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Mündliche Prüfung - Präsentation und Fachgespräch - Finanzmanagement

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Mündliche Prüfung - Präsentation und Fachgespräch

Finanzmanagement

Finanzierungsarten

Vertiefung

Welche Finanzierungsarten gibt es?

Finanzierungsarten werden nach Mittelherkunft und Kapitalart systematisiert. Die klassische Vierfelder-Kreuzklassifikation:

 EigenfinanzierungFremdfinanzierung
InnenfinanzierungSelbstfinanzierung (Gewinnthesaurierung)Finanzierung aus Abschreibungen, Rückstellungen
AußenfinanzierungBeteiligungsfinanzierung (Kapitalerhöhung, neuer Gesellschafter)Kreditfinanzierung (Bankdarlehen, Anleihen)

Vertiefung

Was ist Innenfinanzierung?

Innenfinanzierung: Finanzierung aus im Unternehmen selbst erwirtschafteten Mitteln – kein externer Kapitalzufluss notwendig.

Quellen:

  • Gewinnthesaurierung (einbehaltene Gewinne)
  • Abschreibungsgegenwerte: Abschreibungen (§ 253 Abs. 3 HGB) sind kein Zahlungsmittelzufluss, sondern verhindern, dass in den Umsatzerlösen enthaltene Mittel ausgeschüttet werden → Liquidität verbleibt im Unternehmen
  • langfristige Rückstellungen (Kapital steht bis zur Inanspruchnahme zur Verfügung)
  • Working-Capital-Optimierung (Lagerabbau, Forderungseinzug)

Vorteil: Keine Zinsen, keine Abhängigkeit von externen Kapitalgebern, stärkt Eigenkapital.

Vertiefung

Was ist Außenfinanzierung?

Außenfinanzierung: Zuführung von Kapital durch externe Kapitalgeber.

Formen:

  • Eigenfinanzierung von außen: Kapitalerhöhung durch Gesellschafter, Aufnahme neuer Gesellschafter, Börsengang (IPO)
  • Fremdfinanzierung von außen: Bankdarlehen, Anleihen, Lieferantenkredite, Factoring, Leasing

Nachteil: Zinspflicht (FK) oder Gewinnabgabe (EK); Abhängigkeit von Kapitalgebern; ggf. Mitspracherechte neuer Gesellschafter.

Vertiefung

Was ist Eigenfinanzierung?

Eigenfinanzierung: Finanzierung durch Eigenkapital – entweder von außen zugeführt oder innen erwirtschaftet.

  • Außen: Kapitalerhöhung, Aufnahme neuer Gesellschafter, Börsengang
  • Innen: Gewinnthesaurierung (einbehaltene Gewinne)

Merkmale: Kein Rückzahlungsanspruch, keine Zinspflicht, Haftungskapital, stärkt Bonität und Rating. Nachteil: Verwässerung der Beteiligungsquoten bei neuen Gesellschaftern.

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Was ist Fremdfinanzierung?

Fremdfinanzierung: Finanzierung durch Kapital, das zeitlich befristet und mit Rückzahlungs- und Zinspflicht überlassen wird.

  • Kurzfristig: Kontokorrentkredit, Lieferantenkredit, Factoring
  • Mittelfristig: Investitionsdarlehen, Leasing
  • Langfristig: Hypothekendarlehen, Anleihen, Gesellschafterdarlehen

Merkmale: Zinspflicht, Rückzahlungspflicht, kein Stimmrecht, Zinsen steuerlich abzugsfähig (Zinsschranke beachten).

Vertiefung

Welche Eigenfinanzierungsarten gibt es?

Eigenfinanzierung von außen:

  • Kapitalerhöhung durch bestehende Gesellschafter (Bareinlage)
  • Aufnahme neuer Gesellschafter
  • Börsengang / Ausgabe neuer Aktien (AG)
  • Venture Capital, Private Equity

Eigenfinanzierung von innen:

  • Gewinnthesaurierung (Einstellung in Gewinnrücklagen)
  • Selbstfinanzierung durch einbehaltene Überschüsse

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Wie kann das Eigenkapital einer GmbH erhöht werden?

Möglichkeiten:

  • Kapitalerhöhung (§ 55 GmbHG): Erhöhung des Stammkapitals; Beschluss mit 3/4-Mehrheit, notarielle Beurkundung, Eintragung ins Handelsregister
  • Gewinnthesaurierung: Einstellung des Jahresüberschusses in Gewinnrücklagen statt Ausschüttung
  • Zuzahlungen in die Kapitalrücklage: Gesellschafter zahlen zusätzlich ohne Stammkapitalerhöhung
  • Aufnahme neuer Gesellschafter
  • Nachrangdarlehen: Wirtschaftlich eigenkapitalähnlich

Vertiefung

Wie läuft eine Umwandlung von UG in GmbH ab?

Die UG (haftungsbeschränkt) kann zur GmbH werden, sobald das Stammkapital auf mindestens 25.000 € angehoben wird (§ 5a Abs. 5 GmbHG).

Ablauf:

  1. Kapitalerhöhung auf mindestens 25.000 € (durch Einlagen, Umwandlung der Rücklage nach § 5a Abs. 3 GmbHG oder Kombination)
  2. Gesellschafterbeschluss mit 3/4-Mehrheit; notarielle Beurkundung
  3. Einzahlung des Erhöhungsbetrags
  4. Anmeldung zum Handelsregister; Eintragung als GmbH

Der Firmenzusatz „UG" entfällt; das Unternehmen führt fortan den Zusatz „GmbH".

Vertiefung

Was ist Gewinnthesaurierung?

Gewinnthesaurierung: Einbehaltung des Jahresüberschusses im Unternehmen statt Ausschüttung an die Gesellschafter; Einstellung in die Gewinnrücklagen.

Wirkung: Erhöhung des Eigenkapitals → stärkt Eigenkapitalquote, Bonität und Kreditwürdigkeit; kein Liquiditätsabfluss.

Steuerlich: Thesaurierter Gewinn unterliegt zunächst nur der KSt/ESt auf Unternehmensebene; die Ausschüttungsbesteuerung (KapESt/Abgeltungsteuer) entfällt bis zur späteren Ausschüttung → Steuerstundungseffekt.

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Was ist Finanzierung aus Abschreibungen (Lohmann-Ruchti-Effekt)?

Lohmann-Ruchti-Effekt: Abschreibungen sind nicht zahlungswirksamer Aufwand – sie fließen als Teil des Umsatzes zurück, ohne dass ein Mittelabfluss stattfindet. Diese Mittel stehen bis zur Reinvestition als Innenfinanzierungsquelle zur Verfügung.

Kapazitätserweiterungseffekt: Werden die zurückfließenden Abschreibungsgegenwerte laufend in neue Anlagen reinvestiert, kann der Anlagenbestand – bei geeigneter Stückelung – über die ursprüngliche Kapazität hinaus erweitert werden, ohne zusätzliches Kapital aufnehmen zu müssen.

Vertiefung

Was ist Finanzierung aus Rückstellungen?

Rückstellungen werden periodengerecht als Aufwand gebucht, bevor die tatsächliche Zahlung erfolgt. In der Zwischenzeit stehen die einbehaltenen Mittel dem Unternehmen als zinsloser Innenfinanzierungsbeitrag zur Verfügung.

Beispiele: Pensionsrückstellungen (langfristig; Mittel oft über Jahrzehnte gebunden), Gewährleistungsrückstellungen, Urlaubsrückstellungen.

Wichtig: Rückstellungen sind handelsrechtlich eindeutig Fremdkapital (§ 266 Abs. 3 B HGB). Sie wirken nur wirtschaftlich eigenkapitalähnlich, weil Pensionsrückstellungen langfristig und ohne konkrete Fälligkeit sind – sie ersetzen kein echtes Eigenkapital.

Fremdkapital & Darlehen

Vertiefung

Welche Darlehensarten gibt es?

Die drei klassischen Darlehensformen unterscheiden sich in der Tilgungsstruktur:

  • Fälligkeitsdarlehen (Festdarlehen): Keine laufende Tilgung; Rückzahlung in einer Summe am Ende der Laufzeit
  • Tilgungsdarlehen (Abzahlungsdarlehen): Gleichbleibende Tilgungsraten; Zinsen sinken mit dem Restkapital → fallende Gesamtrate
  • Annuitätendarlehen: Gleichbleibende Gesamtrate (Annuität); Zinsanteil sinkt, Tilgungsanteil steigt im Zeitverlauf

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Was ist ein Fälligkeitsdarlehen?

