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Hinweis

Hinweis zum Video: Abschreibungen sind nicht zahlungswirksam und gehören nicht in den Liquiditätsplan. Dort erscheint nur die Auszahlung für die Anschaffung der Anlage zum Zahlungszeitpunkt.

Einordnung der Finanzplanung

Die Finanzplanung ist Teil der Unternehmensplanung. Sie baut auf den betrieblichen Teilplänen auf (z. B. Absatz-, Produktions-, Beschaffungs-, Personal- und Investitionsplan) und übersetzt deren Mengen und Werte in Zahlungen. Ihr Ziel ist es, die jederzeitige Zahlungsfähigkeit zu sichern und den Kapitalbedarf rechtzeitig und möglichst kostengünstig zu decken.

Die langfristige (strategische) Finanzplanung legt fest, wie viel Kapital das Unternehmen über mehrere Jahre benötigt und wie es beschafft wird (Kapitalbedarfsplanung). Die mittelfristige Planung umfasst etwa ein bis drei Jahre. Die kurzfristige (operative) Finanzplanung – der Liquiditätsplan – stellt Monat für Monat oder Woche für Woche die erwarteten Ein- und Auszahlungen gegenüber und sichert die Zahlungsfähigkeit. In den Plan gehören nur zahlungswirksame Vorgänge, z. B. auch die Umsatzsteuer-Zahllast und Steuervorauszahlungen zum Zeitpunkt ihrer Zahlung.

Planungsart

Zeitraum

Gliederung

Zweck

kurzfristig (operativ)

bis zu einem Jahr

Tage, Wochen, Monate

Zahlungsfähigkeit sichern (Liquiditätsplan)

mittelfristig

etwa ein bis drei Jahre

Quartale, Jahre

Finanzierung von Investitionen und Projekten abstimmen

langfristig (strategisch)

mehrere Jahre

Jahre

Kapitalbedarf und Kapitalstruktur festlegen

Grundbegriffe

Eine Einzahlung ist eine Zunahme an liquiden Mitteln, eine Abnahme dementsprechend eine Auszahlung. Der Bestand an liquiden Mitteln wird Zahlungsmittelbestand genannt. Er umfasst die Kassenbestände und die Bankguthaben. Zusammen mit nicht ausgeschöpften Kreditlinien ergibt sich die verfügbare Liquiditätsreserve.

Merke

Einzahlungen und Einnahmen bzw. Auszahlungen und Ausgaben sind nicht dasselbe.

Ein Verkauf auf Ziel ist eine Einnahme (Forderungszugang), aber noch keine Einzahlung. Eine Kreditaufnahme ist eine Einzahlung, aber keine Einnahme. In den Finanz- und Liquiditätsplan gehören nur Ein- und Auszahlungen.

Kapitalbedarf

In den folgenden drei Videos schauen wir uns den Kapitalbedarf als Teil der Finanzplanung an.

Zunächst geht es um das Anlagevermögen.

An dieser Stelle noch einmal die Abbildung aus dem Video zum Kapitalbedarf.

Bitte Beschreibung eingeben

 

Im zweiten Video geht es um das Umlaufvermögen.

 Im letzten Video schauen wir uns eine Berechnung dazu an.

Hinweis

Hinweis zum Video: Zur Kontrolle der Gesamtsumme: Der Kapitalbedarf für das Umlaufvermögen beträgt 4.900 € × 44 + 1.323 € × 74 + 4.000 € × 42 + 8.000 € × 47 + 4.074 € × 84 = 1.199.718 €.

Merke

Kapitalbedarf (kumulative Methode):

Kapitalbedarf je Kostenart = (Kapitalbindungsdauer − Lieferantenzahlungsziel) × Ø ausgabewirksame Kosten pro Tag

Das Lieferantenzahlungsziel wird nur beim Fertigungsmaterial abgezogen. Nur auszahlungswirksame Kosten zählen (Abschreibungen nicht). Der eiserne Bestand wird wie Anlagevermögen dem langfristigen Kapitalbedarf zugerechnet. Ist eine Umschlagshäufigkeit gegeben, gilt: Lagerdauer = 360/Umschlagshäufigkeit.

Beispiel

Ein Unternehmen verbraucht täglich Fertigungsmaterial für 2.000 € und zahlt täglich Fertigungslöhne von 3.000 €. Das Rohstofflager wird 24-mal im Jahr umgeschlagen. Die Fertigung dauert 10 Tage, die Fertigerzeugnisse lagern 5 Tage, die Kunden zahlen nach 30 Tagen, die Lieferanten gewähren ein Zahlungsziel von 20 Tagen.

