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Finanzmanagement - Ordentliche Kapitalerhöhung

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Ordentliche Kapitalerhöhung

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Als ordentliche Kapitalerhöhung wird eine Kapitalerhöhung gegen Einlagen bezeichnet. Dabei werden neue (= junge) Aktien ausgegeben (= emittiert).

Bei einer Kapitalerhöhung ist beim Erwerb der Aktien meist ein Agio durch den Käufer zu entrichten. Die Aktien werden zu einem Emissionskurs ausgegeben. Dieser liegt unterhalb des derzeit gültigen Börsenkurses. Hieraus ergibt sch ein Anreiz, die neu emittierten Aktien auch zu kaufen.

Die hieraus entstehenden liquiden Mittel verbucht die AG im Umlaufvermögen.

Der Emissionskurs muss jedoch aufgespalten werden in

  • Nennwert und

  • Aufgeld (= Agio).

Der Nennwert dient dazu, die Höhe der Beteiligung an der Unternehmung zu berechnen. Der Nennbetrag des genehmigten Kapitals darf hierbei 50 % des vorhandenen Grundkapitals nicht übersteigen (§ 202 Abs. 3 AktG).

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenDie SW-AG hat insgesamt 1.500 Aktien zum Nennwert von jeweils 4 € und weitere 1.500 Aktien zum Nennwert von 8 € emittiert. Herr A aus München besitzt zehn Aktien mit einem Nennwert von 4 €.

Welchen Anteil an der X-AG besitzt Fritz?
 

Das gezeichnete Kapital lautet 1.500·4 + 1.500·8 = 6.000 + 12.000 = 18.000 €. Herr A besitzt Aktien im Nennwert von insgesamt 40 € (10·4) und hat damit einen Anteil an der SW-AG in Höhe von 40/18.000 = 0,33 %. Der Nennwert fließt ins gezeichnete Kapital der Unternehmung. Der Emissionskurs der neuen Aktie ist aber im Allgemeinen größer als ihr Nennwert. In Höhe des Unterschiedsbetrag liegt ein Aufgeld (= Agio) vor. Es fließt in die Kapitalrücklage.

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenDie SW-AG emittiert 100 neue Aktien zum Emissionskurs von jeweils 30 €. Der Nennwert der jungen Aktien liegt bei 3 €.

Der Buchungssatz lautet

Merke

Hier klicken zum AusklappenBank/Kasse an   gezeichnetes Kapital
                       
                  an   Kapitalrücklagen

Das Agio beträgt pro Aktie 30 - 3 = 27 €. Die Kapitalrücklage der SW-AG erhöht sich damit um 100·27 = 2.700 €. Das gezeichnete Kapital steigt um den Nennwert, das heißt um 100·3 = 300 €. Insgesamt fließt der Unternehmung 100·30 = 3.000 € an liquiden Mitteln zu. Der Buchungssatz lautet daher

Merke

Hier klicken zum AusklappenBank/Kasse 3.000 an gezeichnetes Kapital  300
                               
                           an Kapitalrücklagen        2.700

Beispielaufgabe

Das konkrete Vorgehen bei einer ordentlichen Kapitalerhöhung erläutern wir in einem konkreten Beispiel.

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenDie AH - AG beschließt, eine Kapitalerhöhung durch Emission junger Aktien durchzuführen. Vor der Kapitalerhöhung sieht ihre Bilanz folgendermaßen aus (in Mio. €):

Aktiva

 

 

Passiva

Positionen

Werte

Positionen

Werte

Anlagevermögen

30

Gezeichnetes Kapital

6

Umlaufvermögen

20

Kapitalrücklagen

4

  

Gewinnrücklagen

9

  

Verbindlichkeiten

31

Summe

50

Summe

50

Das Kapital soll im Ausmaß von 10 % der Bilanzsumme erhöht werden. Der Altbestand an Aktien, nämlich 40.000 Stück, wird im Verhältnis 4:1 durch junge Aktien erhöht. Der Aktienkurs liegt derzeit bei 700 €.

a)
Ermittle die Bilanz der AH AG nach der ordentlichen Kapitalerhöhung.

b) 
Welche Möglichkeiten hat ein Altaktionär, der 16 Aktien besitzt? Zeige, dass er rechnerisch keine Vermögenseinbußen erleidet, wenn er

- alle Bezugsrechte verkauft,
- alle Bezugsrechte ausnutzt und
- eine opération blanche durchführt.

