Ergebnisse der Bilanzbuchhalter-Prüfung Herbst 2025
Prüfungsstatistik Frühjahr 2025
1. Zielsetzung und Datenbasis
Die Durchfallquote der Bilanzbuchhalterprüfung ist regelmäßig Gegenstand von Gerüchten. Offizielle IHK-Statistiken veröffentlichen jedoch ausschließlich aggregierte Jahresergebnisse (Frühjahr und Herbst zusammen) und differenzieren nicht zwischen schriftlicher und mündlicher Prüfung. Eine detaillierte Analyse der schriftlichen Prüfungsleistung ist damit öffentlich nicht möglich.
Zur Schaffung größerer Transparenz wurde daher erneut eine eigene Umfrage zur schriftlichen Prüfung Herbst 2025 durchgeführt.
- Teilnahmen insgesamt: 403
- Nach Plausibilitätsprüfung auswertbar: 386
- Vergleich Frühjahr 2025: 539 gültige Rückmeldungen
- Rückgang: –28,4 %, konsistent mit der geringeren IHK-Teilnehmerzahl im Herbsttermin
2. Bestehensquote Herbst 2025 – Einordnung im Zeitverlauf
Gesamtergebnis
- Bestanden: 47,9 % (n = 185)
- Nicht bestanden: 52,1 % (n = 201)
Gegenüber der Frühjahrsprüfung 2025 ergibt sich eine Verbesserung um 7,3 Prozentpunkte. Trotz dieses Anstiegs handelt es sich weiterhin um das zweitniedrigste Ergebnis seit Beginn der Erhebung.
Zeitliche Einordnung
- +7,3 Pp gegenüber der unmittelbar vorherigen Prüfung
- ca. –5 Pp unter dem Durchschnitt der letzten fünf Prüfungen (51,8 %)
Der seit mehreren Prüfungen erkennbare Abwärtstrend der Bestehensquoten konnte erstmals unterbrochen, aber noch nicht nachhaltig überwunden werden.
3. Durchschnittlich erreichte Punktzahlen je Aufgabenstellung
Werte der Frühjahrsprüfung 2025 in eckigen Klammern
Gesamtgruppe (n = 386)
Aufgabenstellung | Durchschnitt | Median |
Aufgabe 1 | 51,5 [52,9] | 52,0 |
Aufgabe 2 | 58,0 [71,1] | 60,0 |
Aufgabe 3 | 51,5 [46,8] | 52,0 |
Aufgabenbezogene Analyse
Aufgabenstellung 1
Der leichte Rückgang (–1,4 Punkte) ist gering und statistisch unkritisch. Die Aufgabe zeigt über beide Termine hinweg eine stabile Schwierigkeitsstruktur.
Aufgabenstellung 2
Hier zeigt sich die stärkste Veränderung: Nach einem sehr hohen Durchschnitt im Frühjahr fällt der Wert im Herbst deutlich ab. Der Median bestätigt, dass es sich um eine breite Leistungsabschwächung handelt und nicht um einzelne Ausreißer. Dies spricht für höhere inhaltliche oder methodische Anforderungen.
Aufgabenstellung 3
Der Durchschnitt steigt deutlich an. Aufgabenstellung 3 verliert damit ihren Charakter als dominierendes Problemfeld und liegt wieder auf dem Niveau der übrigen Aufgaben.
Gesamtbewertung
Während das Frühjahr 2025 stark polarisiert war (sehr starke Aufgabe 2, sehr schwache Aufgabe 3), zeigt der Herbsttermin eine homogenere Leistungsstruktur und damit eine ausgewogenere Prüfungskonstruktion.
