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Finanzwirtschaftliches Management - Wandelschuldverschreibungen

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Finanzwirtschaftliches Management

Wandelschuldverschreibungen

Der Käufer einer Wandelschuldverschreibung (= Wandelanleihe = Wandelobligation) gibt dem Erwerber der Anleihe einen Kredit. Die Wandelschuldschuldverschreibung ist also zunächst lediglich Fremdkapital. Der Wandelobligationär hat innerhalb einer bestimmten Wandlungsfrist das Recht (aber nicht die Pflicht), die Anleihe in eine bestimmte Anzahl von Aktien (die durch das Wandlungsverhältnis festgelegt sind) umzuwandeln. Die Wandelschuldverschreibung wird von Fremdkapital in Eigenkapital umgetauscht, also gewandelt. Es ist daher hinterher etwas anderes da als vorher.

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenFritz Kuhn erwirbt sechs Wandelanleihen der X-AG im Wert von 100 €, Laufzeit drei Jahre. Der Nominalzins liegt bei je vier Prozent. Er hat das Recht, im Wandlungsverhältnis von 2:1 Aktien der X-AG bei einer Zuzahlung von 30 € pro Aktie zu erwerben.

Fritz Kuhn stellt der X-AG also 6·100 = 600 € Fremdkapital zur Verfügung. Solange er die Wandelanleihen besitzt, erhält er 0,04 · 600 = 24 € Zinsertrag pro Jahr. Er kann mit sechs Wandelanleihen 6:2 = 3 Aktien der X-AG zu 30 € pro Aktie kauften, muss also insgesamt, wenn er alle Wandelschuldverschreibungen wandelt, dreimal 30 = 90 € für den Aktienerwerb bezahlen. Im Moment der Wandlung würde aus Sicht der X-AG aus Fremdkapital dann Eigenkapital.

Es ist für den Schuldner attraktiv, Wandelschuldverschreibungen zu emittieren, wenn

  • der Kapitalmarktzins derzeit hoch ist bzw. wenn

  • die Aktien des Unternehmens wegen geringer Erträge derzeit niedrig bewertet werden.

Zur Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen ist eine bedingte Kapitalerhöhung notwendig. Hierfür muss ein Hauptversammlungsbeschluss mit mindestens drei Viertel mehr erfolgen. Die Altaktionäre haben genauso wie auf junge Aktien ein Bezugsrecht auf die Wandelschuldverschreibungen.

Merke

Hier klicken zum AusklappenEs ist deswegen eine bedingte Kapitalerhöhung notwendig, weil für den Fall, dass der Gläubiger einer Wandelanleihe von seinem Umtauschrecht Gebrauch macht, eine neu zu emittierende Aktie existieren muss.

Die bedingte Kapitalerhöhung wird nur soweit durchgeführt, wie von einem Umtausch- oder Bezugsrecht Gebrauch gemacht wird, das die Gesellschaft auf die neuen Aktien (Bezugsaktien) einräumt (§ 192 I AktG).

Den Nennbetrag der bedingten Kapitalerhöhung darf dabei die Hälfte des Grundkapitals nicht übersteigen (§ 192 III AktG).

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenEine Wandelschuldverschreibung kann im Verhältnis 3:1 in eine Aktie der Z-AG umgetauscht werden, die Zuzahlung beträgt 8 €. Der Kurs dieser Aktie liegt derzeit bei 45 €. Der aktuelle Kurs der Wandelanleihe liegt bei 12 €.

Sollte der Inhaber der Wandelschuldverschreibung von seinem Wandlungsrecht Gebrauch machen oder nicht? Wo liegt eine erste, wo eine zweite Preisuntergrenze?

Der Inhaber hat zwei Möglichkeiten, nämlich wandeln bzw. nicht wandeln.

Wenn er wandelt, so gibt er drei Wandelschuldverschreibungen hin und zusätzlich 8 €. Er erhält eine Aktie, die bei 45 € notiert. Wenn er nicht wandelt, so hat er drei Wandelanleihen, die jeweils 12 € wert sind, er hat also einen Vermögenswert von 3·12 = 36 €. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass er die Zuzahlung von 8 € nicht bezahlen muss, so kommt er auf 44 €. Die Wandlung liefert also einen Vermögensvorteil von 1 €, mithin sollte der Wandelobligationär von seinem Wandlungsrecht Gebrauch machen.

Rechnen wir ein weiteres

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenDie Trulla - AG benötigt dringend 5 Mio. € zur Anschaffung einer Maschine. Hierfür emittiert sie 40.000 Wandelschuldverschreibungen als Teilschuldverschreibung mit einem Nennwert von jeweils 100 €. Der Nominalzins wird auf 8 % festgelegt. Die Rückzahlung erfolgt zum Nennwert, die Laufzeit liegt bei zehn Jahren. Zwei Wandelschuldverschreibungen berechtigen zum Kauf einer Aktie im Nennwert von 50 €. Die Zuzahlung bei Umwandlung liegt bei 20 €.

a) Welches Agio weist die Wandelschuldverschreibung auf?

b) Welche bilanziellen Konsequenzen resultieren, wenn 15.000 Wandelschuldverschreibungen gegen Aktien eingetauscht werden?

a) Zunächst zum Agio: Wenn die Unternehmung 40.000 Wandelschuldverschreibungen zum Nennwert von 100 € verkauft, erhält sie nur 4 000.000 €. Um auf 5 000.000 € zu kommen, muss der Preis für eine Wandelschuldverschreibung offenbar 125 € betragen, das Agio also 25 €.

b) 15.000 Wandelschuldverschreibungen ergeben 7.500 Aktien zu 50 € Nennwert.

Damit gilt für die Kasse: 7.500 Aktien à 20 € pro Aktie an Zuzahlung ergeben eine Erhöhung um 150.000 €.

Das Fremdkapital sinkt um 15.000·100 € = 1 500.000 €. Man beachte, dass die Verbindlichkeit natürlich zum Rückzahlungskurs, also zum Nennwert gebucht wird.

Gezeichnetes Kapital: 7.500 Aktien zum Nennwert von 50 € ergeben eine Änderung des Gezeichneten Kapitals in Höhe von 375.000 €.