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Finanzwirtschaftliches Management - Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten

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Finanzwirtschaftliches Management

Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten

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Die Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten wird oftmals auch als Finanzierung aus Abschreibungen bezeichnet. Dies ist jedoch ungenau, weil es entscheidend darauf ankommt, dass die Abschreibungen im Umsatzprozess verdient werden und also liquiditätsmäßig in die Unternehmen wieder hinein fließen. Erst dadurch kommt es zu einem Finanzierungseffekt.

Wir besprechen die Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten (= Lohmann-Ruchti-Effekt = Marx-Engels-Effekt) an einem Beispiel.

Beispiel

Die X-AG kauft am Anfang des Jahres 2006 vier Maschinen zum Wert von jeweils 4.000 €, nutzt diese über vier Jahre und schreibt sie linear ab.

Die Zugänge der ersten Periode liegen bei vier Maschinen (siehe Spalte „Zugänge” in Tab. 14), Abgänge erfolgen keine (siehe Spalte „Abgänge”), der Bestand liegt bei vier Maschinen (siehe Spalte „Bestand” in Tab. 14). Für die Abschreibungen muss zunächst der Abschreibungsplan für jede einzelne Maschine aufgestellt werden (s. Tab. 13). Dieser ist

Zeit Abschreibung Restbuchwert
1 1.000 3.000
2 1.000 2.000
3 1.000 1.000
4 1.000

0

Tab. 13: Abschreibungsplan pro Maschine

Jede Maschine wird also pro Jahr mit 1.000 € abgeschrieben. Dies führt auf 4.000 € Abschreibung für den gesamten Maschinenpark im ersten Jahr. Wenn diese Abschreibungen von 4.000 € (siehe Spalte „Abschreibungen”) (s. Tab. 14) - die Aufwendungen sind - als Kosten in die Verkaufspreise weiterverrechnet werden und diese über die Umsatzerlöse wieder zurückfließen, so stehen der Unternehmung am Ende der Periode 1 dann wieder 4.000 € zur Verfügung, die in eine neue Maschine investiert werden können (siehe Spalte „Gesamtabschreibung inkl. Rest) (s. Tab. 14).

Entscheidend ist also hier, dass die Aufwendung verdient werden muss. Aus einem anfänglich lediglich buchhalterischen Vorgang muss also zusätzlich ein finanzwirtschaftlicher Vorgang werden, damit es zu einem Finanzierungseffekt kommt.

Es kommt also zum Kauf einer neuen Maschine (siehe Spalte „Kauf neuer Maschinen”). Das „Konto”, aus welchem der Zukauf gespeist wird, liefert mit 4.000 € gerade die Möglichkeit, eine einzige Maschine neu hinzuzukaufen, es bleibt daher ein Rest von 0 € übrig (siehe Spalte „Rest” in Tab. 14).

Man unterscheidet nun die beiden Begriffe

  • Periodenkapazität und

  • Totalkapazität.

Die Periodenkapazität berechnet, wieviel Kapazität der Maschinenpark in der jeweiligen Periode abgibt.

Merke

Wenn die Periodenkapazität in € gerechnet wird, so ist sie stets gleich der jeweiligen Periodenabschreibung. Sollte die Periodenkapazität in Leistungseinheiten kalkuliert werden, so unterscheidet sie sich von der Spalte der Abschreibungen, welche gemeinhin in Geldeinheiten gemessen werden.

In der abgelaufenen (ersten) Periode wurde der Maschinenpark mit 4.000 € verbraucht, daher die Periodenkapazität (s. Tab. 14).

Die Totalkapazität gibt an, wie sehr der Maschinenpark insgesamt noch gebraucht werden kann (inkl. der laufenden Periode). Da vier Maschinen mit Anschaffungskosten von jeweils 4.000 € im Bestand sind, liefern diese eine Totalkapazität von 4·4.000 = 16.000 €.

In der zweiten Periode werden ähnliche Überlegungen angestellt. Der Zugang einer Maschine resultiert aus dem Kauf am Ende der ersten Periode. Abgänge erfolgen keine, da sich die Maschinen noch in ihrer regulären Nutzungsdauer befinden. Der Bestand liegt folglich bei 4+1 = 5 Maschinen. Da jede Maschine in jeder Periode mit 1.000 € abgeschrieben wird, lautet die Gesamtabschreibung des Maschinenparks in der zweiten Periode 5.000 €.

Richtig spannend (weil sehr aufwändig) wird eine Aufgabe zum Lohmann-Ruchti-Effekt also dann, wenn keine lineare Abschreibung vorliegt, mithin dieselbe Maschine in unterschiedlichen Perioden unterschiedlich abgeschrieben wird (z.B. degressiv).

Die Gesamtabschreibung inkl. Rest errechnet sich stets als Abschreibung der aktuellen Periode zzgl. dem Rest aus der Vorperiode.

Man rechnet also mit 5.000 (Abschreibung aus t = 2) + 0 (Rest aus t = 1) = 5.000 € Gesamtabschreibung inkl. Rest in t = 2. Aus diesem „Konto” lässt sich der Kauf einer neuen Maschine speisen, darüber hinaus bleiben 1.000 € übrig. Die Totalkapazität in t = 2 liegt bei 4·3.000 + 1·4.000 = 16.000 €.

Merke

Man beachte also bei der Totalkapazität die unterschiedliche Laufzeit der unterschiedlich alten Maschinen (s. Tab. 14).

So ist z.B. die Totalkapazität in t = 3 dann 4·2.000 + 1·3.000 + 1·4.000 = 15.000 €. Die ganz alten Maschinen aus der ersten Periode leben noch vier Jahre, jene aus der zweiten Periode lebt noch drei Perioden, die neueste aus der dritten Periode hat noch vier Perioden Laufzeit. Man muss daher Maschine für Maschine einzeln betrachten. Am Ende von Periode 4 sind die vier Maschinen, die am Anfang schon im Bestand waren, komplett abgeschrieben, sie scheiden in t = 5 aus dem Bestand aus (Spalte „Abgang” in t = 5). Die Totalkapazität liegt am Ende von t = 4 bei 4·1.000 + 1·2.000 + 1·3.000 + 1·4.000 = 13.000 €. Insgesamt erhält man

Zeit

Maschinen

alle Angaben in €

Kapazitäten (€)

Zeit

Zugang

Abgang

Bestand

Abschr. der Periode

Gesamtabschr. inkl. Rest

Kauf neuer Maschinen

Rest

Periodenkapaz.

Totalkapazität

1

4

-

4

4.000

4.000

4.000

0

4.000

16.000

2

1

-

5

5.000

5.000

4.000

1.000

5.000

16.000

3

1

-

6

6.000

7.000

4.000

3.000

6.000

15.000

4

1

-

7

7.000

10.000

8.000

2.000

7.000

13.000

5

2

4

5

5.000

7.000

4.000

3.000

5.000

14.000

6

1

1

5

5.000

8.000

8.000

0

5.000

13.000

7

2

1

6

6.000

6.000

4.000

2.000

6.000

16.000

Tab. 14: Kapitalfreisetzungs- und Kapazitätserweiterungseffekt

Interessant ist also, dass durch einfache Buchungsvorgänge und hierdurch ausgelöste Anstrengungen die Aufwendungen in die Verkaufspreise hinzukalkulieren, man den Maschinenpark über die anfänglichen vier Maschinen stark erweitern kann. Es kommt zum sog. Kapazitätserweiterungseffekt.

Video: Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten