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Bilanz nach IAS / IFRS - Schulden

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Bilanz nach IAS / IFRS

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Inhaltsverzeichnis

Unter Schulden (= Liabilities) sind

  • Verbindlichkeiten,

  • Rückstellungen und

  • passivische RAP

zu verstehen. Schulden (= Liabilities) werden daher bei den IFRS weiter gefasst als im deutschen Handelsrecht, denn dort zählen lediglich Verbindlichkeiten und Rückstellungen, nicht aber passivische RAP zu den Schulden. Rückstellungen sind mit jenem Betrag zu bewerten, welcher die bestmögliche Schätzung der Ausgabe darstellt, die zur Erfüllung der gegenwärtigen Verpflichtung notwendig ist. Die passivischen RAP sind mit den Einnahmen zu bewerten, welche auf das zukünftige Geschäftjahr entfallen, insbesondere ist also der Grundsatz der Periodenabgrenzung (= Accrual basis) zu beachten. Verbindlichkeiten sind nach IAS 39 (financial instruments:recognition) mit ihrem Fair-Value zzgl. direkt zurechenbarer Nebenkosten, also mit ihren Anschaffungskosten, zu bewerten (IAS 39.43). Unter dem Fair-Value versteht man nun den Barwert der Verbindlichkeit im Entstehungszeitpunkt. Die Folgebewertung der Verbindlichkeiten erfolgt wiederum mit den fortgeführten Anschaffungskosten (= amortized costs). Wichtig ist, wie sich der Marktzins im Vergleich zum Nominalzins verhält:

  • Marktzins = dem Nominalzins

    • keine Ab- oder Aufschläge werden verrechnet, also sind die Anschaffungskosten relevant
       

  • Marktzins > Nominalzins

    • Erstbewertung Fair-Value, also der Barwert unter dem Nennwert. Es erfolgt ein Discount.

      • Folgebewertung: Das Zuschreiben der Verbindlichkeit auf den Nennwert.
         

  • Marktzins < Nominalzins

    • Erstbewertung Fair-Value = Barwert (Premium)

    • Folgebewertung: Abschreibung der Verbindlichkeit auf den Nennwert.

Wichtig ist, bei der Bewertung von Verbindlichkeiten

zu unterscheiden. Unter einem Disagio versteht man einen Abzug vom Nennwert einer Schuldverschreibung, wenn also ein höherer Betrag zurückgezahlt wird, als dem Kreditgeber ausgegeben wird. Die Ausgabe erfolgt also unter pari. Der Emittent (= Schuldner) erhält bei Aufnahme einen niedrigeren Betrag, als er später zurückzahlen muss.

Merke

Hier klicken zum AusklappenDer Fair-Value zum Ausgabezeitpunkt liegt daher unterhalb des Nennwertes, so dass damit die Effektivverzinsung des Wertpapiers steigt. In den Folgejahren erfolgt eine Zuschreibung der Verbindlichkeit bis zum Nennwert.

Genau umgekehrt verhält es sich beim sog. Agio (= Premium). Hierbei erfolgt die Ausgabe über Pari, der Marktzins liegt unter dem Nominalzins eines Wertpapiers. In den Folgejahren wird eine Abschreibung der Verbindlichkeit auf den Nennwert vorgenommen, die Rückzahlung ist am Ende erfolgsneutral.

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenDie Friedel-AG emittiert am 01.01.2016 eine Obligation zum Nennwert von 250.000 € mit einem Nominalzins (= Kuponzins) von 8 %, welcher jeweils am Jahresende zahlbar ist. Die Laufzeit der Schuldverschreibung beträgt drei Jahre. Der entsprechende Marktzins liegt bei 12 %.

Die Friedel-AG emittiert die Obligation zu einem Preis unter 250.000 €, damit der Effektivzins steigt und dem Marktzins entspricht. Die Ausgabe erfolgt damit insgesamt zu einem Disagio. Der Marktzins von 12 % würde zu einer Zinszahlung von 250.000·0.12 = 30.000 € führen. Dadurch dass der Nominalzins lediglich bei 8 % liegt, kommt es hingegen lediglich zu einer Zinszahlung von 0,08·250.000 = 20.000 €, damit also zu insgesamt 10.000 € weniger Zinsen.

