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Mündliche Prüfung - Präsentation und Fachgespräch - Sinn von Kennzahlen verstehen

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Mündliche Prüfung - Präsentation und Fachgespräch

Sinn von Kennzahlen verstehen

Für die Präsentation bzw. auch das Fachgespräch reicht es nicht, Kennzahlen einfach auswendig zu lernen und ihre Definition aufzusagen.

1. Sie müssen vielmehr den Sinn von Kennzahlen verstehen!

2. Sie müssen mit Kennzahlen spielen können und außerdem die Voraussetzungen hinter ihnen kennen und kritisch hinterfragen.

3. Weiterhin sollten Sie, gerade wenn Kennzahlen mit Hilfe von Anglizismen benannt sind, noch mehr Vorbereitung ins Verständnis derselben investieren als in anglizismenfreie Kennzahlen.

4. Sie sollten mit Kennzahlen kritisch umgehen.

Zu den einzelnen Punkten. Zunächst zu 1.

Beispiel

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Welchen Sinn hat die Goldene Bilanzregel? Können Sie sich Situationen vorstellen, in denen sie nicht erfüllt ist?
Die Goldene Bilanzregel besagt, dass die Kennzahl Anlagevermögen/Eigenkapital höchstens eins zu sein hat. Sie bedeutet damit, dass das Anlagevermögen durch Eigenkapital (und also langfristig) finanziert werden sollte. So ist es allerdings bei Kreditinstituten vollkommen unüblich (und wäre auch ökonomisch falsch), diese Goldene Bilanzregel einzuhalten.

Zu 2. Weiterhin müssen Sie mit Kennzahlen spielen können.

Beispiel

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Angenommen, die Eigenkapitalquote beträgt 40 %. Wie lautet dann der Verschuldungsgrad?
Eine Eigenkapitalquote von 40 % bedeutet EKQ = EK/GK = 0,4 = 4/10. Daraus folgt, dass das Eigenkapital 40 % des gesamten Kapitals ausmacht. Also ist EK = 0,4*GK, das Eigenkapital macht 40 % des Gesamtkapitals aus. Folglich bleibt für das Fremdkapital nur 60 % des gesamten Kapitals, d.h. FK = 0,6*GK. Mit anderen Worten gilt, dass der Verschuldungsgrad v folgendermaßen berechnet werden kann:
V = FK/EK = (0,6*GK)/(0,4*GK) = 0,6/0,4 = 1,5. Mit anderen Worten heißt dies, dass der Verschuldungsgrad bei 150 % liegt. Oder, anders ausgedrückt, dass das Fremdkapital eineinhalb so hoch ist wie das Eigenkapital.

Zu 3. Weiterhin müssen Sie Anglizismen verstehen und sollten nach Möglichkeit den inflationären Gebrauch von Anglizismen vermeiden, denn es leidet oftmals die Präzision im Ausdruck. Wenn ein deutsches Wort vorhanden ist, sollten Sie dies (zumindest auch) benutzen statt des ebenfalls vorhandenen Anglizismus.

Beispiel

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Das Wort "Kapitalflussrechnung" ist zum Beispiel deutlich eingängiger als das Wort "Cashflow-Rechnung". Das Wort "Einzahlungsüberschuss" drückt klarer aus als das Wort "Cashflow", was gemeint ist.

Zu 4. In der Prüfung des Teils C, und zwar sowohl in der Präsentation als auch im Fachgespräch, müssen Sie nicht lediglich Kennzahlen berechnen können und also die Definition kennen, sondern diese vielmehr bewerten, beleuchten und auch kritisieren können. Sie müssen also insb. auch die Voraussetzungen hinter den jeweiligen Kennzahlen hinterfragen können.

Beispiel

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Sie werden gebeten, die Liquidität ersten, zweiten und dritten Grades zu kalkulieren und zu bewerten.

Hier ist es wichtig, dass Sie die drei Kennzahlen

  • Liquidität ersten Grades = (Bank/Kasse)/kurzfristige Verbindlichkeiten,
  • Liquidität zweiten Grades = (Bank/Kasse + Forderungen)/kurzfristige Verbindlichkeiten,
  • Liquidität dritten Grades = (gesamtes Umlaufvermögen)/kurzfristige Verbindlichkeiten

zunächst kennen. Man sieht, dass der Zähler immer größer wird und die Liquidität ersten und zweiten Grades sich gegen den Wert dritten Grades bewegen. Die Liquidität ersten Grades sagt aus, ob das Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem kurzfristigsten Teil seines Umlaufvermögens, nämlich Bank/Kasse, decken kann oder nicht.

Liquidät ersten Grades mindestens 1 bedeutet, dass dies der Fall ist.

Die Liquidität zweiten Grades sagt aus, ob das Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit Bank/Kasse und Forderungen begleichen könnte oder nicht. Problematisch ist hieran, dass das Unternehmen zunächst seine Forderungen auch wirklich eintreiben müsste, um seine Verbindlichkeiten begleichen zu können. Es geht also hierbei nicht darum, ob das Unternehmen kurzfristig seine kurzfristigen Verbindlichkeiten decken kann, sondern ob es diese mittelfristig bedienen kann. 

Liquidät zweiten Grades mindestens 1 bedeutet, dass dies der Fall ist.

Die Liquidität dritten Grades sagt aus, ob das Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit seinem gesamten Umlaufvermögen decken könnte oder nicht. Liquidät dritten Grades mindestens 1 bedeutet, dass dies der Fall wäre.

Hier wird die Kritik noch massiver als an jener zweiten Grades. Man müsste ja das gesamte Umlaufvermögen verkaufen, also zu Geld machen, damit der Sinn der Kennzahl erfüllt wird. Dies bedeutet dann aber auch, dass Vermögensgegenstände wie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe versilbert würden, was den Stillstand der Produktion mit sich brächte.

Liquidät dritten Grades mindestens 1 bedeutet, dass dies der Fall ist.