Lagerdauer Rohstoffe = 360/24 = 15 Tage

Fertigungsmaterial: (15 + 10 + 5 + 30 − 20) Tage × 2.000 € = 40 Tage × 2.000 € = 80.000 €
Fertigungslöhne: (10 + 5 + 30) Tage × 3.000 € = 45 Tage × 3.000 € = 135.000 €

Der Kapitalbedarf für das Umlaufvermögen beträgt für diese beiden Kostenarten 215.000 €.

Bei Unternehmensgründungen ist außerdem zu berücksichtigen, dass in der Anlaufphase die Einzahlungen die laufenden Auszahlungen häufig noch nicht decken. Ein solcher Anlaufverlust erhöht den Kapitalbedarf.

Aufstellen eines Finanzplans

Bei der Finanz- und Liquiditätsplanung werden die Einzahlungen und Auszahlungen des Unternehmens aufgelistet und in ihre Funktionsbereiche unterteilt. In diesem Finanzplan müssen alle Daten der Zahlungsströme lückenlos und zeitlich genau dokumentiert werden. So lässt sich für jeden Zeitpunkt ermitteln, ob die Einzahlungen die Auszahlungen decken.

Teilplan

Periode 1

Periode 2

Periode 3

Absatz

   

Beschaffung

   

Personal

   

Investition

   

Subventionen

   

Kapitalbedarf

   

Reserve

   

Restkapitalbedarf

   

kumuliert

   

Tabelle: Grundform eines Finanzplans

Es bestehen auch zahlreiche andere Optionen, um Zahlungen zu systematisieren. Wichtig ist hierbei nur, dass alle Ein- und Auszahlungen erfasst werden.

Beispiel

Die Till Hoffmann AG, Marktführer für Lakritzstangen in Deutschland, plant ihren Kapitalbedarf für die Monate Juli bis September 2026 anhand folgender Plandaten (Angaben in Euro):

Absatzplan

Absatzmenge (t)

100

200

150

Absatzpreis (€/t)

400

600

600

Vertriebskosten

4000

4400

4400

Beschaffungsplan

Einkäufe (t)

150

210

150

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe

60000

70000

72000

Personalplan

Löhne/Gehälter

32000

34000

34000

Investitions- und Desinvestitionsplan

Auszahlungen für neue Maschinen

100000

60000

 

Einzahlung für Liquidation

 

20000

10000

Ausgehende Rechnungen werden erfahrungsgemäß zu zwei Dritteln im selben Monat und in Höhe des Rests im Folgemonat bezahlt, wobei bei Ersteren vertragsmäßig ein Skontoabzug von 2,5 % gewährt wird. Aus dem Monat Juni stehen noch Forderungen gegenüber Kunden in Höhe von 50.000 € aus. Eingehende Rechnungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe werden im nachfolgenden Monat ohne Abzug bezahlt. Im Juni wurden für 50.000 € Materialien eingekauft. Für am Ende des Jahres zu leistende Steuerzahlungen werden monatlich Rückstellungen in Höhe von 4.000 € gebildet. Die Liquiditätsreserve beträgt Anfang Juli 60.000 €. Im August kann fest mit 10.000 € aus staatlichen Subventionen gerechnet werden.

a) Ermitteln Sie für die Monate Juli bis September den jeweiligen Kapitalbedarf/-überschuss sowie die kumulierten Werte über den Zeitraum.

b) Der Vorstandsvorsitzende Till Hoffmann fragt sich, ob der Bestand des Unternehmens gesichert ist, wenn die gesamten Plandaten tatsächlich realisiert werden und eine weitere Kapitalbeschaffung ausgeschlossen ist. Beurteilen Sie die Lage.

Man rechnet die einzelnen Teilpläne, soweit möglich, unabhängig voneinander aus.

Der Finanzplan wird aus den Zahlungen folgender Teilpläne zusammengesetzt:

  • Absatzplan,

  • Beschaffungsplan,

  • Personalplan,

  • Investitionsplan.

a) Zunächst rechnet man für Juli den Absatzplan durch. Die noch ausstehenden Forderungen aus dem Monat Juni werden komplett im Juli bezahlt, es fließen also 50.000 € in die Kassen. Zusätzlich werden 100 t zu einem Verkaufspreis von 400 € pro Tonne verkauft. Da jedoch im selben Monat lediglich 2/3 = 66,67 % bezahlt werden und außerdem auch noch 2,5 % Skonto abgezogen werden, rechnet man 100·400·2/3·(1 - 0,025) = 26.000 €. Innerhalb des Absatzplans werden außerdem 4.000 € ausbezahlt. Insgesamt fließen also innerhalb des Absatzplans 50.000 + 26.000 – 4.000 = 72.000 € rein.

