ZU DEN KURSEN!

Finanzmanagement - Selbstfinanzierung

Kursangebot | Finanzmanagement | Selbstfinanzierung

Finanzmanagement

Selbstfinanzierung

Die SelbstFinanzierung wiederum existiert als:

  • offene Selbstfinanzierung und als

  • stille Selbstfinanzierung.

Eine offene Selbstfinanzierung ist aus der Bilanz ersichtlich, da sie aus dem Jahresüberschuss (Gewinn) erfolgt, welcher in der Bilanz und der Gewinn- Verlustrechnung ausgewiesen ist. Eine stille Selbstfinanzierung ist nicht aus der Bilanz ersichtlich, sie erfolgt durch Einbehaltung von nicht ausgewiesenem Gewinn. Teil der stillen Selbstfinanzierung ist eine Unterbewertung der Aktiva bzw. eine Überbewertung von Passiva, also stille Reserven. Sie gehören zu den größten finanzpolitischen Maßnahmen. Da stille Reserven erst bei ihrer Auflösung der Ertragbesteuerung unterliegen, erfolgt die stille Selbstfinanzierung aus noch unversteuerten Gewinnen. Eine offene Selbstfinanzierung hingegen erfolgt aus versteuerten Gewinnen. Für die Finanzierung steht also nur der Betrag nach der Versteuerung zur Verfügung. Voraussetzungen der Selbstfinanzierung sind, dass

  • liquide Mittel fließen (nämlich aus dem Umsatzprozess) und

  • dass dem kein auszahlungswirksamer Aufwand gegenübersteht.

Die stille Selbstfinanzierung besitzt gegenüber der offenen Selbstfinanzierung die beiden Vorteile der

  • Steuerstundung und des

  • Liquiditätseffekts.

Bei der Steuerstundung für das Unternehmen geht es darum, dass Steuerzahlungen in spätere Perioden verlagert werden. Wenn ein Vermögensgegenstand unterbewertet ist, so tritt die stille Reserve, welche hierdurch gelegt wird, dann zutage, wenn der Vermögensgegenstand verkauft wird. Bei Verkauf des unterbewerteten Vermögensgegenstandes wird also die stille Reserve offensichtlich und dann versteuert (wenn man von der Möglichkeit der Rücklagenbildung nach § 6b EStG absieht).

Auf den Punkt gebracht, handelt es sich bei der stillen Selbstfinanzierung um nicht ausgewiesene und einbehaltene Gewinne, welche der Ertragbesteuerung unterliegen (Einkommensteuer bei natürlichen Personen, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer bei Kapitalgesellschaften). Bei der offenen Selbstfinanzierung hingegen steigt der Periodenaufwand und sinkt dadurch der zu versteuernde Gewinn.


Der Liquiditätseffekt bei der stillen Selbstfinanzierung tritt deswegen zutage, weil zunächst keine Steuerzahlungen zu leisten sind, aber eine Liquiditätsbelastung bei der Nachversteuerung auftritt (bei der Realisierung der stillen Reserven). Die Vorteile der Selbstfinanzierung liegen in folgenden Punkten:

  • für Unternehmen, welche keine Möglichkeit der Außenfinanzierung haben, zum Beispiel weil sie über keine ausreichenden Sicherheiten verfügen, oder der Geldmarkt nicht ausreichend leistungsfähig ist, ist die Selbstfinanzierung die einzige Möglichkeit,

  • möglicherweise existieren keine zusätzlichen Kreditgeber oder Eigentümer, welche zur Finanzierung zur Verfügung stehen.

Die Unternehmung ist dann unabhängig von neuen Gesellschaftern und Kapitalgebern im Falle der Selbstfinanzierung. Darüber hinaus tritt bei der Selbstfinanzierung keine Verschiebung der Herrschaftsverhältnisse ein, wie dies bei der Beteiligungsfinanzierung passiert.

Eine Ausnahme hiervon existiert bei Personengesellschaften, denn es erfolgt eine prozentual ungleiche Gewinnentnahme durch die Gesellschafter. Darüber hinaus führt eine Selbstfinanzierung nicht zu Zinsaufwendungen, außerdem unterliegt die Selbstfinanzierung keiner Zweckbindung. Die Ertragslage verbessert sich dadurch. Darüber hinaus ist das Kapital bei der Selbstfinanzierung nicht terminiert, es sind keine Sicherheitsleistungen zu erbringen, die Selbstfinanzierung stärkt die Eigenkapitalbasis. Schließlich ist der bereits erwähnte Steuerstundungsvorteil bei der Selbstfinanzierung zu nennen. Die Selbstfinanzierung hat jedoch auch Nachteile. So sind zum Beispiel Sparer und Investor bei der Selbstfinanzierung identisch, Finanzmittel gelangen dadurch nicht auf den Kapitalmarkt, wodurch das Kapitalmarktvolumen deutlich sinkt. Darüber hinaus sind die Mittel zur Selbstfinanzierung nicht der regulierenden Wirkung des Kapitalmarktzinses unterworfen. Die Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes sinkt dadurch ab, denn Mittel zur Selbstfinanzierung finden auch für weniger ertragreiche Investitionen ihre Verwendung. Schließlich begünstigt eine Selbstfinanzierung sog. Fehlinvestitionen, denn Zinszahlungen und Tilgungszahlungen sind nicht vorhanden, es können also keine ausreichenden Rentabilitätsprüfungen durchgeführt werden. Im Rahmen einer Bilanzverschleierung zur Selbstfinanzierung kommt es zur Bildung stiller Reserven, die Aussagekraft für externe Informanten sinkt dadurch teilweise erheblich ab.