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Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten - Ratingverfahren

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Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten

Ratingverfahren

Beim Ratingverfahren ermittelt die Bank mit mathematisch-statistischen Verfahren die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers und ordnet ihn einer Ratingklasse zu. Die Ratingklassen werden mit Ratingcodes bezeichnet, z. B. bei Standard & Poor’s von „AAA“ (höchste Bonität) über „BBB−“ (unterste Stufe des „Investment Grade“) bis „D“ (Ausfall); Moody’s verwendet „Aaa“ bis „C“ mit Zahlen als Feinabstufung (z. B. „Aa1“), Standard & Poor’s die Zeichen + und − (z. B. „AA+“). Banken arbeiten intern meist mit eigenen Skalen (z. B. Klassen 1 bis 25).

Bewertungskriterien

Quantitative Faktoren („harte“ Faktoren, aus dem Jahresabschluss)

Qualitative Faktoren („weiche“ Faktoren, oft im Bankgespräch erhoben)

Vermögenslage: Eigen­kapital­quote, Anlagen­deckungs­grade
Finanzlage: Liquiditäts­grade, Working Capital, Cashflow, dynamischer Verschuldungs­grad, Schulden­tilgungs­dauer
Ertragslage: Rentabilitäten, EBIT-Rate, Entwicklung der Umsatz­erlöse
Planzahlen (Plan-Bilanz, Plan-Gewinn- und Verlust­rechnung)

Qualität von Management und Strategie
Marktstellung, Wettbewerbsfähigkeit, Branchenrisiko
Abhängigkeit von einzelnen Kunden oder Lieferanten
Nachfolgeregelung
Qualität von Rechnungswesen, Controlling und Planung
Informationsverhalten und Kontoführung gegenüber der Bank

Die Gewichtung der Faktoren legt jede Bank selbst fest. Hinzu kommen in der Regel Warnsignale aus der laufenden Kontoführung (z. B. Überziehungen, Rücklastschriften), die das Rating unabhängig von den Jahresabschlusszahlen verschlechtern können.

Merke

Ein Rating ist nie nur eine Kennzahlenrechnung. Qualitative Faktoren fließen immer ein und können ein gutes Kennzahlenbild deutlich abwerten (z. B. ungeklärte Nachfolge).