Fälligkeitsdarlehen (endfälliges Darlehen): Der Darlehensbetrag wird in voller Höhe erst am Ende der Laufzeit zurückgezahlt. Während der Laufzeit werden nur Zinsen auf den vollen Betrag gezahlt → höhere Gesamtzinslast als bei Tilgungsdarlehen.

Anwendung: Häufig kombiniert mit einer kapitalbildenden Lebensversicherung oder einem Sparplan als Tilgungsersatz (z.B. Baufinanzierung).

Vorteil: Geringe laufende Belastung; volle Darlehenssumme steht während der Laufzeit zur Verfügung.

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Was ist ein Tilgungsdarlehen?

Tilgungsdarlehen (Abzahlungsdarlehen): Gleichbleibende Tilgungsraten über die Laufzeit; da das Restkapital sinkt, nehmen die Zinszahlungen ab → die Gesamtrate fällt mit der Zeit.

Vorteil: Geringere Gesamtzinslast als beim Fälligkeitsdarlehen; Schulden sinken gleichmäßig.

Nachteil: Zu Beginn höhere Gesamtbelastung; erfordert anfangs höhere Liquidität.

Typische Anwendung: Investitionsdarlehen für Maschinen und Anlagen.

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Was ist ein Annuitätendarlehen?

Annuitätendarlehen: Gleichbleibende Gesamtrate (Annuität) über die gesamte Laufzeit. Innerhalb der Rate verschiebt sich das Verhältnis: Der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil steigt.

Vorteil: Einfache Liquiditätsplanung durch konstante Belastung; in Deutschland die häufigste Darlehensform (z.B. Baufinanzierung).

Nachteil: Restschuld am Ende (bei Zinsbindung kürzer als Laufzeit) → Anschlussfinanzierungsrisiko.

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Was sind die Vor- und Nachteile von Bankdarlehen vs. Gesellschafterdarlehen?
 BankdarlehenGesellschafterdarlehen
VorteileKlar geregelt; kein Einfluss auf GesellschafterstrukturFlexible Konditionen; schnell verfügbar; keine Bankprüfung
NachteileBonitätsprüfung; Sicherheiten erforderlich; Covenants möglichvGA-Risiko bei nicht fremdüblichen Konditionen; Insolvenzrisiko für Gesellschafter
BilanzFK-Ausweis; EK-Quote sinktFK-Ausweis; bei Nachrang wirtschaftlich EK-ähnlich

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Ist ein Gesellschafterdarlehen Eigen- oder Fremdkapital?

Handelsrechtlich: Fremdkapital – Ausweis als Verbindlichkeit gegenüber Gesellschaftern (§ 266 Abs. 3 C Nr. 8 HGB).

Wirtschaftliche Betrachtung: Bei einer Nachrangabrede (Gesellschafter tritt im Insolvenzfall hinter andere Gläubiger zurück) wird das Darlehen von Banken und im Rating als wirtschaftliches Eigenkapital behandelt.

Steuerlich: Fremdkapital mit Zinspflicht; fremdübliche Verzinsung muss eingehalten werden, sonst vGA-Gefahr.

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Wie verändert sich die Eigenkapitalquote bei Gesellschafterdarlehen?

Bilanziell: Das Gesellschafterdarlehen erhöht das Fremdkapital → die Eigenkapitalquote sinkt (EK / Gesamtkapital × 100).

Wirtschaftliche Betrachtung (Strukturbilanz): Bei Vorliegen einer Nachrangabrede rechnen Banken das Darlehen dem wirtschaftlichen Eigenkapital zu → Eigenkapitalquote steigt rechnerisch.

Praxishinweis: Für das Bankrating ist entscheidend, ob eine schriftliche, wirksame Nachrangvereinbarung vorliegt.

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Was ist ein Nachrangdarlehen?

Nachrangdarlehen: Darlehen, bei dem der Gläubiger vereinbart, im Insolvenzfall mit seiner Forderung hinter alle anderen Gläubiger zurückzutreten (Nachrangabrede).

Wirtschaftliche Wirkung: Gilt trotz zivilrechtlichem Fremdkapitalcharakter wirtschaftlich als eigenkapitalähnlich → Banken und Rating-Agenturen rechnen es dem Eigenkapital zu.

Steuerlich: Zinsen bleiben abzugsfähige Betriebsausgaben; Zinsschranke (§ 4h EStG) beachten.

Typische Anwendung: Gesellschafterdarlehen, Mezzanine-Finanzierungen, KfW-Nachrangdarlehen.

Kreditsicherheiten

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Welche Kreditsicherheiten gibt es?

Personalsicherheiten: Dritter haftet persönlich für die Schuld

  • Bürgschaft (§§ 765 ff. BGB)
  • Schuldbeitritt, Garantie

Realsicherheiten: Bestimmter Gegenstand dient als Sicherheit

  • Grundpfandrechte: Hypothek, Grundschuld (Immobilien)
  • Sicherungsübereignung (bewegliche Sachen)
  • Sicherungszession (Forderungen)
  • Pfandrecht, Lombardkredit (Wertpapiere)
  • Eigentumsvorbehalt

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Was ist eine Sicherungsübereignung?

Sicherungsübereignung: Der Schuldner überträgt das Eigentum an beweglichen Sachen (z.B. Maschinen, Fahrzeuge, Warenbestand) auf den Gläubiger, behält aber den Besitz (mittelbarer Besitz des Gläubigers durch Besitzkonstitut).

Bei Vertragserfüllung überträgt der Gläubiger das Eigentum zurück; bei Zahlungsausfall kann er die Sache verwerten.

Vorteil: Unternehmen kann die Sache weiterhin nutzen; keine Eintragung im Grundbuch erforderlich.

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Was ist eine Hypothek?

Hypothek (§§ 1113 ff. BGB): Grundpfandrecht an einem Grundstück zur Sicherung einer bestimmten Forderung. Hypothek und gesicherte Forderung sind rechtlich untrennbar verbunden (Akzessorietät).

Folge: Erlischt die Forderung (z.B. durch vollständige Tilgung), erlischt die Hypothek automatisch. Sie kann auch in eine Eigentümergrundschuld umgewandelt werden.

Abgrenzung zur Grundschuld: Die Grundschuld ist nicht akzessorisch – sie besteht unabhängig von der gesicherten Forderung fort.

Vertiefung

Ist eine Hypothek bei Forderungen möglich?

Nein. Die Hypothek ist ein Grundpfandrecht – sie kann ausschließlich an Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten bestellt werden (§ 1113 BGB).

Zur Besicherung von Forderungen (z.B. Kundenforderungen aus L&L) gibt es eigene Instrumente:

  • Sicherungszession (Abtretung): Übertragung der Forderung auf den Gläubiger als Sicherheit
  • Pfandrecht an Forderungen (§ 1279 BGB)

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Was ist eine Grundschuld? Wo wird sie eingetragen (Grundbuch)?

Grundschuld (§§ 1191 ff. BGB): Grundpfandrecht an einem Grundstück, das dem Gläubiger das Recht gibt, einen bestimmten Geldbetrag aus dem Grundstück zu verlangen – unabhängig von einer konkreten Forderung (nicht akzessorisch).

Eintragung: Im Grundbuch, Abteilung III (Hypotheken, Grundschulden, Rentenschulden).

Abteilungen des Grundbuchs: Abt. I = Eigentümer; Abt. II = Lasten und Beschränkungen; Abt. III = Grundpfandrechte.

Vorteil gegenüber Hypothek: Wiederverwendbar nach Tilgung – daher in der Praxis häufiger.

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Was ist eine Bürgschaft?

Bürgschaft (§§ 765 ff. BGB): Personalsicherheit, bei der sich der Bürge gegenüber dem Gläubiger verpflichtet, für die Verbindlichkeit eines Dritten (Hauptschuldner) einzustehen, wenn dieser nicht zahlt.

Merkmale: Schriftform erforderlich (§ 766 BGB); Akzessorietät – Bürgschaft erlischt mit der Hauptschuld; Einrede der Vorausklage (§ 771 BGB): Bürge kann verlangen, dass der Gläubiger zuerst den Hauptschuldner in Anspruch nimmt (außer bei selbstschuldnerischer Bürgschaft).

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Welche Arten von Bürgschaften gibt es?
  • Ausfallbürgschaft: Bürge haftet erst nach erfolgloser Zwangsvollstreckung gegen den Hauptschuldner
  • Selbstschuldnerische Bürgschaft: Bürge verzichtet auf die Einrede der Vorausklage → Gläubiger kann sofort auf den Bürgen zugreifen; Bankstandard
  • Bürgschaft auf erstes Anfordern: Bürge muss sofort zahlen, ohne Einwendungen erheben zu können; sehr gläubigerfreundlich
  • Höchstbetragsbürgschaft: Haftung auf einen bestimmten Betrag begrenzt
  • Globalbürgschaft: Sicherung aller gegenwärtigen und zukünftigen Forderungen

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Was ist ein Lombardkredit?