4. Bestehen vs. Nichtbestehen – Trennschärfe der Aufgaben
Teilnehmer mit bestandener Prüfung (n = 185)
- Aufgabe 1: 61,3 Punkte
- Aufgabe 2: 69,4 Punkte
- Aufgabe 3: 64,1 Punkte
Teilnehmer mit nicht bestandener Prüfung (n = 201)
- Aufgabe 1: 42,4 Punkte
- Aufgabe 2: 47,5 Punkte
- Aufgabe 3: 39,9 Punkte
Punktedifferenzen
- Aufgabe 1: 18,9 Punkte
- Aufgabe 2: 21,9 Punkte
- Aufgabe 3: 24,2 Punkte
Aufgabenstellung 3 weist erneut die höchste Trennschärfe auf. Anders als im Frühjahr liegt dies jedoch nicht an einer allgemein schwachen Leistung, sondern an einer starken Spreizung zwischen gut und schlecht vorbereiteten Teilnehmenden.
5. Median – Bedeutung für die Ergebnisinterpretation
Der Median teilt eine sortierte Datenreihe in zwei gleich große Hälften:
- 50 % der Werte liegen darunter,
- 50 % darüber.
Abgrenzung zum Durchschnitt
- Der Durchschnitt reagiert empfindlich auf Extremwerte.
- Der Median ist robust gegenüber Ausreißern und beschreibt die typische Leistung der Mitte.
Aussage für Herbst 2025
Die sehr geringen Abweichungen zwischen Durchschnitt und Median zeigen symmetrische Punktverteilungen. Die Ergebnisse sind statistisch stabil und nicht durch Extremleistungen verzerrt – die Durchschnittswerte sind daher belastbar.
6. Bestehensquote nach Prüfungsversuchen
Prüfungsversuch | FP 2025 | HP 2025 | Veränderung |
1. Versuch | 42,6 % | 51,3 % | ▲ +8,7 Pp |
2. Versuch | 31,6 % | 40,3 % | ▲ +8,7 Pp |
3. Versuch | 48,8 % | 46,4 % | ▼ –2,4 Pp |
4+. Versuch | 40,0 % | 80,0 % | ▲ +40,0 Pp |
Zusatzinformationen
- 42,8 % aller Wiederholer haben bestanden
- Teilnehmer des examio-Wiederholer-Lehrgangs: 51,6 % Bestehensquote
Interpretation
- Die schwachen Werte des Frühjahrs erweisen sich als terminspezifischer Ausreißer.
- Ab dem dritten Versuch dominieren verfestigte fachliche Defizite gegenüber prüfungstaktischen Faktoren.
- Strukturierte Wiederholervorbereitung zeigt einen klar messbaren Effekt.
7. Gründe des Nichtbestehens – Aufgabenbezogene Analyse
Frühjahr 2025 (Teilnehmer mit 2 bestandenen Aufgaben, n = 154)
- Aufgabe 3: 80,5 %
- Aufgabe 1: 17,5 %
- Aufgabe 2: 2,0 %
Herbst 2025 (n = 73)
- Aufgabe 3: 50,7 %
- Aufgabe 1: 39,7 %
- Aufgabe 2: 9,6 %
Entwicklung
- Aufgabe 3 bleibt kritisch, verliert aber ihre Alleinstellung.
- Aufgabe 1 entwickelt sich zur gleichwertigen Hürde.
- Aufgabe 2 bleibt beherrschbar, ist jedoch kein Selbstläufer mehr.
8. Notenspiegel Herbst 2025
Durchschnittsnote: 4,16
- Schwerpunkt klar im Bereich 3,5–4,4
- Kaum sehr gute Leistungen, gleichzeitig steigender Anteil klar nicht ausreichender Ergebnisse
Die Prüfung bleibt deutlich bestehens- und grenznotenorientiert.
9. Regionalvergleich (eingeschränkte Aussagekraft)
Berücksichtigt wurden nur Kammern mit mindestens 9 Rückmeldungen (203 TN, 52,6 %).
Bestehensquote dieser Kammern: 50,3 % (über Gesamtdurchschnitt).
Die hohe Streuung zwischen Regionen und zwischen Frühjahr und Herbst deutet jedoch auf eine geringe statistische Belastbarkeit regionaler Vergleiche hin.
