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Bilanz nach Handelsrecht - Bilanzierungsweise bei Leasingverträgen

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Bilanz nach Handelsrecht

Bilanzierungsweise bei Leasingverträgen

Nachdem man die Frage geklärt hat, ob der Leasinggegenstand beim Leasinggeber oder beim Leasingnehmer zu aktivieren ist, geht es nun um die Frage, wie die Bilanzierung konkret erfolgt. Wenn der Leasingnehmer bilanzieren muss, so hat er den Leasinggegenstand mit den Anschaffungskosten, welche der Leasinggeber dem Leasingvertrag zugrunde legt, zzgl. den eigenen Anschaffungsnebenkosten zu aktivieren. Darüber hinaus muss er den aktivierten Leasinggegenstand über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer (nicht also lediglich über die Grundmietzeit) abschreiben. Außerdem muss der Leasingnehmer eine Leasingverbindlichkeit passivieren, wobei die jährlichen Leasingraten hierbei in

  • Zinsanteil,

  • Kostenanteil und

  • Tilgungsanteil

untergliedert werden. Dies geschieht wie folgt.

Berechnung der jährlichen Verbindlichkeiten und Forderungen

Nach den folgenden 6 Schritten erfolgt die Berechnung der jährlichen Verbindlichkeiten beim Leasingnehmer und die jährlichen Forderungen beim Leasinggeber.

Merke

Hier klicken zum Ausklappen
  1. Ermittelte die insgesamt zu zahlenden Leasingraten während der Grundmietzeit.
     
  2. Subtrahiere hiervon die Anschaffungskosten des Leasinggebers.
     
  3. Die Differenz ergibt den Zins- und Kostenanteil.
     
  4. Subtrahiere hiervon den insgesamt anfallenden Kostenanteil.
     
  5. Die Differenz ergibt den gesamten Zinsanteil.
     
  6. Ermittle die Zinsanteile der einzelnen Jahren über

Vorgehen bei der Zinsstaffelmethode

Bei der Zinsstaffelmethode wird der Zinsanteil mit einer digitalen Methode ermittelt. Dividiere den gesamten Zinsanteil durch die Summe der Anzahl der Jahre. Man erhält den Betrag, um den die Zinsanteile in den einzelnen Jahren abnehmen.

Vorgehen bei der Barwertvergleichsmethode 

Bei der Barwertvergleichsmethode berechnet man zunächst die Lösung der nachfolgenden Gleichung:

Anschaffungskosten des Leasinggebers = Leasingrate1/(1+i) + Leasingrate2/(1+i)2 + ...+ Leasingraten/(1+i)n.

Dies lässt sich bewerkstelligen durch Interpolation in der Methode des internen Zinsfußes. Multipliziere die jeweilige Forderung bzw. Verbindlichkeit mit diesem Prozentsatz. Man erhält den jeweiligen Zins- und Kostenanteil.

  1. Trage die Kostenanteile, die Zinsanteile, ihre Summe sowie die Leasingraten in eine Tabelle ein.

  2. Die Differenz aus Leasingrate uns Zins- und Kostenanteil ergibt den jeweiligen Tilgungsanteil der einzelnen Jahre.

  3. Die erste Verbindlichkeit bzw. Forderung entsteht in Höhe der Anschaffungskosten des Leasinggebers. Subtrahiere hiervon den Tilgungsanteil des ersten Jahres und erhalte die Verbindlichkeit bzw. die Forderung des 2. Jahres usw.

Beispiel zur Ermittlung der Leasingraten

Beispiel

Hier klicken zum Ausklappen Die Anschaffungskosten einer Maschine, die speziell für die Bedürfnisse der Calvin OHG aus Mülheim entwickelt wurde, betragen 180.000 €. Die Leasing AG aus Essen-Kettwig, die diese Maschine anschafft und danach an die Calvin OHG verleast, verlangt eine Leasingrate pro Jahr in Höhe von 80.000 € während einer Grundmietzeit von vier Jahren. Hierbei ist ein Kostenanteil pro Jahr von 10.000 € eingerechnet. Um die Maschine funktionsfähig zu machen, muss die Calvin OHG zusätzlich noch Fundamentierungsarbeiten vornehmen lassen, die mit 20.000 € zu Buche schlagen. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer beträgt fünf Jahre. Die Maschine wird Anfang 2006 geliefert.
Bei wem muss die Maschine aktiviert werden? Stelle im Falle der Bilanzierung beim Leasingnehmer seine zu passivierende Verbindlichkeit bzw. die zu aktivierende Forderung des Leasinggebers über die Grundmietzeit dar.