Lombardkredit: Kurzfristiger Kredit, der durch Verpfändung von beweglichen Sachen oder Wertpapieren gesichert wird. Der Kreditnehmer erhält Liquidität, ohne den Gegenstand zu verkaufen.

Beleihungsgrenze: Typisch 50–80 % des Marktwerts der verpfändeten Sicherheit.

Typische Sicherheiten: Wertpapiere, Edelmetalle, Waren, Forderungen.

Bekanntestes Beispiel: Wertpapierlombardkredit bei Banken; auch Pfandleihe ist eine Form des Lombardkredits.

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Was ist Zession?

Zession (§§ 398 ff. BGB): Abtretung einer Forderung vom bisherigen Gläubiger (Zedent) auf einen neuen Gläubiger (Zessionar).

Sicherungszession: Forderung wird als Kreditsicherheit an den Gläubiger abgetreten; bei Rückzahlung des Kredits wird die Abtretung rückgängig gemacht.

Arten: Einzelzession, Globalzession (alle zukünftigen Forderungen aus einem Geschäftsbereich), stille Zession (Schuldner wird nicht informiert) vs. offene Zession.

Abgrenzung zu Factoring: Beim Factoring ist die Zession dauerhaft; Factoring umfasst zusätzlich Dienstleistungen.

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Was ist ein Wechselobligo?

Wechselobligo: Gesamtbetrag der aus Wechselgeschäften resultierenden Haftungsverpflichtungen eines Unternehmens – also aller Wechsel, auf denen es als Aussteller, Akzeptant oder Indossant haftet.

Ein Wechsel ist ein verbrieftes Zahlungsversprechen. Banken gewähren auf Basis von Wechseln Diskontkredite (Ankauf des Wechsels vor Fälligkeit unter Abzug von Zinsen = Diskont).

Das Obligo erscheint in der Bilanz als Eventualverbindlichkeit und ist im Anhang anzugeben (§ 251 HGB).

Mezzanines Kapital

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Was ist mezzanines Kapital?

Mezzanines Kapital: Finanzierungsform, die zwischen Eigen- und Fremdkapital steht – rechtlich häufig Fremdkapital, aber wirtschaftlich eigenkapitalähnlich aufgrund von Nachrangigkeit und langer Laufzeit.

Merkmale: Nachrangig gegenüber anderen Gläubigern; oft ohne Sicherheiten; höhere Verzinsung als klassisches FK; kein oder eingeschränktes Stimmrecht.

Vorteile: Stärkt wirtschaftliches Eigenkapital ohne Verwässerung der Gesellschafterstruktur; flexibel gestaltbar.

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Welche Formen gibt es?

Eigenkapitalnahes Mezzanine:

  • Stille Beteiligung (typisch und atypisch)
  • Genussrechte / Genussscheine
  • Wandelanleihen (Conversion in Eigenkapital möglich)

Fremdkapitalnahes Mezzanine:

  • Nachrangdarlehen
  • Partiarische Darlehen (Vergütung erfolgt gewinnabhängig)
  • High-Yield-Anleihen

Einsatz: Typisch bei Wachstumsfinanzierungen, Unternehmenskäufen (LBO) und Restrukturierungen.

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Was ist ein stiller Gesellschafter?

Stille Gesellschaft (§§ 230 ff. HGB): Der stille Gesellschafter beteiligt sich mit einer Einlage am Handelsgewerbe eines anderen (Inhaber), ohne nach außen in Erscheinung zu treten.

Merkmale: Keine Haftung gegenüber Dritten; Anspruch auf Gewinnbeteiligung; keine Teilhabe an Verlusten über die Einlage hinaus (beim typisch stillen Gesellschafter); kein Mitspracherecht im laufenden Betrieb.

Bilanzierung: Einlage des stillen Gesellschafters erscheint als Verbindlichkeit (oder eigenkapitalähnlicher Posten) beim Inhaber.

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Was ist die Abgrenzung zwischen stillem und atypisch stillem Gesellschafter?
 Typisch stillAtypisch still
Beteiligung am GewinnJaJa
Beteiligung am VerlustNein (bis Einlage)Ja
Beteiligung an stillen Reserven/FirmenwertNeinJa
MitunternehmerschaftNeinJa
EinkunftsartKapitalvermögen (§ 20 EStG)Gewerbebetrieb (§ 15 EStG)

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Welche Einkunftsart liegt jeweils vor?
  • Typisch stiller Gesellschafter: Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 4 EStG) → Abgeltungsteuer 25 % oder Teileinkünfteverfahren
  • Atypisch stiller Gesellschafter: Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 15 EStG) als Mitunternehmer → persönlicher ESt-Satz; GewSt-Anrechnung nach § 35 EStG möglich; Gewinnfeststellung im Rahmen gesonderter und einheitlicher Feststellung

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Wie wird ein stiller Gesellschafter besteuert?

Typisch stiller Gesellschafter: Gewinnanteil = Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 4 EStG); KapESt-Einbehalt (25 %) durch den Inhaber; Abgeltungswirkung im Privatvermögen.

Atypisch stiller Gesellschafter: Gilt als Mitunternehmer; Gewinnanteil = Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 15 EStG); Besteuerung mit persönlichem ESt-Satz; Verlustverrechnung möglich; GewSt-Anrechnung nach § 35 EStG.

Beim Inhaber: Gewinnanteil des typisch stillen Gesellschafters ist Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 4 EStG).

Leasing

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Was ist Leasing?

Leasing: Nutzungsüberlassung eines Wirtschaftsguts durch den Leasinggeber (Eigentümer) an den Leasingnehmer gegen Zahlung von Leasingraten über eine bestimmte Laufzeit.

Wirtschaftlich ähnelt Leasing einem Kreditkauf, rechtlich bleibt das Eigentum beim Leasinggeber.

Steuerliche Zurechnung: Entscheidend ist, wem das Wirtschaftsgut steuerlich zuzurechnen ist (Leasinggeber oder -nehmer) – dies hängt von der Vertragsgestaltung und den BMF-Leasingerlassen ab.

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Welche Leasingarten gibt es?
  • Finanzierungsleasing: Langfristig, unkündbar; wirtschaftlich wie Kauf; Risiko und Chancen beim Leasingnehmer; Zurechnung i.d.R. beim Leasingnehmer
  • Operating-Leasing: Kurzfristig, kündbar; Leasinggeber trägt Wertminderungsrisiko; Zurechnung beim Leasinggeber
  • Nach Leasingobjekt: Mobilien- vs. Immobilienleasing
  • Nach Vertragspartner: Hersteller-Leasing (direktes Leasing) vs. indirektes Leasing (über Leasinggesellschaft)

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Was ist Finanzierungsleasing?

Finanzierungsleasing: Langfristiger, unkündbarer Leasingvertrag, bei dem die Grundmietzeit typischerweise 40–90 % der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer umfasst. Risiken und Chancen gehen wirtschaftlich auf den Leasingnehmer über.

Steuerliche Zurechnung (BMF-Leasingerlasse): Wirtschaftsgut wird dem Leasinggeber zugerechnet (Regelfall) → Leasingnehmer bucht Leasingraten als Aufwand. Bei speziellen Vertragsgestaltungen kann das WG dem Leasingnehmer zuzurechnen sein.

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Was ist Operating-Leasing?

Operating-Leasing: Kurzfristiger, meist jederzeit kündbarer Leasingvertrag; ähnelt einer Miete. Das Wertminderungsrisiko verbleibt beim Leasinggeber.

Steuerliche Zurechnung: Wirtschaftsgut wird stets dem Leasinggeber zugerechnet – er schreibt ab; Leasingnehmer bucht nur die Leasingrate als Aufwand.

HGB-Bilanzierung: Kein Ausweis beim Leasingnehmer; Off-Balance-Effekt → Bilanzsumme und Verschuldungsgrad werden nicht erhöht.

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Wie wird Leasing nach IFRS 16 behandelt?

IFRS 16 (seit 1.1.2019): Grundsätzlich müssen alle Leasingverhältnisse (mit Laufzeit > 12 Monate und Wert > 5.000 USD) beim Leasingnehmer in der Bilanz erfasst werden – unabhängig davon, ob Finanzierungs- oder Operating-Leasing.

Bilanzierung:

  • Aktivseite: Nutzungsrecht (Right-of-Use-Asset)
  • Passivseite: Leasingverbindlichkeit (Barwert der künftigen Leasingzahlungen)

Folge: Bilanzverlängerung → Verschuldungsgrad steigt; EBITDA steigt (Leasingrate wird durch AfA + Zinsaufwand ersetzt).