Die Vorgehensweise einer ordentlichen Kapitalerhöhung lässt sich folgendermaßen verdeutlichen. Dabei gelten folgende Symbole:

$\ a$                      Anzahl der alten Aktien

$\ n$                     Anzahl der neuen (= jungen Aktien)

$\ b = a/n$                 Bezugsverhältnis

$\ K_a$                       Kurs (= Börsenkurs) der alten Aktien

$\ K_n$                  Emissionskurs der jungen Aktien

$\ {NW}^{alt}$                 Nennwert der alten Aktien

$\ {NW}^{neu}$                Nennwert der neuen Aktien

$\ MK$                     Mischkurs = rechnerischer Börsenkurs unmittelbar nach der            

                       Kapitalerhöhung

$\ BR$                     Wert des Bezugsrechts

$\ x$                        Anzahl der verkauften Bezugsrechte in einer opération blanche

Expertentipp

Hier klicken zum AusklappenORDENTLICHE KAPITALERHÖHUNG:

1. Das Ausmaß der Kapitalerhöhung entspricht immer Volumen der Kapitalerhöhung Vol. KE = $\ n·K_n$.

2. Anzahl $\ a$ der alten Aktien sowie die Anzahl $\ n$ der neuen Aktien?

3. Emissionskurs $\ K_n$ , um das geplante Kapitalerhöhungsvolumen zu realisieren. Auch hierfür rechnet man mit der Formel Volumen Kapitalerhöhung $\ = n·K_n$

4. Nennwert $\ {NW}_{alt}$ der alten Aktien? Dies ermittelt man durch die Gleichung $\ {Gezeichnetes Kapital}^{alt}$ = $\ a∙{NW}^{alt}$.

5. Nennwert $\ {NW}^{neu}$ der jungen Aktien? Dieser ist oftmals einfach gleich dem Nennwert der alten Aktien, also $\ {NW}^{neu}$= $\ {NW}^{alt}$, ansonsten ist es in der Aufgabe erwähnt, in welchem Verhältnis unterschiedliche Nennwerte existieren sollen.

6. Der Emissionskurs $\ K_n$ der Kapitalerhöhung wird auf das gezeichnete Kapital und die Kapitalrücklage aufgeteilt: $\ K_n = {NW}^{neu}$ + Agio. Der neue Nennwert wird ins Gezeichnete Kapital gebucht, das Agio (= Aufgeld) in die Kapitalrücklage.

7. Damit ist auch die Höhe der Bilanzpositionen unmittelbar nach der Kapitalerhöhung klar:
  • Erhöhung Gezeichnetes Kapital = $\ n·{NW}^{neu}$,
  • Erhöhung Kapitalrücklage = n·Agio,
  • Erhöhung Umlaufvermögen = $\ n·K_n$.

8. Mischkurs unmittelbar nach der Kapitalerhöhung:

MK= $\ (a·K_a + n·K_n)/(a + n) = (b·K_a+ K_n)/(b + 1)$,

9. Wert des Bezugsrechts BR = $\ K_a$ – MK bzw BR = $\ (K_a- K_n)/(b + 1)$.

10. Welche Möglichkeiten hat ein Altaktionär?
  • a) alle Bezugsrechte verkaufen
  • b) alle Bezugsrechte ausnutzen
  • c) eine opération blanche durchführen. Hierbei werden so viele Bezugsrechte verkauft (x Stück), dass man sich aus dem Verkaufserlös ohne Dazutun zusätzlicher liquider Mittel mit den verbliebenen Bezugsrechte gerade neue Aktien kaufen kann.

 

Video: Ordentliche Kapitalerhöhung

Zum konkreten Beispiel:

a)
Das Volumen der Kapitalerhöhung soll 10 % der Bilanzsumme, also 0,1·50.000.000 = 5.000.000 € betragen. Es gibt a = 40.000 alte Aktien. Wegen des Bezugsverhältnisses von

b = a/n
   = 40.000/n
   = 4/1
   = 4

ist bekannt, dass n = 10.000 junge Aktien emittiert werden müssen.

Expertentipp

Hier klicken zum AusklappenREGEL BEZUGSVERHÄLTNIS:

Frage: was drückt das Bezugsverhältnis aus?

