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Bilanz nach Handelsrecht - Disagio

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Bilanz nach Handelsrecht

Disagio

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Inhaltsverzeichnis

Ein Disagio liegt vor, wenn bei einem aufgenommenen Kredit der Auszahlungsbetrag geringer ist als der Rückzahlungsbetrag.

Beispiel

Die X-AG nimmt bei der B Bank einen Kredit auf in Höhe von 1.000 €. Ausgezahlt werden 960 €, der Nominalzins liegt bei 7 %. Es wird eine Laufzeit von vier Jahren vereinbart und eine endfällige Tilgung.

Beim Kredit liegt ein Disagio von 4 % vor, denn der X AG werden nur 960 € ausgezahlt, obwohl sie 1.000 € zurückzahlen muss. Insofern handelt es sich um eine Schuld (= Verbindlichkeit) in Höhe von 1.000 €, nicht von 960 €. Insbesondere müssen diese 1.000 € auf der Passivseite unter Verbindlichkeiten ausgewiesen werden. Die Zahlungsreihe des Kredits sieht wie folgt aus:

Jahr

0

1

2

3

4

Kredit

+960

Zinsen

-70

-70

-70

-70

Tilgung

-1.000

Kreditplan mit Disagio

Methode

Haben Sie es bemerkt? Wir gehen an dieser Stelle nicht lediglich auf die Bilanzierung des Disagios ein (wie die Überschrift erwarten lässt), sondern auch schon auf seine Bewertung. Diese Inkonsistenz liegt darin begründet, dass wir nicht im späteren Kapitel das Thema Disagio komplett neu aufrollen möchten, sondern hier schon alles erwähnen, was für Sie in der Prüfung über das Disagio wichtig ist.

Es handelt sich um ein Disagio von 40 € (d.h. 4 % des Kreditbetrags von 1.000 €) mit dem man auf doppelte Weise umgehen kann laut dem Wahlrecht des § 250 III HGB.

Erste Möglichkeit – Aktivierung

Ausnutzen des Wahlrechts und Aktivierung der 40 € unter den aktivischen Rechnungsabgrenzungsposten. Der Buchungssatz hierzu wäre dann

ARAP 40
Bank 960 an Verbindlichkeiten 1.000

Es würde damit, wenn der Kredit am Ende des Jahres ausgezahlt wird und also es zu keiner Abschreibung des Disagios im laufenden Geschäftsjahrs kommt, zu keiner Abschreibung und zu keinem Aufwand im laufenden Geschäftsjahr führen, d.h. das Ergebnis würde nicht verschlechtert. Man würde sich daher „reich” rechnen.

Zweite Möglichkeit – keine Aktivierung

Die zweite Möglichkeit des Umgangs mit dem Disagio: Verzicht auf die Aktivierung des Disagios. Es käme dann zu einer Aufwendung im laufenden Geschäftsjahr, da das Disagio ökonomisch gesehen lediglich eine vorweggenommene Zinsaufwendung ist. Insofern wäre der Buchungssatz

Zinsaufwand 40
Bank 960 an Verbindlichkeiten 1.000

Es käme daher zu einer Verringerung des Jahresüberschusses in Höhe von 40 €, da bei dieser zweiten Möglichkeit eine Aufwendung vorliegt. Man rechnet sich daher „arm”.

Beispiel

Es wird ein Kredit aufgenommen am 01.03.2016, der eine Laufzeit von vier Jahren haben möge bei endfälliger Tilgung, Disagio von 6 % und Nominalzins von 12%. Der Nominalbetrag liege bei 1.000 €. Stelle die Zahlungsreihe auf.

