz – Variable Kosten = DB I (je Produkt) |
| DB I – Produktfixkosten = DB II (je Produktgruppe) |
| DB II – Bereichsfixkosten = DB III (je Bereich/Sparte) |
| DB III – Unternehmensfixkosten = Betriebsergebnis |
Vorteil: Zeigt, welche Ebene Fixkosten verursacht → bessere Entscheidungsgrundlage für Produkteliminierung.
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Wie erstellt man eine Abgrenzungstabelle in der KLR?
Die Abgrenzungstabelle überleitet den handelsrechtlichen Aufwand (GuV) in die Kosten der KLR durch systematische Korrekturen:
| Kostenart | Aufwand (GuV) | Abgrenzung | Kosten (KLR) |
|---|---|---|---|
| Abschreibungen | bilanzielle AfA | +/– Differenz zu kalk. AfA | kalk. Abschreibung |
| Zinsen | nur FK-Zinsen | + kalk. EK-Zinsen | Gesamtkapitalzinsen |
| Neutraler Aufwand | vorhanden | – herausrechnen | 0 |
| Unternehmerlohn | 0 | + kalk. Ansatz | kalk. Unternehmerlohn |
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Was ist der Break-Even-Point?
Break-Even-Point (Gewinnschwelle): Die Absatzmenge, bei der Erlöse und Gesamtkosten identisch sind – weder Gewinn noch Verlust entsteht.
Formel:
Break-Even-Menge = Fixkosten / (Preis – variable Stückkosten) = Fixkosten / Deckungsbeitrag je Einheit
Grafisch: Schnittpunkt von Erlösgerade und Gesamtkostengerade
Entscheidungsrelevanz:
- Menge < BEP → Verlust
- Menge = BEP → Null-Ergebnis
- Menge > BEP → Gewinn
Sicherheitsabstand = Ist-Menge – BEP-Menge → zeigt Puffer vor Verlusten.
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Wie wird ein optimales Produktionsprogramm ermittelt?
Bei einem Engpass (z.B. begrenzte Maschinenzeit, begrenzte Rohstoffe):
- DB je Einheit für jedes Produkt berechnen (Preis – variable Kosten)
- DB je Engpasseinheit berechnen: DB / benötigte Engpassmenge je Einheit
- Produkte nach DB je Engpasseinheit absteigend rangieren
- Kapazität auf Produkte in dieser Reihenfolge verteilen, bis Kapazität erschöpft
Wichtig: Nicht der absolute DB, sondern der relative DB (DB je Engpasseinheit) ist entscheidungsrelevant.
Bei Nachfrageobergrenze: erst Maximalmengen der besser gerateten Produkte sichern, dann Rest verteilen.