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Bilanz nach Handelsrecht - Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten

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Bilanz nach Handelsrecht

Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten

Bei Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten spricht mehr dafür als dagegen, dass es im folgenden Geschäftsjahr zu einer Auszahlung kommen wird. Nach dem Imparitätsprinzip, nach dem Verluste zu antizipieren sind (Gewinne jedoch nach dem Realisationsprinzip nicht) müssen diese Auszahlungen der Zukunft heute bereits als Verlust geltend gemacht werden. Beispiele für Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten sind:

Das oben erwähnte Beispiel des Kunden, der die Unternehmung wegen des Schadens verklagt, zeigt sehr gut die Essenz von Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten und Rückstellungen im Allgemeinen, nämlich die Vorwegnahme (= Antizipation) von Verlusten. Obwohl der Prozess

  • erst in der Zukunft, also im Jahre 2016 beendet sein wird,

  • der Verlust wahrscheinlich, aber nicht sicher ist,

ist der Verlust nicht erst in 2016 zu buchen, sondern schon heute, also in 2015, weil der wirtschaftliche Grund, d.h. das Entstehen des Grundes für die wahrscheinliche Auszahlung der Zukunft in der heutigen Periode liegt, nämlich der Schadensfall des Kunden. Der Buchungssatz lautet deswegen auch folgendermaßen:

Aufwand für Prozessrückstellungen an Prozessrückstellungen

Der Verlust wird also heute bereits angesetzt (Aufwandsbuchung), es entsteht eine Schuld auf der Passivseite der Bilanz in Form der Rückstellung. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, wie mit dieser Rückstellung im Jahr 2016 umgegangen wird:

  • der Prozess wird tatsächlich, wie erwartet, verloren,

  • der Prozess wird völlig überraschend gewonnen.

Im ersten Fall ist „lediglich” noch die Auszahlung zu buchen, aber nicht mehr der Verlust, denn dieser wurde bereits in 2015 durch die Bildung der Rückstellung verbucht. Der Buchungssatz lautet

Prozessrückstellungen an Bank

Die Rückstellungen sind also auszubuchen und die Kasse wird weniger. Es handelt sich im Jahre 2016 um eine Bilanzverminderung, da ein Aktivkonto (die Bank) und ein Passivkonto (die Rückstellung) sinken. Erfolgsmäßig passiert in 2016 nichts mehr.

Im zweiten Fall, dass nämlich der Prozess unvorhergesehenerweise gewonnen wird, muss der Verlust, der in 2015 gebucht wurde, nun durch einen Ertrag rückgängig gemacht werden. Durch die Aufwandsbuchung in 2015 und die Ertragsbuchung in 2016 gleichen sich Gewinne und Verluste über die Jahre hinweg gesehen aus, man erhält also über die Zeit hinweg eine Erfolgsneutralisierung. Der Buchungssatz lautet

Prozessrückstellungen an außerordentliche Erträge

Eine weitere Position der Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten bilden die Rückstellungen für Gewährleistungen, die mit rechtlicher Verpflichtung erbracht werden.

Beispiel

Die Elektrik-AG aus Mainz stellt Fernsehapparate her. Auf die Fernsehapparate räumt sie eine Garantiefrist von einem Jahr ein, und rechnet mit Ansprüchen der Kundschaft in Höhe von 1 Million €.

Die Elektrik-AG muss also Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten (genauer gesagt, für Gewährleistungen mit rechtlicher Verpflichtung) in Höhe von 1 Million € bilden. Da Auszahlungen in der Zukunft in genau dieser Höhe zu erwarten sind, muss der Verlust heute bereits antizipiert werden, denn der wirtschaftliche Grund für die Auszahlungen der Zukunft ist heute bereits entstanden durch die Produktion der Fernsehapparate, muss heute also bereits angesetzt werden.