HP 2025 | FP 2025 | |||
Industrie- und Handelskammer | Quote | TN | Quote2 | TN2 |
Saarland (Saarbrücken) | 84,6% | 13 | 21,4% | 14 |
Schwaben (Augsburg) | 70,0% | 10 | 62,5% | 16 |
Regensburg für Oberpfalz/Kelheim | 66,7% | 9 | 61,5% | 13 |
Hannover | 58,3% | 12 | 15,4% | 13 |
Aachen | 55,6% | 9 | 16,7% | 12 |
Nord Westfalen (Münster) | 54,2% | 24 | 39,5% | 38 |
Stuttgart | 53,8% | 13 | 6,3% | 16 |
Frankfurt am Main | 50,0% | 12 | 46,7% | 15 |
Köln | 50,0% | 10 | 52,9% | 17 |
Koblenz | 54,5% | 11 | 14,3% | 7 |
Nürnberg für Mittelfranken | 50,0% | 10 | 71,4% | 14 |
Leipzig | 41,7% | 12 | 28,6% | 7 |
München und Oberbayern | 36,4% | 33 | 53,1% | 49 |
Kassel-Marburg | 30,0% | 10 | 36,4% | 11 |
Hamburg | 26,7% | 15 | 46,2% | 13 |
Niederbayern in Passau | 50,0% | 10 | ||
Karlsruhe | 40,0% | 10 | ||
Ruhr (Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen) | 40,0% | 10 | ||
Ostbrandenburg (Frankfurt an der Oder) | 20,0% | 10 | ||
Berlin | 16,7% | 12 | ||
Niederrheinische Industrie- und Handelskammer (Duisburg-Wesel-Kleve) | 7,7% | 13 | ||
10. Wartezeiten auf Prüfungsergebnisse
79,5 % erhielten ihr Ergebnis innerhalb von 10 Wochen
- Längere Wartezeiten als im Frühjahr 2025, aber auf Niveau Herbst 2024
11. Zusatzanalysen zur Prüfungsordnung
- Nach VO 2015 (Gesamtschnitt ≥ 50 Punkte): 64,2 % bestanden
- Nach vorgeschlagener Neuregelung:
- 33,3 % der Durchgefallenen dürften nur eine Aufgabe wiederholen
- 91,8 % der Kandidaten mit zwei bestandenen Aufgaben wären begünstigt
12. Gesamtfazit
Das Frühjahr 2025 war ein negativer Ausreißer.
- Die Herbstprüfung zeigt eine moderate Erholung, aber kein leichtes Prüfungsniveau.
- Erfolgsentscheidend ist nicht der Prüfungsversuch, sondern:
- systematische Vorbereitung,
- stabile Mindestkompetenzen in Aufgabe 1 und 3,
- methodische Sicherheit unter Zeitdruck.
Einseitige Lernstrategien sind nicht mehr ausreichend. Die Prüfung verlangt heute eine durchgängig belastbare Gesamtleistung.
13. Zusammenfassung der häufigsten Tipps für zukünftige Prüfungsteilnehmer
In der Umfrage gab es die Möglichkeit in einem Freitextfeld zukünftigen Teilnehmern der IHK-Prüfung wichtige Tipps mit auf den Weg zu geben. Die nachstehende Zusammenfassung wurde mitteln KI erstellt:
Zusammenfassung der wichtigsten Tipps – priorisiert nach Häufigkeit und Bedeutung
I. Frühzeitig und langfristig mit der Vorbereitung beginnen
Der mit Abstand am häufigsten genannte Hinweis. Ein später Einstieg wird als zentraler Fehler identifiziert.
- Lernbeginn mehrere Monate im Voraus (häufig 4–6 Monate, teils bis zu 12 Monate)
- Kontinuierliches Lernen neben Berufstätigkeit zwingend erforderlich
- Kurzfristige Vorbereitung (z. B. nur 3–4 Wochen) wird nahezu einhellig als unzureichend bewertet
Kernaussage: Zeit ist der entscheidende Erfolgsfaktor.
II. Intensiv mit alten IHK-Prüfungen (Originalklausuren) lernen
Der dominierende Einzelpunkt über alle Antworten hinweg.