Merke

Hier klicken zum AusklappenDas Disagio ergibt sich nun als Barwert der abgezinsten Zinsdifferenzen.

Man errechnet das Disagio als

Disagio = 10.000/1,12 + 10.000/1.122 + 10.000/1.123

= 24.018,31 €.

Ebenfalls lässt sich das Disagio natürlich mit dem Rentenbarwertfaktor errechnen. Man kalkuliert also

Disagio = Differenz*RBF (n,i)

= 10.000· ((qn-1)/i·qn)

= 10.000 (1,123-1)/0,12·1,123)

= 10.000·2,40183

= 24.018,31 €.

Die Verbindlichkeit wird nun in der Bilanz mit dem Nennwert abzüglich (!) des Disagios passiviert, d.h. also hier mit

Verbindlichkeitswert

= Nennwert – Disagio

= 250.000 – 24.018,31

= 225.981,69 €.

Merke

Hier klicken zum AusklappenBei den IFRS darf ein Disagio nicht aktiviert werden. Die fortgeführten Anschaffungskosten sind mit der Effektivzinsmethode zu ermitteln. Hierbei steigt der Wert der Verbindlichkeit im Laufe der Jahre an, und zwar im Ausmaß der Effektivzinsen, die als Nominalzins, multipliziert mit dem jeweiligen Restbuchwert der Verbindlichkeit der Vorperiode berechnet werden. Man erhält im vorliegenden Beispiel folgende Tabelle:

Jahr

Nominalzins

Effektivzins

Disagio (= Discount)

Verbindlichkeit

Ende 2016

20.000

27.117,80

7117,80

233.099,49

Ende 2017

20.000

27.971,94

7971,94

241.071,43

Ende 2018

20.000

28.928,57

8928,57

250.000

Entwicklung Buchwert Verbindlichkeit

Der Nominalzins errechnet sich, wie oben bereits erwähnt, als Nominalzins = Nominalzinssatz·Nennwert = 0,08·250.000 = 20.000 €. Der Effektivzins des ersten Jahres, also von 2009, kalkuliert sich als

Effektivzins = Effektivzinssatz·Wert der Verbindlichkeit am An fang

= 0,12·225.981,09

= 27.117,80 €.

Der Effektivzins ist nun die Verbindung von Nominalzins und Disagio:

Effektivzins = Nominalzins + Disagio.

Hiermit muss also für das erste Jahr der Discount, also das Disagio, bei 7117,80 € liegen. Der Verbindlichkeit wird jeweils der Discount zugebucht, man erhält als Wert der Verbindlichkeit am Ende des Jahres 09 entsprechend

Verbindl.Ende 2016 = VerbindlichkeitAnfang 2016 + Discount 09

= 225.981,09 + 7117,80

= 233.099,49 €.

Völlig analog verfährt man mit den anderen Perioden. Man erhält damit für das Jahr 2009 folgende Buchungssätze:

Bei der Emission:

Cash 225.981,09 an Non CurrentFinancial Liabilities 225.981,09

Bei Zinszahlung:

FinanceExpense 27.117,80 an Cash 20.000,00

und an NonCurrent Financial Liabilities 7117,80

Man sieht also jeweils wieder an den Buchungssätzen, dass das passive Bestandkonto Non Current Financial Liabilities jeweils im Ausmaß des Discounts zugebucht wird. Der Zinsaufwand erfolgt jeweils in Höhe der Effektivzinsen.

Methode

Hier klicken zum AusklappenBeachte, dass bei kurzfristigen Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit bis zu einem Jahr auf eine Abzinsung verzichtet wird. Bei langfristigen Verbindlichkeiten wird hingegen sehr wohl abgezinst, man erhält folgende Übersicht:

Zinsverhältnis

Verhältnis Barwert/Nennwert

Bewertung

Marktzins = Nominalzins

Barwert = Nennwert

Nennwert

Marktzins > Nominalzins

Barwert < Nennwert: Discount

Barwert mit Zuschreibung

Marktzins < Nominalzins

Barwert > Nennwert: Premium

Barwert mit Abschreibung

Verhältnis Marktzins zu Nominalzins

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