Man rechnet

Posten

Rechnung

Betrag

Leasingraten

4·80.000

320.000

Anschaffungskosten 
Leasinggeber

180.000

Zins- und Kostenanteil

140.000

Kostenanteil insgesamt

4·10.000

40.000

Zinsanteil insgesamt

100.000

Zinsanteil

Der Zinssanteil liegt also für die vier Jahre insg. bei 100.000 €. Dieser ist nun zu verteilen nach der

  • Zinsstaffelmethode und nach der

  • Barwertverteilungsmethode.

Zinsstaffelmethode

Bei der Zinsstaffelmethode rechnet man 100.000 /(1+2+3+4) = 100.000/10 = 10.000 €. Die Zinsbeträge der einzelnen Jahre neben also um jeweils 10.000 € ab.

Methode

Hier klicken zum Ausklappen Digitale Methode:

Schreibe diesen Betrag, um welchen die einzelnen Beträge abnehmen, in die letzte Periode und rechne dann jeweils die 10.000 € darauf. Man erhält die einzelnen Zinsanteile.

Damit erhält man

Jahre

Zinsanteil

1

40.000

2

30.000

3

20.000

4

10.000

Zinsanteile

In die Tab. 61 trägt man also die einzelnen Zinsanteile ein. Die Kostenanteile sind aus der Beispiel 68 bekannt und können ebenfalls hingeschrieben werden, genauso wie die einzelnen Leasingraten. Die Summe aus Zins- und Kostenanteil folgt damit auch. Schließlich beträgt die Forderung bzw. Verbindlichkeit im ersten Jahr 180.000 €. Wenn man schließlich von der Leasingrate von 80.000 € den Zins- und Kostenanteil von 50.000 € abzieht, erhält man den Tilgungsanteil des ersten Jahres in Höhe von 30.000 €. Die Forderung bzw. Verbindlichkeit des zweiten Jahres liegt damit bei 180.000 - 30.000 = 150.000 €. Analog rechnet man die anderen Bestände aus und erhält

Jahre

Verbindlichkeit/

Forderung

Leasing­rate

Zins- und 
Kosten­anteil

Kosten
anteil

Zins
anteil

Tilgungs
anteil

1

180.000

80.000

50.000

10.000

40.000

30.000

2

150.000

80.000

40.000

10.000

30.000

40.000

3

110.000

80.000

30.000

10.000

20.000

50.000

4

60.000

80.000

20.000

10.000

10.000

60.000

Zinsstaffelmethode

Barwertvergleichsmethode

Bei der Barwertvergleichsmethode berechnet man zunächst den Zins, der die Gleichung

180.000 = 80.000/(1+i) + 80.000/(1 + i)2 + … + 80.000/(1 + i)4

löst. Nach der Methode der linearen Interpolation erhält man für den Zinssatz i die Approximation i = 27,769 %. Hiermit wird die Forderung bzw. Verbindlichkeit des ersten Jahres multipliziert: 180.000·0,27769 = 49.984,2. Man erhält den Zins- und Kostenanteil des ersten Jahres. Wenn man hiervon den Kostenbestandteil abzieht, erhält man den ausschließlichen Zinsanteil im Jahre 1 in Höhe von 39.984,2 €. Wieder errechnet sich der Tilgungsanteil als Differenz aus Leasingrate und Zins- und Kostenstandteil, also hier 80.000 – 49.984,2 = 30.015,8. Die zu passivierende Verbindlichkeit liegt daher im zweiten Jahr beim Leasingnehmer bei 180.000 - 30.015,8 = 149.984,2 €. Dies rechnet man analog weiter und erhält

Jahre

Verbindlichkeit/

Forderung

Leasing­rate

Zins- und 
Kosten­anteil

Kosten­
anteil

Zins
anteil

Tilgungs
anteil

1

180.000,00

80.000

49.984,20

10.000

39.984,20

30.015,80

2

149.984,20

80.000

41.649,11

10.000

31.649,11

38.351,89

3

111.633,31

80.000

30.999,45

10.000

20.999,45

49.000,55

4

62.632,76

80.000

17.392,41

10.000

7.392,49

62.607,51

Barwertvergleichsmethode

Die Differenz zwischen Verbindlichkeit/Forderung des letzten Jahres von 62.632,76 € und dem Tilgungsanteil im Jahre 4 in Höhe von 62.607,51 € liegt darin begründet, dass der Zins von 27,769 % nicht genau genug war. Es empfiehlt sich also hier, recht genau den Zins zu interpolieren, bevor man mit der Tabelle beginnt.