Vertiefung

Was sind Vor- und Nachteile von Leasing?

Vorteile:

  • Schonung der Liquidität (kein Kaufpreis auf einmal)
  • Off-Balance-Effekt nach HGB (Operating-Leasing)
  • Leasingraten als Betriebsausgaben steuerlich abzugsfähig
  • Flexibilität bei Technologieerneuerung
  • Keine Bindung von Sicherheiten

Nachteile:

  • Höhere Gesamtkosten als Kauf
  • Kein Eigentumserwerb; kein Restwert
  • Unkündbarkeit bei Finanzierungsleasing
  • Nach IFRS 16: On-Balance → kein Off-Balance-Effekt

Vertiefung

Ist Leasing bei schlechter Liquidität sinnvoll?

Ja, grundsätzlich – da kein hoher Einmalkaufpreis fällig wird und die Liquidität geschont wird. Leasinggesellschaften prüfen jedoch ebenfalls die Bonität des Leasingnehmers.

Einschränkungen bei sehr schlechter Bonität: Leasingvertrag wird möglicherweise nicht genehmigt oder nur zu sehr ungünstigen Konditionen (hohe Vorauszahlung, Kaution).

Alternative: Operating-Leasing oder Miete – kurzfristig kündbar und bilanzneutral nach HGB, was Kennzahlen wie Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad schont.

Vertiefung

Warum ist Leasing für ein Unternehmen mit guter Liquidität interessant?

Auch bei ausreichender Liquidität kann Leasing vorteilhaft sein:

  • Opportunitätskostengedanke: Das nicht gebundene Kapital kann rentabler eingesetzt werden (z.B. Investitionen mit höherer Rendite als der Leasingzinssatz)
  • Steuerlicher Vorteil: Leasingraten sofort als Betriebsausgaben abzugsfähig; bei Kauf nur AfA über Nutzungsdauer
  • Bilanzneutralität (HGB): Kein Anstieg von Bilanzsumme und Verschuldungsgrad
  • Flexibilität: Einfacher Austausch nach Vertragsende

Vertiefung

Wie wirkt sich Leasing auf Bilanz und GuV aus?

HGB – Zurechnung beim Leasinggeber (Regelfall):

  • Bilanz Leasingnehmer: Kein Ausweis des WG und keiner Verbindlichkeit → Off-Balance; Bilanzsumme bleibt kleiner
  • GuV Leasingnehmer: Leasingrate als sonstiger betrieblicher Aufwand → mindert das Ergebnis

IFRS 16 – Zurechnung beim Leasingnehmer:

  • Bilanz: Nutzungsrecht (Aktiva) + Leasingverbindlichkeit (Passiva) → Bilanzverlängerung
  • GuV: AfA auf Nutzungsrecht + Zinsaufwand; EBITDA steigt, da Leasingrate entfällt

Vertiefung

Wie sieht es umsatzsteuerlich bei Leasing aus?

Operating-Leasing: Gilt als sonstige Leistung (Vermietung) → Leasingrate unterliegt USt (19 %); Leasingnehmer kann Vorsteuer abziehen.

Finanzierungsleasing (Zurechnung beim Leasingnehmer): Gilt als Lieferung des Leasingobjekts zum Vertragsbeginn → USt auf den gesamten Kaufpreis wird zu Beginn fällig; nicht auf die Raten verteilt.

Praxis: In den meisten Fällen werden Leasingraten monatlich mit USt berechnet (sonstige Leistung), sodass der Leasingnehmer monatlich Vorsteuer abziehen kann.

Vertiefung

Wann ist Leasing vs. Kauf die bessere Alternative?

Leasing vorteilhaft, wenn:

  • Liquidität knapp oder besser anderweitig einsetzbar
  • Technologierisiko hoch (schnelle Veralterung → Flexibilität wichtig)
  • Bilanzneutralität gewünscht (HGB)
  • Steuerlicher Sofortabzug der Raten günstiger als AfA-Streckung

Kauf vorteilhaft, wenn:

  • Langfristige Nutzung geplant; Restwert bleibt beim Unternehmen
  • Gesamtkosten des Leasings (inkl. Zinsanteil) höher als Kaufpreis + Finanzierungszins
  • Modifikationen/Anpassungen des WG geplant

Factoring

Vertiefung

Was ist Factoring?

Factoring: Laufender Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an ein Factoringinstitut (Factor) gegen sofortige Auszahlung eines Großteils des Forderungsbetrags.

Funktionen des Factoring:

  • Finanzierungsfunktion: Sofortige Liquidität statt Warten auf Zahlungsziel
  • Delkrederefunktion: Übernahme des Ausfallrisikos durch den Factor (nur echtes Factoring)
  • Dienstleistungsfunktion: Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen, Inkasso

Vertiefung

Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?
  • Echtes Factoring: Der Factor übernimmt das Ausfallrisiko (Delkredere) vollständig. Bei Zahlungsausfall des Schuldners trägt der Factor den Verlust – Veräußerer haftet nicht.
  • Unechtes Factoring: Das Ausfallrisiko verbleibt beim Forderungsverkäufer. Bei Ausfall des Schuldners muss der Verkäufer die Forderung zurückkaufen. Bilanziell: keine echte Ausbuchung (wirtschaftlich kreditähnlich).

Steuerliche Relevanz: Echtes Factoring = Verkauf; unechtes Factoring = besichertes Darlehen.

Vertiefung

Was ist der Unterschied zwischen offenem und stillem Factoring?
  • Offenes Factoring: Der Schuldner (Debitor) wird über die Abtretung der Forderung informiert und zahlt direkt an den Factor.
  • Stilles Factoring: Der Schuldner weiß nichts von der Abtretung; er zahlt weiterhin an den Forderungsverkäufer, der die Mittel an den Factor weiterleitet.

Vorteil stilles Factoring: Keine Beeinträchtigung der Kundenbeziehung. Nachteil: Factor trägt höheres Risiko → Kosten i.d.R. höher.

Vertiefung

Wie läuft Factoring ab?
  1. Unternehmen liefert Ware/erbringt Leistung und stellt Rechnung an Kunden
  2. Forderung wird an den Factor abgetreten (Zession)
  3. Factor zahlt sofort ca. 80–90 % des Forderungsbetrags aus
  4. Factor übernimmt Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen
  5. Kunde zahlt an den Factor
  6. Factor zahlt den Restbetrag abzüglich Gebühren und Zinsen aus

Vertiefung

Warum bekommt man beim Factoring den Wert nicht in voller Höhe ausgezahlt?

Der Factor behält einen Sicherheitseinbehalt (ca. 10–20 %) zurück, um sich gegen folgende Risiken abzusichern:

  • Skonti und Rabatte: Kunde könnte Skonto in Anspruch nehmen oder Reklamationen geltend machen
  • Mängelrügen/Gegenforderungen: Aufrechnung durch den Debitor
  • Zinskosten: Factor finanziert die Forderung vor → Zinsabzug für die Zeit bis zur Zahlung
  • Factoringgebühr: Vergütung für Dienstleistungen (Bonitätsprüfung, Inkasso)

Vertiefung

Welche Gebühren fallen beim Factoring an (ohne Gewährleistungen/Reklamationen)?

Typische Factoringkosten:

  • Factoringgebühr (Servicegebühr): 0,5–2,5 % des Forderungsbetrags; Vergütung für Bonitätsprüfung, Debitorenbuchhaltung, Inkasso
  • Finanzierungszins: Zinsen für den vorfinanzierten Betrag (vergleichbar mit Kontokorrentzins; tagesgenau auf den ausgezahlten Vorschuss)
  • Delkrederegebühr (nur beim echten Factoring): Risikoprämie für Übernahme des Ausfallrisikos

Vertiefung

Wie wirkt sich Factoring auf die Bilanz aus (Eigenkapitalquote)?

Beim echten Factoring werden Forderungen aus der Bilanz ausgebucht (Forderung → Liquidität):

  • Bilanzsumme sinkt (Forderungen raus; Verbindlichkeiten aus dem Factoring-Vorschuss evtl. wegfallen)
  • Eigenkapitalquote steigt (EK unverändert, Bilanzsumme kleiner → EK/Bilanzsumme × 100 steigt)
  • Verschuldungsgrad sinkt

Wenn die Liquidität zur Tilgung von Verbindlichkeiten genutzt wird, verstärkt sich der Effekt zusätzlich.

Vertiefung

Wie wirkt sich Factoring auf den Liquiditätsgrad 2 aus?