- Bearbeitung möglichst aller verfügbaren Originalprüfungen
- Wiederholtes Durcharbeiten derselben Klausuren
- Auch ältere Prüfungen (teils bis vor 2016) einbeziehen
- Lernen an der Aufgabenstruktur, nicht an Skripten
Kernaussage: Bestehen ist ohne systematische Arbeit mit Altklausuren kaum realistisch.
III. Prüfungsaufgaben aktiv lösen – nicht passiv konsumieren
Deutliche Abgrenzung gegen rein theoretisches Lernen.
- Aufgaben selbst vollständig ausarbeiten, nicht nur lesen
- Lösungen erst nach eigenem Versuch vergleichen
- Schreiben trainieren (Tempo, Umfang, Struktur)
- Antworten kurz, sachlich und prüfungsnah formulieren
Kernaussage: Verstehen entsteht durch eigenes Lösen – nicht durch Videos oder Musterlösungen.
IV. Breite Vorbereitung statt „auf Lücke lernen“
Sehr häufige Warnung vor spekulativer Themenauswahl.
- Auch vermeintliche Randthemen bearbeiten
- Keine Verlass auf Prognosen, „was sicher nicht drankommt“
- Alle drei Aufgabenstellungen gleichwertig vorbereiten
Kernaussage: Die Prüfung folgt keinem verlässlichen Schema.
V. Lernen unter realistischen Prüfungsbedingungen
Besonders von erfolgreichen Teilnehmenden hervorgehoben.
- Klausuren unter Zeitdruck schreiben
- Timer verwenden, reale Bearbeitungszeiten einhalten
- Simulation der kompletten Prüfungssituation
Kernaussage: Zeitmanagement ist ein eigenständiger Prüfungsteil.
VI. Systematik, Lernplan und Fokus
Struktur wird als Erfolgsverstärker genannt.
- Fester Lernplan mit klaren Zeitfenstern
- Schwächen gezielt priorisieren
- Nicht nur Lieblingsthemen vertiefen
- Regelmäßige Wiederholung statt einmaligem Lernen
Kernaussage: Disziplin schlägt Motivation.
VII. Verstehen statt Auswendiglernen
Didaktisch besonders relevant.
- Zusammenhänge erkennen (HGB, EStG, Logik der Bewertung)
- Schemata anwenden, nicht blind reproduzieren
- Hinterfragen, warum Lösungen so aufgebaut sind
Kernaussage: Reines Auswendiglernen trägt nicht bis zur Bestehensgrenze.
VIII. Nutzung ergänzender Angebote (z. B. Wiederholer-, Intensiv- oder Crashkurse)
Häufig genannt, jedoch stets untergeordnet zu eigener Arbeit.
- Kurse als Struktur- und Verständnishilfe
- Besonders hilfreich in der finalen Phase
- Keine Delegation der Lernarbeit an Anbieter
Kernaussage: Kurse unterstützen – sie ersetzen kein Selbststudium.
IX. Durchhalten, mentale Stabilität und Selbstvertrauen
Emotional stark betont, vor allem von Wiederholern.
- Nicht aufgeben nach Fehlversuchen
- Eigene Leistungsfähigkeit nicht unterschätzen
- Pausen, Schlaf und psychische Belastbarkeit beachten
Kernaussage: Die Prüfung ist auch eine mentale Ausdauerleistung.
X. Lernumfeld aktiv gestalten
Weniger häufig, aber relevant.
- Lerngruppen gezielt einsetzen
- Fragen stellen, Unklarheiten klären
- Ablenkungen minimieren, Lernphasen schützen
Kernaussage: Erfolgreiche Vorbereitung ist kein Zufallsprodukt.
Gesamtfazit
Wer früh beginnt, konsequent mit Original-IHK-Prüfungen unter Zeitdruck übt, breit vorbereitet ist und aktiv schreibt statt passiv konsumiert, maximiert seine Bestehenschancen signifikant.