Es ist im vorliegenden Beispiel 29 nicht richtig, zu sagen, dass man „vier alte Aktien benötigt, um eine neue Aktien erwerben zu können.” Vielmehr ist richtig:

Antwort: man benötigt vier Bezugsrechte, um eine neue Aktie vergünstigt, nämlich zu $\ K_n$, erwerben zu können.
 

Zur Ermittlung des Emissionskurses $\ K_n$ rechnet man nun Volumen der Kapitalerhöhung = $\ n·K_n$ ‹=› 5.000.000 = 10.000·$\ K_n$ ‹=› $\ K_n$ = 500 €. Es müssen also die neuen Aktien zu einem Emissionskurs von 500 € emittiert (= ausgegeben) werden, damit genau 5.000.000 € in die Kasse der AH AG fließen. Der Nennwert der alten Aktien ermittelt sich durch 6.000.000 = 40.000·$\ {NW}^{alt}$, also $\ {NW}^{alt}$ = 15 €. Der Nennwert der neuen Aktien ist gleich dem Nennwert der alten, da nichts Gegenteiliges in der Aufgabenstellung enthalten ist. Der Emissionskurs von $\ K_n$ = 500 € teilt sich also auf

  • einen Nennwert von $\ {NW}^{neu}$ = 15 € und

  • ein Agio (= Aufgeld) von 485 €

auf. Der Nennwert fließt ins Gezeichnete Kapital, das Agio hingegen in die Kapitalrücklage. Das gezeichnete Kapital erhöht sich daher um $\ n·{NW}^{neu}$ = 10.000·15 = 150.000 €, die Kapitalrücklage steigt um n·Agio = 10.000·485 = 4.850.000 € an. Insgesamt steigt das Umlaufvermögen um $\ n·K_n$ = 10.000·500 = 5.000.000 € an. Die neue Bilanz sieht von daher folgendermaßen aus (in Mio. €):

Aktiva

Passiva

Positionen

Werte

Positionen

Werte

Anlagevermögen

30

Gezeichnetes Kapital

6,15

Umlaufvermögen

25

Kapitalrücklagen

8,85

  

Gewinnrücklagen

9

  

Verbindlichkeiten

31

Summe

55

Summe

55

Tab. 15: Bilanz nach der ordentlichen Kapitalerhöhung

Alsdann gilt es, denn Mischkurs unmittelbar nach der Kapitalerhöhung auszurechnen.

Expertentipp

Hier klicken zum AusklappenWie kommt es zum neuen Mischkurs MK?

Die alte Aktie kostet im Börsenhandel Ka, d.h. hier 700 €. Die neue Aktie, welche kurz nach Einführung in den Handel absolut identisch zur alten Aktie ist, kostet aber deutlich weniger, nämlich nur Kn, hier also 500 €. Da ein und dasselbe Gut nicht unterschiedlich viel kosten kann, wird sich ein einheitlicher Preis bilden, nämlich der Mischkurs.

Man rechnet also hier

MK = (40.000·700 + 10.000·500)/(40.000 + 10.000)

     = 33.000.000/50.000

     = 660 €.

Der Mischkurs pendelt sich also, wie zu erwarten war, zwischen dem alten Börsenkurs von $\ K_a$ = 700 € und dem Emissionskurs von $\ K_n$ = 500 € ein.

Expertentipp

Hier klicken zum AusklappenEin Altaktionär, dessen Aktie 700 € vor der Kapitalerhöhung wert war, würde nun prinzipiell einen erheblichen Vermögensnachteil erleiden, denn seine Aktie fällt im Wert um $\ K_a$ – MK = 700 – 660 = 40­ € ab. Damit dies nicht passiert, erhält der Altaktionär pro alter Aktie genau ein Bezugsrecht.

Das bedeutet folgendes.

Merke

Hier klicken zum AusklappenEs ist also nicht so, dass man – wegen des Bezugsverhältnisses von 4:1 – vier alte Aktien braucht, um ein Bezugsrecht zu erhalten. Vielmehr benötigt man vier Bezugsrechte, um eine junge Aktie vergünstigt zu erhalten.

Den Wert des Bezugsrechts ermittelt man mit der Formel

Merke

Hier klicken zum Ausklappen$\ B = K_a– MK$ bzw. mit

$\ B = (K_a– K_n)/(a/n + 1) = (K_a– K_n)/(b + 1)$

                                                                                          Wert des Bezugsrechts.