LG 2 = (Flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere) / Kurzfristiges FK × 100

Beim Factoring: Forderungen werden zu flüssigen Mitteln → Zähler bleibt annähernd gleich (Forderung wird durch Liquidität ersetzt). LG 2 verändert sich kaum, solange der Liquiditätszufluss nicht zur Tilgung kurzfristiger Verbindlichkeiten verwendet wird.

Wird die Liquidität zur Tilgung kurzfristiger Verbindlichkeiten eingesetzt: Nenner sinkt → LG 2 steigt deutlich.

Vertiefung

Wie wirkt sich Factoring auf die Steuern vom Einkommen und Ertrag aus?

Die Factoringgebühren und Zinsen sind Betriebsausgaben → mindern den steuerlichen Gewinn → Steuerlast sinkt.

Gleichzeitig: Durch den früheren Liquiditätszufluss müssen keine Abschreibungen auf uneinbringliche Forderungen gebildet werden (Ausfallrisiko liegt beim Factor) → kein zusätzlicher steuerlicher Aufwand durch Forderungsabschreibungen.

Per Saldo: Geringere Gewinne durch Factoringkosten → geringere Steuern; der Effekt hängt von der Höhe der Gebühren ab.

Vertiefung

Ist Factoring bei Mercedes möglich (AGB-Problematik)?

Viele Großunternehmen (z.B. Mercedes-Benz, Volkswagen) enthalten in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ein Abtretungsverbot (§ 399 BGB) für Forderungen gegen sie.

Folge: Eine Zession (Abtretung der Forderung an den Factor) ist zivilrechtlich unwirksam oder bedarf der Zustimmung.

Lösung: Manche Factoringanbieter nutzen stilles Factoring oder holen vorab die Zustimmung des Schuldners ein. Alternativ kann ein echtes Factoring ohne Abtretung vertraglich anders konstruiert werden.

Vertiefung

Was ist der Unterschied zwischen Factoring und Zession?
 FactoringZession
ArtLaufender ForderungsverkaufEinmalige oder pauschale Abtretung
DienstleistungenJa (Inkasso, Debitorenbuchhaltung)Nein (nur Sicherheit)
AusfallrisikoBeim Factor (echt) oder Verkäufer (unecht)Verbleibt beim Zedenten
ZweckFinanzierung + DienstleistungKreditsicherheit

Vertiefung

Wer ist der Zessionär?

Zessionär ist der neue Gläubiger nach einer Forderungsabtretung (Zession) – also die Person oder das Unternehmen, an die/das die Forderung abgetreten wird.

Begriffe:

  • Zedent: Bisheriger Gläubiger (tritt die Forderung ab)
  • Zessionar: Neuer Gläubiger (nimmt die Forderung entgegen)
  • Schuldner (Debitor): Muss nach der Abtretung an den Zessionar zahlen

Beim Factoring ist der Factor der Zessionar; bei der Sicherungszession ist es die kreditgebende Bank.

Sale and Lease Back

Vertiefung

Was ist Sale and Lease Back?

Sale and Lease Back: Ein Unternehmen verkauft ein Vermögensgut (z.B. Immobilie, Maschine) an eine Leasinggesellschaft und least es unmittelbar zurück – es nutzt das WG weiterhin, ist aber nicht mehr Eigentümer.

Ziel: Freisetzung von gebundenem Kapital (stille Reserven realisieren, Liquidität gewinnen) bei gleichzeitiger Weiterbenutzung des Wirtschaftsguts.

Typisch bei Immobilien (Sale and Lease Back von Betriebsgebäuden) und kapitalintensiven Maschinen.

Vertiefung

Welche Vor- und Nachteile hat Sale and Lease Back?

Vorteile:

  • Sofortige Liquiditätsfreisetzung (stille Reserven realisiert)
  • Bilanzverkürzung → Eigenkapitalquote steigt (Off-Balance nach HGB)
  • Leasingraten steuerlich als BA abzugsfähig
  • Nutzung des WG bleibt erhalten

Nachteile:

  • Verlust des Eigentums; kein Restwert mehr
  • Laufende Leasingverpflichtung mindert zukünftige Liquidität
  • Gesamtkosten oft höher als bei Eigenfinanzierung
  • Steuerlicher Veräußerungsgewinn bei Verkauf über Buchwert

Vertiefung

Wie wirkt sich Sale and Lease Back auf die Bilanz aus?

Beim Verkauf:

  • Anlagevermögen (z.B. Gebäude) wird ausgebucht → Bilanzsumme sinkt
  • Liquide Mittel (Verkaufserlös) fließen zu
  • Veräußerungsgewinn (Verkaufspreis > Buchwert) erhöht das Eigenkapital

Nach dem Rückleasen (HGB, Operating-Leasing):

  • Kein WG in der Bilanz; keine Verbindlichkeit → Bilanzsumme bleibt niedriger
  • Eigenkapitalquote steigt
  • GuV: Leasingrate als laufender Aufwand

Investitionsrechnung

Vertiefung

Welche Investitionsrechnungsverfahren gibt es?

Statische Verfahren (einfach, einperiodisch, ohne Zeitwert des Geldes):

  • Kostenvergleichsrechnung, Gewinnvergleichsrechnung
  • Rentabilitätsvergleichsrechnung
  • Amortisationsrechnung (Payback-Methode)

Dynamische Verfahren (mehrperiodisch, berücksichtigen Zeitwert des Geldes):

  • Kapitalwertmethode (Net Present Value)
  • Interne Zinsfußmethode (IRR)
  • Annuitätenmethode
  • Dynamische Amortisationsrechnung

Vertiefung

Was sind statische Investitionsrechnungsverfahren?

Statische Verfahren arbeiten mit Durchschnittswerten einer Periode und berücksichtigen den Zeitwert des Geldes nicht (keine Diskontierung). Sie sind einfach anzuwenden, aber weniger exakt.

Verfahren:

  • Kostenvergleich: Welche Investition hat niedrigere Kosten?
  • Gewinnvergleich: Welche Investition erzielt höheren Gewinn?
  • Rentabilitätsvergleich: Gewinn / eingesetztes Kapital
  • Amortisation: In welchem Zeitraum wird die Investition zurückverdient?

Vertiefung

Was sind dynamische Investitionsrechnungsverfahren?

Dynamische Verfahren berücksichtigen den Zeitwert des Geldes durch Abzinsung (Diskontierung) aller Zahlungsströme auf einen gemeinsamen Zeitpunkt (i.d.R. Beginn der Investition).

Vorteil: Präzisere Entscheidungsgrundlage durch Einbeziehung von Zeitpunkt und Höhe aller Zahlungen über die gesamte Nutzungsdauer.

Nachteil: Aufwändiger; abhängig von Annahmen zum Kalkulationszinssatz; zukünftige Zahlungen sind unsicher.

Vertiefung

Was ist die Amortisationsrechnung?

Amortisationsrechnung (Payback-Methode): Gibt an, in welchem Zeitraum die Anschaffungskosten einer Investition durch die Rückflüsse (Gewinn + Abschreibungen = Cashflow) zurückverdient werden.

Formel: Amortisationszeit = Anschaffungskosten / durchschnittlicher jährlicher Cashflow

Entscheidungsregel: Investition ist vorteilhaft, wenn Amortisationszeit < vorgegebener Grenzwert.

Nachteil: Berücksichtigt keine Zahlungen nach der Amortisationszeit; ignoriert den Zeitwert des Geldes.

Vertiefung

Was ist die Rentabilitätsvergleichsrechnung?

Rentabilitätsvergleichsrechnung: Statisches Verfahren, das den durchschnittlichen Jahresgewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital setzt.

Formel: Rentabilität = (Ø Jahresgewinn / Ø eingesetztes Kapital) × 100

Ø eingesetztes Kapital = (Anschaffungskosten + Restwert) / 2

Entscheidungsregel: Investition ist vorteilhaft, wenn Rentabilität > Mindestrendite (Kalkulationszinssatz); bei Alternativen: höhere Rentabilität bevorzugen.

Vertiefung

Was ist die Kapitalwertmethode?

Kapitalwertmethode (Net Present Value, NPV): Dynamisches Verfahren, das alle Einzahlungen und Auszahlungen einer Investition auf den Zeitpunkt t=0 abdiskontiert und saldiert.

Formel: Kapitalwert = Σ (Cashflow_t / (1+i)^t) – Anschaffungskosten

Entscheidungsregel:

  • Kapitalwert > 0 → Investition lohnend (Rendite > Kalkulationszinssatz)
  • Kapitalwert = 0 → Investition gerade noch vorteilhaft
  • Kapitalwert < 0 → Investition ablehnen

Vertiefung

Was passiert mit dem Kapitalwert, wenn der Zinssatz steigt?