Hier ist das Beispiel ein bisschen aufwändiger, weil die Zinszahlungen noch rein spielen. Beim oberen Beispiel fielen noch keine Zinszahlungen an weil der Beginn des Kredits erst am Jahresende lag. Bei der Möglichkeit der Ausnutzung des Disagios wird das Disagio aktiviert, allerdings muss dieses dann über die Laufzeit verteilt, d.h. abgeschrieben werden (§ 250 III 2 HGB). Das bedeutet, dass, da wir das Disagio im Laufe des Jahres 2016 aufgenommen haben, wir es auch bereits für das Jahr 2016 abschreiben müssen. Die Abschreibung des Disagios in 2016 beläuft sich also auf (60/4)·(10/12) = 12,5 €, denn es wird monatsgenau abgeschrieben, d.h. für 10 Monate (März bis Dezember) und das Disagio wird über die Laufzeit verteilt, d.h. über vier Jahre. Demnach entsteht pro Jahr eine Abschreibung von 60/4 = 15, und diese 15 € bezogen auf zehn von zwölf Monaten bedeuten für das Jahre 2016 insgesamt eine Disagioabschreibung von 12,50 €. Der Zinsaufwand, der monatsgenau berechnet werden soll im vorliegenden 2. Beispiel, lautet für das Jahr 2016 also (10/12)*12% = 10 %. Damit fällt im Jahr 2016 ein Zinsaufwand von 100 € an. In den Jahren 2017, 2018 und 2019, also den folgenden Jahren des Kredits, ist der Zinsaufwand natürlich höher, nämlich bei 12 % von 1000 €, also bei 120 €. Schließlich liegt der Zinsaufwand in 2020 bei (2/12)·0,12·1.000 = 20 €. Die Zahlungsreihe sieht damit folgendermaßen aus:

Jahr

2016

2017

2018

2019

2020

Darlehensauszahlung

940

Abschreibungen des Disagios

-12,5

-15

-15

-15

-2,5

Zinsaufwand

-100

-120

-120

-120

-20

Tilgung

-1.000

Abschreibung des aktivierten Disagios

Wiederum existiert auch die Möglichkeit, das Disagio nicht zu aktivieren, man erhält so zwei Möglichkeiten: (s. folg. Tab).

  • Aktivierung und Verteilung als Abschreibung über die Laufzeit wie wir sie in der oben erwähnten Tabelle zusammengetragen haben,

  • Ansatz in der Gewinn- und Verlustrechnung als sofortigen Zinsaufwand.

Die Tabelle lautet dann:

Jahr

2016

2017

2018

2019

2020

Darlehensauszahlung

940

Aufwand für Disagio

-60

0

0

0

0

Zinsaufwand

-100

-120

-120

-120

-20

Tilgung

-1.000

Ansatz Disagio als Aufwand: Jahr der Kreditaufnahme

Im Vergleich zwischen den beiden Methoden sieht man, dass die zweite Methode zu einem höheren Verlust in der jetzigen Periode, also in 2016, führt, da der Aufwand mit 60 € heute höher ist als der Aufwand in der Methode 1 mit 12,50 € heute. Man rechnet sich also heute ärmer mit Methode 2. Trotzdem ist wichtig zu erwähnen, dass man sich in der Zukunft reicher rechnet, da bei Methode 2 kein Disagioaufwand in der Zukunft entsteht im Gegensatz zu Methode 1. Die Tatsache, dass man sich also heute ärmer rechnet und dafür morgen reicher, werden wir im Zusammenhang mit unterschiedlichen Handels- und Steuerbilanzergebnissen noch im Kapitel über latente Steuern diskutieren.

Je nachdem, wie der zugrundeliegende Kredit getilgt wird, wird ein evtl. aktiviertes Disagio nach folgenden Methoden auf die Laufzeit verteilt:

  • Fälligkeitsdarlehen

    • Bedeutung

      • Tilgung erst komplett am Ende
         

    • Konsequenz

      • lineare Methode für eine gleichmäßige Disagioverteilung
         

  • Tilgungsdarlehen

    • Bedeutung

      • Tilgung des Kredits in den einzelnen Jahren bereits
         

    • Konsequenz

Das Fälligkeitsdarlehen wurde in der vorletzten Tabelle durchgerechnet.

Die Zinsstaffelmethode hingegen funktioniert folgendermaßen.

Beispiel

Wie im vorherigen Beispiel, nur dass der Kredit am 31.12.2016 ausbezahlt wird. Der Kredit wird per Ratentilgung getilgt.

Man rechnet

jährlicher DegressionsbetragZinsstaffelmethode = Höhe Disagio/(1 + 2 + … + n)

                             = 60/(1 + 2 + 3 + 4)

                             = 60/10

                             = 6 €.

Daher nimmt also die Abschreibung des Disagios in jedem Jahr um 6 € ab. Man erhält

Jahr

2016

2017

2018

2019

2020

Darlehensauszahlung

940

Abschreibung des aktivierten Disagios

-24

-18

-12

-6

Zinsaufwand

-120

-90

-60

-30

Tilgung

-250

-250

-250

-250

Zinsstaffelmethode zur Verteilung des Disagios

Video: Disagio