Also ist der Wert des Bezugsrechts

$\ B = K_a – MK$ = 700 – 660 = 40 € bzw.

$\ B = (K_a– K_n)/(b + 1)$ = (700 – 500)/(4 + 1) = 200/5 = 40 €.

Expertentipp

Hier klicken zum AusklappenEs gibt also zwei Methoden, eine junge Aktie zu erwerben.

Methode 1:

Man kauft sie sich unmittelbar nach der Kapitalerhöhung für einen Mischkurs von MK = 660 €.

Methode 2:

man erwirbt vier Bezugsrechte im Bezugsrechtshandel für 4·40 = 160 € und hat dann das Recht, eine junge Aktie vergünstigt zum Emissionskurs zu erwerben und muss also nochmals $\ K_n$ = 500 € bezahlen. Insgesamt hat man daher 4·40 + 500 = 660 € bezahlt,also genauso viel wie bei Methode 1.

b) Ein Altaktionär mit 16 Aktien erhält nun 16 Bezugsrechte, damit er seinen ansonsten drohenden Vermögensnachteil ausgleichen kann. Er hat drei Möglichkeiten:

  • alle Bezugsrechte verkaufen,

  • alle Bezugsrechte ausnutzen,

  • opération blanche.

Alle Bezugsrechte verkaufen:

Das Barvermögen steigt, da der Altaktionär seine 16 Bezugsrechte zum Preis von 40 € pro Stück verkauft. Sein Aktienvermögen sinkt hingegen, denn vorher besaß er 16 Aktien à 700 €, nun besitzt er 16 Aktien à 660 €. Seine Gewinne aus dem Barvermögen und seine Verluste aus dem Aktienvermögen gleichen sich allerdings exakt aus:

Vermögensposition

Aktion

Berechnung

Ergebnis

Barvermögen

Bezugsrechte verkaufen

16·40

640

Aktienvermögen

sinkt im Wert

16·700-16·660

-640

Ergebnis

0

Tab. 16: Wertentwicklung bei Verkauf aller Bezugsrechte

Alle Bezugsrechte ausnutzen:

Mit seinen 16 alten Aktien erhält der Aktionär 16 Bezugsrechte. Von diesen darf er sich 16/4 = 4 neue Aktien zum Preis von $\ K_ n$ = 500 € kaufen. Sein Barvermögen nimmt deswegen um 4·500 = 2000 € ab. Das Aktienvermögen steigt, denn vorher besaß er 16 Aktien à 700 €, nun besitzt er 20 Aktien à 660 €. Dies macht einen Anstieg seines Aktienvermögens in Höhe von 2000 € aus. Auch hier gewinnt der Altaktionär nichts, verliert aber auch nichts.

Vermögensposition

Aktion

Berechnung

Ergebnis

Barvermögen

junge Aktie kaufen

4·500

-2000

Aktienvermögen

steigt im Wert

20·660-16·700

2000

Ergebnis

0

Tab. 17: Wertentwicklung bei Ausnutzung aller Bezugsrechte

Opération blanche:

Es werden x Aktien verkauft und also 40·x € erlöst. Der Altaktionär behält demnach 16 – x Bezugsrechte. Mit diesen 16 – x Bezugsrechten kann er (16 - x)/4 neue Aktien zum Emissionskurs Knerwerben. Er gibt also [(16 - x)/4]·$\ K_n$ aus. Man rechnet daher

40·x = (16 – x)/(4:1)·500 ‹=› 40x = (16 – x)∙125

‹=› 40x = 2000 - 125x

‹=› 165x = 2000

‹=› x = 12,1212.

Man erhält daher x = 12,1212 Bezugsrechte, die er verkauft.

Expertentipp

Hier klicken zum AusklappenMan mache die Probe: durch den Verkauf der 12,1212 Bezugsrechte erlöst der Altaktionär 12,1212·40 = 448,84 €. Wenn er 12,1212 Bezugsrechte veräußert, hat er noch 16 – 12,1212 = 3,8788 Bezugsrechte übrig, mit denen er 3,8788/4 = 0,9697 neue Aktien vergünstigt kaufen kann. Er muss hierfür dann 0,9697·500 = 484,85 € bezahlen. Insgesamt hat er also auch bei der opération blanche keinen Gewinn und keinen Verlust erzielt.