ZU DEN KURSEN!

Bilanz nach Handelsrecht - Andere langfristige Rückstellungen

Kursangebot | Bilanz nach Handelsrecht | Andere langfristige Rückstellungen

Bilanz nach Handelsrecht

Andere langfristige Rückstellungen

Rückstellungen müssen mit dem "nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrag" angesetzt werden. Dies heißt, dass langfristige Rückstellungen abgezinst werden müssen (§ 253 II 1 HGB).

Man beachte, dass bzgl. der Fristigkeit ein ganz kleiner Unterschied zwischen dem Handels- und dem Steuerrecht besteht, nämlich (§ 253 II 2 HGB, § 6 I Nr. 3a. Buchst. e) S. 1 iVm Nr. 3 S.2 EStG).

- Handelsrecht, kurzfristige Rückstellungen (die nicht abgezinst werden): Restlaufzeit höchstens ein Jahr

- Handelsrecht, langfristige Rückstellungen (die abgezinst werden): Restlaufzeit echt mehr als ein Jahr

- Steuerrecht, kurzfristige Rückstellungen (die nicht abgezinst werden): Restlaufzeit echt kürzer als ein Jahr

- Steuerrecht, langfristige Rückstellungen (die abgezinst werden): Restlaufzeit mindestens ein Jahr.

Der Unterschied besteht also bei Rückstellungen, die eine Restlaufzeit von exakt einem Jahr haben. Diese werden steuerrechtlich abgezinst, handelsrechtlich aber nicht.

Hierbei ist der Marktzinssatz der letzten zehn Geschäftsjahre anzuwenden (§ 253 II 2 HGB). Dieser wird von der Bundesbank ermittelt und monatlich bekanntgegeben.

Beispiel

Die X-AG erhält am 31.12.2015 die behördliche Genehmigung, auf einem Grundstück Kohle abzubauen. Hierfür muss der Boden ausgehoben werden. Die Genehmigung enthält insbesondere auch die Verpflichtung zur Rekultivierung. Die derzeitige Schätzung geht von 120.000 € aus, die hierfür am Ende des Jahres 2020 anfallen werden. Die Kosten sind bisher nachweislich um 3 % gestiegen. Der von der Bundesbank bekanntgegebene Zinssatz der letzten zehn Jahre liegt schließlich bei 5,5 %.

Berechne die Höhe der Rückstellungen der Jahre 2015 und 2016.

Zunächst zinsen wir die Verpflichtung fünf Jahre lang auf. Bei einer Kostensteigerung von jährlich 3 % müsste man in fünf Jahren 120.000·1,035 = 139.112,89 € bezahlen. Wir rechnen daher mit einer Belastung pro Jahr in Höhe von 139.112,89/5 = 27.822,58 €. Am Ende des Jahres 2015 bilden wir daher nominell (!) eine Rückstellung von 27.822,58 €. Ihr Barwert hingegen beträgt 27.822,58/1,0554 = 27.822,58·1,055-4= 22.458,85 €. Ende des Jahres 2016 ist die Rückstellung mit nominell 2·27.822,58 = 55.645,16 € zu bewerten, der Barwert beläuft sich auf 55.645,16/1,0553 = 55.645,16·1,055-3 = 47.388,18 €. Also erfolgt eine Zubuchung der Rückstellung in Höhe von

Erhöhung Rückstellung = Barwert2016 - Barwert2015

= 47.388,18 – 22.458,85

= 24.929,33 €.

Der Buchungssatz hierzu lautet

Zinsen und ähnliche Aufwendungen an sonstige Rückstellungen 24.929,33

Beispiel

Für die Zahlen aus dem vorherigen Beispiel  berechne man die restlichen Rückstellungen.

Man erhält

Jahr

Berechnung

Zubuchung

Rückstellung

2015

27.822,58/1,0554

22458,85

22458,85

2016

(2·27.822,58)/1,0553

24929,33

47388,18

2017

(3·27.822,58)/1,0552

27603,61

74991,79

2018

(4·27.822,58)/1,055

30496,67

105488,46

2019

5·27.822,58

33624,43

139112,89 (=120.000·1,035)

Entwicklung langfristiger Rückstellungen