Bei steigendem Kalkulationszinssatz sinkt der Kapitalwert – da zukünftige Cashflows stärker abdiskontiert werden und damit weniger wert sind.

Begründung: Der Abzinsungsfaktor (1+i)^t wächst mit steigendem i → der Barwert der zukünftigen Einzahlungen nimmt ab.

Praxisrelevanz: In Hochzinsphasen werden Investitionen unattraktiver, weil höhere Opportunitätskosten des Kapitals entstehen. Umgekehrt macht ein niedriger Zinssatz viele Investitionen rechnerisch vorteilhaft.

Vertiefung

Wann ist der Kapitalwert = 0?

Der Kapitalwert ist genau dann 0, wenn der Diskontierungszinssatz dem internen Zinsfuß (IRR) der Investition entspricht.

Das bedeutet: Die Investition erwirtschaftet exakt die geforderte Mindestrendite (Kalkulationszinssatz) – weder mehr noch weniger. Sie lohnt sich gerade noch (Entscheidungsindifferenz).

Praktisch: Der Kapitalwert von 0 ist der Break-even-Zinssatz der Investition; liegt der tatsächliche Zinssatz darunter, ist die Investition vorteilhaft.

Vertiefung

Wie wird die Amortisation einer Investition berechnet (z.B. KANBAN)?

Allgemeines Schema:

Amortisationszeit = Investitionskosten / jährlicher Einsparung (oder Cashflow)

Beispiel KANBAN-System:

  • Anschaffungskosten: 120.000 €
  • Jährliche Einsparungen (Lagerkosten, Prozesskosten): 40.000 €
  • Amortisationszeit: 120.000 € / 40.000 € = 3 Jahre

Bei mehreren Nutzenjahren mit unterschiedlichen Cashflows: kumulierte Summe der Rückflüsse bis zum Erreichen der Anschaffungskosten.

Vertiefung

Was ist bei der Investition in Anlagevermögen mit Bilanzierung zu beachten?

Aktivierungspflicht: Angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens sind zu aktivieren (§ 246 HGB / § 5 EStG). Keine Sofortabschreibung.

Bewertung: Zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten (§ 255 HGB); dann planmäßige Abschreibung über die Nutzungsdauer (AfA-Tabellen).

Steuerliche Besonderheiten: IAB (§ 7g EStG), Sonder-AfA, GWG-Sofortabschreibung bis 800 €. Aktivierungsgebot in der StB; in der HGB ggf. abweichende Nutzungsdauer möglich.

Rating & Finanzierung

Vertiefung

Was ist Rating?

Rating: Systematische Beurteilung der Kreditwürdigkeit (Bonität) eines Unternehmens durch eine standardisierte Bewertung quantitativer und qualitativer Faktoren. Ergebnis ist eine Ratingstufe (z.B. AAA bis D bei Moody's/S&P oder 1–6 bei Banken-internen Systemen).

Bedeutung: Bestimmt Kreditverfügbarkeit und Zinshöhe (je besser das Rating, desto günstiger die Konditionen). Grundlage für Kreditentscheidungen nach Basel III.

Vertiefung

Welche Arten von Rating gibt es?
  • Externes Rating: Durch unabhängige Ratingagentur (Moody's, S&P, Fitch); i.d.R. für kapitalmarktorientierte Unternehmen (Anleiheemittenten)
  • Internes Bankrating: Jede Bank bewertet Kreditnehmer nach eigenem Modell (Basel III-Pflicht); nicht öffentlich
  • Selbst-Rating: Unternehmen bewertet sich selbst mit Bankhilfe zur Vorbereitung auf Kreditgespräche

Vertiefung

Ab wann muss ein externes Rating stattfinden?

Ein externes Rating ist nicht gesetzlich vorgeschrieben – es ist freiwillig. Es wird jedoch häufig erforderlich oder vorteilhaft:

  • Bei Ausgabe von Anleihen an institutionelle Investoren
  • Bei internationalen Kapitalmarktfinanzierungen
  • Wenn Kreditgeber ein externes Rating als Covenant-Voraussetzung fordern

Für Bankkredite verwenden Kreditinstitute ihr eigenes internes Rating (Basel III – alle Kreditnehmer müssen intern geratet werden).

Vertiefung

Wie oft wird ein Unternehmen geratet?

Internes Bankrating: In der Regel jährlich – üblicherweise nach Einreichung des testierten Jahresabschlusses. Bei Verschlechterung der Situation auch anlassbezogen (z.B. bei Covenant-Verletzung, Umsatzeinbruch).

Externes Rating: Mindestens einmal jährlich durch die Ratingagentur; bei wesentlichen Ereignissen auch unterjährig (Watchlist, Ausblick-Änderung).

Banken fordern typischerweise den Jahresabschluss innerhalb von 6–9 Monaten nach dem Bilanzstichtag.

Vertiefung

Welche quantitativen Faktoren führen zu einem Rating?

Quantitative Faktoren basieren auf dem Jahresabschluss und messbaren Kennzahlen:

  • Eigenkapitalquote (wirtschaftliches EK / Bilanzsumme)
  • Dynamischer Verschuldungsgrad (Nettoverbindlichkeiten / Cashflow)
  • Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit
  • Umsatzrentabilität / Gesamtkapitalrentabilität
  • Liquiditätsgrade (LG 1, 2, 3)
  • Zinsdeckungsgrad (EBIT / Zinsaufwand)
  • Umsatzentwicklung (Wachstum/Rückgang)

Vertiefung

Welche qualitativen Faktoren führen zu einem Rating?

Qualitative Faktoren sind nicht direkt messbar, aber wesentlich für die Gesamtbeurteilung:

  • Managementqualität: Erfahrung, Nachfolgeplanung, Führungsstruktur
  • Marktposition und Wettbewerb: Marktanteile, Alleinstellungsmerkmale
  • Branchenentwicklung: Wachstumsaussichten, Konjunkturabhängigkeit
  • Kundenstruktur: Klumpenrisiken, Diversifikation
  • Transparenz und Berichterstattung: Qualität der Buchhaltung, pünktliche Unterlagenlieferung
  • Unternehmensstrategie und Planung

Vertiefung

Welche Kennzahlen sind für das Rating wichtig?

Banken gewichten typischerweise folgende Kennzahlen am stärksten:

  • Eigenkapitalquote (wirtschaftlich): Richtwert > 20–30 %
  • Dynamischer Verschuldungsgrad: Nettofinanzschulden / Cashflow < 3–5 Jahre
  • Cashflow aus lfd. Geschäftstätigkeit: positiv und stabil
  • Umsatzrentabilität
  • Liquiditätsgrad 2: ≥ 100 %
  • Zinsdeckungsgrad: EBIT / Zinsaufwand > 2–3

Vertiefung

Welche weiteren Informationen außer dem Jahresabschluss können Banken für das Rating nutzen?
  • Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA): Unterjährige Ergebnisdarstellung
  • Planungsrechnungen: Liquiditätsplan, Plan-GuV, Plan-Bilanz
  • Kontoauszüge: Zahlungsverhalten, Kontoüberziehungen
  • Schufa- und Creditreform-Auskünfte
  • Branchenanalysen
  • Handelsregisterauszüge, Gesellschaftsvertrag
  • Sicherheitenverzeichnis
  • Managementgespräche / Unternehmensbesuch

Vertiefung

Was sind Financial Covenants?

Financial Covenants: Vertragliche Finanzkennzahlverpflichtungen, die ein Kreditnehmer im Rahmen einer Kreditvereinbarung einhalten muss. Bei Verletzung droht die vorzeitige Kündigung des Kredits.

Typische Covenants:

  • Mindest-Eigenkapitalquote (z.B. ≥ 25 %)
  • Maximaler Verschuldungsgrad (z.B. FK/EK ≤ 3)
  • Mindest-Zinsdeckungsgrad (z.B. EBITDA/Zinsaufwand ≥ 3)
  • Maximaler dynamischer Verschuldungsgrad (z.B. Nettoschulden/EBITDA ≤ 4)

Vertiefung

Wie berechnet die Bank die Eigenkapitalquote?

Banken verwenden das wirtschaftliche Eigenkapital aus der Strukturbilanz:

Typische Anpassungen:

  • – Geschäfts- oder Firmenwert (nicht substanzhaltig)
  • – Ausstehende Einlagen, Forderungen gegen Gesellschafter
  • + Stille Reserven (nach Steuern)
  • + Nachrangdarlehen (bei wirksamer Nachrangabrede)
  • +/– Latente Steuern

EK-Quote (wirtschaftlich) = Wirtschaftliches EK / Strukturbilanzsumme × 100

Vertiefung

Welche Planzahlen muss man der Bank liefern?