Beim Beschaffungsplan ist zu beachten, dass die Rechnungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe erst im Folgemonat bezahlt werden, so z. B. im Juli die Verbindlichkeit des Vormonats Juni von 50.000 €. Im Personalplan werden die Löhne ohne Verzögerung im selben Monat ausgezahlt, hier also 32.000 €.

Beim Investitionsplan ist die Auszahlung für die Maschine in Höhe von 100.000 € zu berücksichtigen.

Rückstellungen sind nicht zahlungswirksam und werden daher nicht berücksichtigt.

Insgesamt fließen also 72.000 € rein, jedoch 50.000 + 32.000 + 100.000 = 182.000 € aus. Im Monat Juli besteht daher ein Kapitalbedarf von 110.000 €. Dieser wird teilweise durch die Liquiditätsreserve von 60.000 € gedeckt. Es verbleibt daher ein Restkapitalbedarf von 50.000 €. Im Monat August wird wieder genauso gerechnet. Man kalkuliert den Absatzplan mit 100·400·1/3 = 13.333,33 € (den noch ausstehenden Forderungen aus dem Juli) zzgl. 200·600·2/3·(1 - 0,025) = 78.000 € für die Verkäufe des Monats August. Schließlich werden 4.400 € ausbezahlt, insgesamt errechnet man als Saldo des Absatzplans daher 13.333,33 + 78.000 – 4.400 = 86.933,33 €. Im Beschaffungsplan gehen 60.000 € aus (Einkäufe des Vormonats, die im Folgemonat bezahlt werden), im Personalplan 34.000 €. Der Investitionsplan schlägt mit 20.000 – 60.000 = -40.000 € zu Buche. Insgesamt resultiert daher ein Kapitalbedarf für August in Höhe von 86.933,33 – 60.000 – 34.000 – 40.000 + 10.000 = - 37.066,67 €. Da keine Reserve mehr existiert und aus dem Vormonat ebenfalls ein Kapitalbedarf bestand, ist der kumulierte Kapitalbedarf nun 50.000 + 37.066,67 = 87.066,67 €.

Ganz analog rechnet man für den Monat September, z. B. Umsatz = (1/3)·200·600 + (2/3)·150·600·(1 - 0,025) – 4.400 = 94.100 €. Man erhält insgesamt

 

Juli

August

September

Absatzplan

72.000

86.933,33

94.100

Beschaffungsplan

-50.000

-60.000

-70.000

Personalplan

-32.000

-34.000

-34.000

Investitionsplan

-100.000

-40.000

10.000

Subventionen

 

10.000

 

Rückstellungen

nicht zahlungswirksam!

Kapitalbedarf

-110.000

-37.066,67

100

Reserve

60.000

  

Restkapitalbedarf

-50.000

-37.066,67

100

kumuliert

-50.000

-87.066,67

-86.966,67

Tabelle: Finanzplan der Till Hoffmann AG

b) Ende September besteht ein kumulierter Restkapitalbedarf von 86.966,67 €. Ist dieser Betrag sofort fällig und steht keine weitere Finanzierungsquelle zur Verfügung, droht Zahlungsunfähigkeit. Der Bestand des Unternehmens ist dann nicht gesichert.

Expertentipp

Oft sind Angaben überflüssig (= redundant). So benötigt man im vorliegenden Beispiel die Angaben über die eingekauften Mengen nicht, da die Werte bekannt waren.

Überwachung des Finanzplans

Der Finanzplan muss laufend überwacht werden: Die Ist-Zahlungen werden mit den Planwerten verglichen (Soll-Ist-Vergleich), Abweichungen werden analysiert, und der Plan wird für die Folgeperioden angepasst (rollierende Planung). Zeichnet sich eine Unterdeckung ab, sind rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, z. B. Kreditlinie erhöhen, Forderungen schneller einziehen, Zahlungsziele verhandeln oder Investitionen verschieben.

Merke

Da Planwerte unsicher sind und z. B. Sollzinsen oder Zahlungsverzögerungen von Kunden die Liquidität zusätzlich belasten, sollte der Finanzplan einen Sicherheitspuffer (Liquiditätsreserve) enthalten.