Beim Dokumenteninkasso handelt es sich um eine Form der Zahlungssicherung im Außenhandel. Der Exporteur versendet die Ware und beauftragt seine Bank, die Versanddokumente dem Importeur nur unter einer bestimmten Bedingung aushändigen zu lassen. Dem Importeur werden die Dokumente ausgehändigt, wenn eine der folgenden Bedingungen zutrifft:
Der Importeur bezahlt den Gegenwert,
er akzeptiert einen Wechsel oder er gibt ein Zahlungsversprechen ab.
Man spricht von Dokumente gegen Zahlung (documents against payment, D/P) und Dokumente gegen Akzept (documents against acceptance, D/A). Enthält der Inkassoauftrag einen später fälligen Wechsel, aber keine Weisung, ob D/P oder D/A gilt, werden die Dokumente nur gegen Zahlung ausgehändigt (Art. 7 ERI 522). Die Banken prüfen die Dokumente nicht inhaltlich und geben kein Zahlungsversprechen ab.
Vorteil der ersten Variante (D/P) für den Exporteur ist, dass der Importeur die Ware erst erhält, wenn er gezahlt hat. Der Inkassoauftrag enthält hierbei die Anweisung, bei Aushändigung der Dokumente die Zahlung des Gegenwertes zu fordern. Die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit bis zum Fälligkeitstag existiert hingegen bei der zweiten Variante (D/A). Diese Gefahr kann eingedämmt werden, wenn das Kreditinstitut des Importeurs z. B. durch einen Aval auf einen Wechsel eine Garantie zur Einlösung des Inkassos gewährt.
Merke
Vor der Bezahlung darf der Bezogene die Ware nicht besichtigen oder prüfen. Er kann aber die Dokumente bei der vorlegenden Bank einsehen.
Beteiligte und Ablauf
Beteiligt sind der Exporteur (Auftraggeber), seine Bank (Einreicherbank), die Bank des Importeurs (vorlegende Bank bzw. Inkassobank) und der Importeur (Bezogener). Bei Zahlung via Dokumenteninkasso (Dokumente gegen Zahlung) kommt es in der Regel zu folgenden Schritten:
Kaufvertrag zwischen Exporteur und Importeur mit der Zahlungsbedingung „Dokumente gegen Zahlung“,
der Exporteur versendet die Ware und erhält dafür die Versanddokumente,
der Exporteur (= Auftraggeber) übergibt Inkassoauftrag und Dokumente seiner Bank (= Einreicherbank); zwischen beiden besteht ein Geschäftsbesorgungsvertrag,
die Einreicherbank leitet Inkassoauftrag und Dokumente an die Bank des Importeurs (= vorlegende Bank) weiter,
die vorlegende Bank legt dem Importeur (= Bezogener) die Dokumente vor,
der Importeur zahlt; die vorlegende Bank belastet sein Konto (Einlösungsauftrag) und händigt ihm die Dokumente aus, mit denen er die Ware übernehmen kann,
die vorlegende Bank überweist den Gegenwert an die Einreicherbank,
die Einreicherbank schreibt dem Exporteur den Betrag gut.
Risiken
Das Hauptrisiko des Exporteurs ist, dass der Importeur die Dokumente nicht aufnimmt: Die Ware lagert dann im Ausland und muss zurückgeholt oder anderweitig verkauft werden. Bei D/A trägt er zusätzlich das Risiko, dass der Importeur den akzeptierten Wechsel bei Fälligkeit nicht einlöst. Der Importeur dagegen muss zahlen, ohne die Ware vorher prüfen zu können. Das Dokumenteninkasso eignet sich daher vor allem, wenn die Geschäftspartner einander vertrauen und das Importland politisch und wirtschaftlich stabil ist.
Vergleich mit dem Dokumentenakkreditiv
| Dokumenteninkasso | Dokumentenakkreditiv | |
|---|---|---|
| Auftraggeber | Exporteur | Importeur |
| Zahlungsversprechen einer Bank | nein | ja (eröffnende Bank, bei Bestätigung zusätzlich bestätigende Bank) |
| Prüfung der Dokumente durch die Banken | nur, ob die aufgeführten Dokumente vorliegen | genaue Prüfung, ob die Dokumente akkreditivgerecht sind |
| Sicherheit für den Exporteur | mittel: Ware wird nur gegen Zahlung oder Akzept freigegeben, aber Risiko der Nichtaufnahme | hoch: Zahlung bei akkreditivgerechten Dokumenten |
| Regelwerk | ERI 522 | ERA 600 |
| Kosten und Aufwand | geringer | höher (Eröffnung, ggf. Bestätigung, Belastung der Kreditlinie des Importeurs) |
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