Banken fordern üblicherweise:

  • Plan-GuV (Ertragsplanung für das laufende und nächste Jahr)
  • Liquiditätsplan (monatliche Ein- und Auszahlungen)
  • Plan-Bilanz (Entwicklung der Vermögens- und Kapitalstruktur)
  • BWA (aktuelle unterjährige Ergebniszahlen)
  • Investitionsplan (geplante Investitionen und deren Finanzierung)

Planzahlen müssen schlüssig und konsistent mit dem Finanzierungsbedarf sein.

Vertiefung

Warum führt ein schlechtes Rating zu höheren Zinsen?

Ein schlechtes Rating signalisiert der Bank ein höheres Ausfallrisiko. Um dieses Risiko zu kompensieren, verlangen Banken eine höhere Risikoprämie:

Zinssatz = Risikoloser Basiszins + Risikoaufschlag (Credit Spread)

Je schlechter das Rating, desto höher der Credit Spread. Zudem schreiben die Basel-III-Vorschriften vor, dass Banken für Kredite an schlechter geratete Schuldner mehr Eigenkapital hinterlegen müssen → höhere Kapitalkosten der Bank → höhere Kreditkosten für den Kunden.

Vertiefung

Was hat Basel III mit Rating zu tun?

Basel III (internationales Bankenregulierungswerk): Verpflichtet Banken, für jeden Kredit ausreichend Eigenkapital zu hinterlegen. Die Höhe des zu hinterlegenden Eigenkapitals richtet sich nach dem Ausfallrisiko des Kreditnehmers – und das wird über das Rating bestimmt.

Folge: Kredite an schwächer geratete Schuldner erfordern mehr Bankkapital → höhere interne Kosten → höhere Kreditzinsen für den Kunden. Gut geratete Unternehmen profitieren von günstigeren Konditionen.

Leverage-Effekt

Vertiefung

Was ist der Leverage-Effekt?

Leverage-Effekt: Der Einsatz von Fremdkapital kann die Eigenkapitalrentabilität erhöhen, solange die Gesamtkapitalrentabilität den Fremdkapitalzinssatz übersteigt.

Formel:
EK-Rentabilität = GK-Rentabilität + (GK-Rentabilität – FK-Zinssatz) × Verschuldungsgrad

Positiver Leverage: GK-Rentabilität > FK-Zinssatz → mehr FK steigert EK-Rendite

Negativer Leverage: GK-Rentabilität < FK-Zinssatz → mehr FK vermindert EK-Rendite → Verlustmultiplikator

Vertiefung

Wann ist der Leverage-Effekt positiv?

Der Leverage-Effekt ist positiv, wenn gilt:

Gesamtkapitalrentabilität > Fremdkapitalzinssatz

In diesem Fall erwirtschaftet das FK-finanzierte Kapital mehr Rendite als es kostet – der Überschuss kommt dem Eigenkapitalgeber zugute und erhöht dessen Rendite.

Beispiel: GK-Rendite 10 %, FK-Zins 5 % → Differenz 5 % fließt an EK-Geber; je höher der FK-Anteil, desto stärker der Hebeleffekt.

Vertiefung

Warum möchten manche Unternehmen explizit eine hohe Fremdkapitalquote?
  • Positiver Leverage-Effekt: Hohe FK-Quote steigert EK-Rendite, wenn GK-Rendite > FK-Zins
  • Steuerlicher Vorteil: FK-Zinsen sind steuerlich abzugsfähige BA → Steuerersparnis (Tax Shield); EK-Dividenden hingegen nicht abzugsfähig
  • Keine Verwässerung: Mehr FK = kein neuer Gesellschafter; bestehende Gesellschafter behalten Kontrolle
  • Kapitalkosten: FK ist i.d.R. günstiger als EK (geringeres Risiko für Fremdkapitalgeber)

Vertiefung

Ist ein Problem wirklich ein Problem vor dem Hintergrund des Leverage-Effekts?

Eine hohe Fremdkapitalquote oder ein hoher Verschuldungsgrad wird oft als Problem eingestuft – aber nicht zwingend:

  • Solange die GK-Rentabilität den FK-Zinssatz übersteigt, wirkt hohe FK-Quote renditeerhöhend
  • Banken bewerten nicht den Verschuldungsgrad allein, sondern immer in Relation zur Ertragskraft (dynamischer Verschuldungsgrad)

Echtes Problem: Wenn FK-Zinsen die GK-Rendite übersteigen oder die Zinslast den Cashflow übertrifft → Insolvenzgefahr. Dann verstärkt der Leverage-Effekt Verluste.

Liquiditätsplanung & -verbesserung

Vertiefung

Wie erstellt man einen Liquiditätsplan?

Liquiditätsplan stellt monatliche Ein- und Auszahlungen gegenüber:

  1. Anfangsbestand liquider Mittel
  2. + Erwartete Einzahlungen (Umsatzerlöse, Forderungseingänge, sonstige)
  3. – Geplante Auszahlungen (Personal, Material, Miete, Steuern, Tilgungen)
  4. = Endbestand / Fehlbetrag je Periode

Negativer Endbestand signalisiert Liquiditätslücke → frühzeitige Gegenmaßnahmen einleiten. Typisch: rollierende 12-Monats-Planung.

Vertiefung

Welche Maßnahmen gibt es zur Verbesserung der Liquidität?

Kurzfristig:

  • Factoring, Forderungseinzug beschleunigen
  • Kontokorrentkredit ausweiten
  • Lieferantenzahlungen hinauszögern
  • Sale and Lease Back

Mittelfristig:

  • Kapitalerhöhung durch Gesellschafter
  • Lagerabbau (Working-Capital-Optimierung)
  • Umschuldung kurzfristiger in langfristige Verbindlichkeiten
  • Investitionen verschieben oder reduzieren

Vertiefung

Wie kann man schnell an Liquidität kommen?
  • Factoring: Sofortiger Verkauf offener Forderungen an Factor
  • Kontokorrentkredit: Kurzfristige Banklinienausweitung
  • Gesellschafterdarlehen: Schnelle Mittelzuführung ohne Bankprüfung
  • Sale and Lease Back: Anlagevermögen verkaufen und zurückleasen
  • Lagerabbau: Vorräte mit Rabatt abverkaufen
  • Stundungsvereinbarungen mit Lieferanten und Finanzamt

Vertiefung

Wie findet man liquide Mittel innerhalb des Unternehmens?

Gebundenes Kapital lässt sich intern freisetzen durch:

  • Lagerbestandsoptimierung: Just-in-time, Abbau von Überbeständen
  • Debitorenmanagement: Kürzere Zahlungsziele, Mahnwesen straffen
  • Zahlungsziele verlängern: Kreditorenziel bei Lieferanten ausweiten
  • Nicht betriebsnotwendiges Vermögen verkaufen: Finanzanlagen, Grundstücke
  • Investitionen verschieben

Vertiefung

Ist die Gewährung oder Inanspruchnahme von Skonto immer vorteilhaft?

Nein – es hängt von den Konditionen und der eigenen Liquiditätssituation ab.

Skontosatz auf Jahreszins umrechnen: Skontosatz / (Zahlungsziel – Skontofrist) × 360 = effektiver Jahreszins

Beispiel: 2 % Skonto bei 30 Tagen Ziel / 10 Tagen Skontofrist → 2 % / 20 × 360 = 36 % p.a. → Skonto nehmen ist fast immer günstiger als Kontokorrentkredit.

Ausnahme: Wenn Eigenkapital günstiger angelegt werden kann oder Liquidität extrem knapp ist.

Vertiefung

Wie wirken sich Zahlungsziele auf die Liquidität aus?
  • Längeres Debitorenziel (Kunden zahlen später): bindet mehr Liquidität, erhöht Forderungsbestand → Liquidität sinkt
  • Kürzeres Debitorenziel: Liquidität steigt, Forderungsbestand sinkt
  • Längeres Kreditorenziel (wir zahlen später): Liquidität steigt, Verbindlichkeiten steigen
  • Kürzeres Kreditorenziel: Liquidität sinkt

Optimum: Debitorenziel möglichst kurz, Kreditorenziel möglichst lang (aber Skontovorteil beachten).

Vertiefung

Wie kann man Forderungen eintreiben?
  1. Zahlungserinnerung / Mahnung (1., 2., 3. Mahnung)
  2. Telefonisches Mahnwesen: Direkter Kontakt, Zahlungsvereinbarung
  3. Inkassounternehmen beauftragen
  4. Mahnbescheid (§§ 688 ff. ZPO): gerichtliches Mahnverfahren
  5. Klage vor dem zuständigen Gericht; ggf. einstweilige Verfügung
  6. Zwangsvollstreckung nach Erhalt des Vollstreckungstitels

Vertiefung

Was ist ein Forderungsmanagement?

Forderungsmanagement: Alle Maßnahmen zur Steuerung und Überwachung von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen mit dem Ziel, Ausfälle zu minimieren und die Zahlungseingänge zu beschleunigen.

Bestandteile:

  • Kreditwürdigkeitsprüfung neuer Kunden (Bonitätsauskunft)
  • Festlegung von Kreditlimits
  • Debitorenüberwachung (Fälligkeitslisten, Mahnwesen)
  • Berichterstattung über Forderungsrisiken
  • Wertberichtigungen (EWB/PWB)

Vertiefung

Wie können Forderungen optimiert werden?
  • Debitorenziel verkürzen: Skontoanreize für frühe Zahlung, kürzere Zahlungsziele verhandeln
  • Bonitätsprüfung: Nur an kreditwürdige Kunden auf Rechnung liefern
  • Factoring: Sofortige Umwandlung in Liquidität
  • Mahnwesen straffen: Automatisiertes, frühzeitiges Mahnwesen
  • Anzahlungen oder Vorkasse bei risikoreichen Kunden
  • Kreditversicherung: Ausfallrisiko absichern

Vertiefung

Welche Möglichkeiten gibt es, Forderungen zu schmälern?

Forderungen können aus verschiedenen Gründen gemindert werden:

  • Skonto: Käufer zieht vereinbarten Rabatt bei frühzeitiger Zahlung ab
  • Rabatte und Boni: Nachträglich gewährte Preisnachlässe
  • Gutschriften bei Retouren und Mängelrügen
  • Aufrechnung mit Gegenforderungen des Kunden (§ 387 BGB)
  • Wertberichtigungen (EWB/PWB): Buchhalterische Minderung bei Ausfallrisiko

Vertiefung

Warum sollte man Grundstücke nicht einfach verkaufen?
  • Stille Reserven: Buchwert oft weit unter Marktwert → Veräußerungsgewinn ist steuerpflichtig (ESt/KSt + GewSt), was die Liquiditätsgewinnung erheblich schmälert
  • § 6b EStG-Rücklage kann Steuer stunden, bindet aber an Reinvestition
  • Strategische Bedeutung: Betriebsgrundstücke sind oft schwer ersetzbar; Verlust des Eigentumsvorteils
  • Alternative: Sale and Lease Back (Liquidität freisetzen und weiter nutzen)
  • Grunderwerbsteuer: Bei späterem Rückkauf erneut fällig

Vertiefung

Was sind Frühindikatoren für eine Verschlechterung der Liquiditätssituation?
  • Zunehmende Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits; häufige Überziehungen
  • Verlängerung des Debitorenziels (Kunden zahlen langsamer)
  • Anstieg der Vorräte ohne Umsatzwachstum
  • Sinkende Umsatzerlöse bei gleichbleibenden Fixkosten
  • Häufige Mahnungen von Lieferanten; Nutzung von Skontomöglichkeiten sinkt
  • Steigende kurzfristige Verbindlichkeiten
  • Negativer Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit

Insolvenz

Vertiefung

Wann ist man insolvent?

Insolvenzgründe nach der Insolvenzordnung (InsO):

  • Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO): Das Unternehmen ist nicht in der Lage, fällige Zahlungspflichten zu erfüllen. Antragspflicht für Geschäftsführer/Vorstand.
  • Überschuldung (§ 19 InsO): Das Vermögen des Schuldners reicht nicht mehr aus, um die bestehenden Verbindlichkeiten zu decken – und es besteht keine positive Fortführungsprognose. Antragspflicht.
  • Drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO): Voraussichtliche Zahlungsunfähigkeit innerhalb der nächsten 24 Monate. Antragsrecht (kein Zwang).

Vertiefung

Was ist der Unterschied zwischen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit?
 Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO)Überschuldung (§ 19 InsO)
DefinitionFällige Verbindlichkeiten können nicht mehr bedient werdenVermögen < Verbindlichkeiten + keine positive Fortführungsprognose
MaßstabLiquidität (Zahlungsfähigkeit)Bilanziell (Vermögenssubstanz)
ZeitbezugAktuellBilanziell / zukunftsbezogen
Gilt fürAlle SchuldnerNur juristische Personen

Vertiefung

Gehört das Unternehmen zum Konzern und kann es überschuldet sein?

Ja – eine Konzernzugehörigkeit schützt nicht automatisch vor Insolvenz. Jede juristische Person (GmbH, AG) ist rechtlich eigenständig und muss ihren Insolvenzgrund selbst prüfen.

Relevanz der Konzernmutter: Eine harte Patronatserklärung der Muttergesellschaft (Verpflichtung zur Ausstattung mit Liquidität) kann die Überschuldung verneinen, wenn sie zu einer positiven Fortführungsprognose führt.

Ohne verbindliche Patronatserklärung: Auch konzernangehörige GmbH kann überschuldet sein → Antragspflicht des Geschäftsführers.

Vertiefung

Was ist bei Liquidität im Zusammenhang mit Insolvenz zu beachten?
  • Antragspflicht (§§ 15a InsO): Geschäftsführer/Vorstand müssen bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung unverzüglich, spätestens innerhalb von 3 Wochen Insolvenzantrag stellen
  • Insolvenzverschleppung: Wird der Antrag zu spät gestellt, drohen strafrechtliche Konsequenzen (§ 15a InsO) und persönliche Haftung
  • Zahlungen nach Insolvenzreife: Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife können als Insolvenzverschleppung haftbar machen (§ 64 GmbHG analog)

Cash Pool

Vertiefung

Was ist ein Cash Pool?

Cash Pooling: Konzerninternes Liquiditätsmanagementsystem, bei dem die Bankguthaben und -verbindlichkeiten mehrerer Konzerngesellschaften auf einem zentralen Konto (Masterkonto) der Muttergesellschaft oder einer Treasury-Gesellschaft zusammengeführt werden.

Ziel: Optimale Nutzung der konzernweiten Liquidität; Zinsvorteil durch Saldierung von Guthaben und Überziehungen innerhalb des Konzerns; Reduzierung externer Kreditkosten.

Vertiefung

Wie funktioniert Cash Pooling?

Zero Balancing (physisches Cash Pooling): Konten der Tochtergesellschaften werden täglich auf null gestellt; Guthaben fließen auf das Masterkonto, Überziehungen werden vom Masterkonto gedeckt. Tatsächliche Geldübertragung.

Notional Pooling (fiktives Cash Pooling): Keine physische Übertragung; Salden werden nur virtuell saldiert → Zinsen werden auf dem Nettosaldo berechnet.

Steuerlich: Zwischen Konzerngesellschaften müssen fremdübliche Zinsen verrechnet werden (Verrechnungspreise).

Outsourcing & Make or Buy

Vertiefung

Was ist Make or Buy?

Make or Buy: Entscheidung, ob eine Leistung selbst erstellt (Make) oder von einem externen Anbieter bezogen wird (Buy/Fremdbezug).

Entscheidungskriterien:

  • Kosten: Variable Selbstherstellungskosten vs. Fremdbezugspreis
  • Strategische Relevanz: Kernkompetenz oder Peripherieleistung?
  • Qualität und Liefersicherheit
  • Kapazitätsauslastung: Eigene Kapazitäten verfügbar?
  • Abhängigkeitsrisiken

Vertiefung

Welche Risiken gibt es bei Make or Buy?

Risiken Fremdbezug (Buy):

  • Abhängigkeit vom Lieferanten (Lieferstörung, Preiserhöhung)
  • Qualitätsverlust / eingeschränkte Kontrolle
  • Know-how-Abfluss an Dritte
  • Verlust von Kapazitäten bei Rückkehr zur Eigenproduktion

Risiken Eigenfertigung (Make):

  • Hohe Fixkosten bei schlechter Auslastung
  • Technologierisiko (Veralterung eigener Anlagen)
  • Kapital in Anlagen gebunden

Vertiefung

Was ist die kritische Menge bei Fremdbezug?

Die kritische Menge ist die Produktionsmenge, bei der die Gesamtkosten der Eigenfertigung und des Fremdbezugs identisch sind – der Indifferenzpunkt.

Formel:
Eigenfertigung: Fixkosten + (variable Stückkosten × Menge)
Fremdbezug: Fremdbezugspreis × Menge

Gleichsetzen und nach Menge auflösen:
Kritische Menge = Fixkosten / (Fremdbezugspreis – variable Stückkosten)

Unterhalb der kritischen Menge → Fremdbezug günstiger; darüber → Eigenfertigung günstiger.