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Konzernbilanz nach Handelsrecht - Aufgabe: Grenzwerte bei größenabhängigen Befreiungen

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Konzernbilanz nach Handelsrecht

Aufgabe: Grenzwerte bei größenabhängigen Befreiungen

Sachverhalt 1

Die Mutter KG hält 100 % der Anteile an der Tochter-KG. Für die Jahre 2015 - 2018 liegen bzgl. der Anzahl der Arbeitnehmer insgesamt, für die Umsatzerlöse des Konzerns und für die Konzernbilanzsumme folgende Zahlen vor:

Daten/Jahr

2015

2016

2017

2018

Arbeitnehmer

6.000

7.000

8.000

4.000

Umsatzerlöse

130 Mio. €

140 Mio. €

100 Mio. €

150 Mio. €

Konzernbilanzsumme

66 Mio. €

70 Mio. €

80 Mio. €

50 Mio. €

Sachverhalt 2

Die folgenden Werte aus den Einzelbilanzen der Mutter-KG und der Tochter-OHG sind in der folgenden Übersicht gegeben. Die Mutter-KG ist zu 100 % an der Tochter-OHG beteiligt. Entscheide, ob nach HGB oder nach dem PublG eine Konzernbilanz erstellt werden muss.

Daten

2015 (MU/TU)

2016 (MU/TU)

2017 (MU/TU)

Arbeitnehmer

2.000/3.000

2.000/4.000

2.000/500

Umsatzerlöse (Mio. €)

100/30

80/100

70/120

Bilanzsumme (Mio. €)

70/30

80/10

90/30

Sachverhalt 3

Die folgenden Werte aus den Einzelbilanzen der Mutter-KG und der Tochter-OHG sind in der folgenden Übersicht gegeben. Die Mutter-KG ist zu 100 % an der Tochter-OHG beteiligt. Entscheide, ob nach HGB oder nach dem PublG eine Konzernbilanz erstellt werden muss.

Daten

2015 (MU/TU)

2016 (MU/TU)

2017 (MU/TU)

Arbeitnehmer

5.000/1.000

6.000/2.000

3.000/3.000

Umsatzerlöse (Mio. €)

80/40

70/50

140/80

Bilanzsumme (Mio. €)

70/20

80/10

90/20

In welchen Fällen besteht eine Pflicht zur Erstellung einer Konzernbilanz?

Vertiefung

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Lösung:

Sachverhalt 1:

Da die Mutter-KG als Kommanditgesellschaft keine Kapitalgesellschaft ist, greifen die handelsbilanziellen Verpflichtungen zur Erstellung einer Konzernbilanz nicht. Zu prüfen ist allerdings, ob nach dem PublG eine Konzernbilanz erstellt werden muss. Die einheitliche Leitung kann als gegeben angesehen werden. Zusätzlich sind die konzernbezogenenen Größenkriterien zu prüfen. Es liegen insbesondere bereits die Daten der (möglichen!) Konzernbilanz vor.

Die konzernbezogenen Größenkriterien lauten:

  • Konzernbilanzsumme mehr als 65 000.000 €,

  • Umsatzerlöse mindestens 130 000.000 €,

  • Anzahl der Arbeitnehmer mindestens 5000.

Zu 2017:

Mindestens zwei dieser drei Kriterien müssen in drei Geschäftsjahren erfüllt sein. Im Jahre 2017 ist der Grenzwert der Arbeitnehmer als auch der Grenzwert für die Konzernbilanzsumme jeweils überschritten, und zwar für die Jahre 2015, 2016 und 2017. Dass der Grenzwert für die Umsatzerlöse von 130 000.000 € im Jahre 2017 unterschritten ist, spielt daher keine Rolle. Insgesamt muss daher im Jahre 2017 für den Konzern, welcher aus der Mutter-KG als Mutter und der Tochter-OHG als Tochter besteht, eine Konzernbilanz erstellt werden.

Zu 2018:

Im Jahre 2018 sieht dies schon wieder gänzlich anders aus. In den Jahren 2016 bis 2018 ist die Anzahl der Arbeitnehmer nicht mehr dauernd oberhalb von 5000. Genauso wenig ist die Konzernbilanzsumme in den vorangegangenen drei Jahren, also von 2016 bis 2018, mindestens 65.000.000 €. Beide Grenzwerte werden im Jahre 2018 unterschritten, sowohl die Arbeitnehmerzahl als auch die Konzernbilanzsumme. Daher ist es nicht richtig, dass mindestens zwei von drei Größenkriterien in den letzten drei Jahren überschritten sind. Im Jahre 2018 müsste daher keine Konzernbilanz erstellt werden.

Sachverhalt 2:

Nach dem Handelsgesetzbuch ist die Konzernrechnungslegung nicht verpflichtend, da die Mutter-KG keine Kapitalgesellschaft ist. Sehr wohl könnte allerdings nach dem Publizitätsgesetz die Verpflichtung zur Erstellung einer Konzernbilanz gegeben sein. Die einheitliche Leitung kann als gegeben angesehen werden. Fraglich ist allerdings, ob die konzernbezogenen Größenkriterien erfüllt sind.

Wichtig ist, dass die Größenkriterien für die Konzernbilanz gelten und nicht für die Einzelbilanzen. Die Konzernbilanz wiederum erhält man nicht durch bloße Addition der Einzelbilanzen, da z.B. durch die Schuldenkonsolidierung sehr wohl einzelne Aktivpositionen in der Konzernbilanz kleiner sein können als in den beiden einzelnen Bilanzen zusammen. Es ist also z.B. nicht so, dass die (Konzern-)Bilanzsumme im Jahr 2015 bei 70 + 30 = 100 Mio. € liegt. Man kann letztlich nicht sagen, ob im vorliegenden Fall eine Konzernbilanz erstellt werden muss. Vielmehr müssten zusätzliche Angaben über die Verflechtungen der beiden Unternehmen gegeben sein, um zu sehen, ob im Rahmen der Schulden- oder GuV-Konsolidierung einzelne Größen herauszurechnen sind.

Sachverhalt 3:

Zwar liegen auch im vorliegenden Beispiel nicht die Werte der Konzernbilanz, sondern lediglich der Einzelbilanzen vor, allerdings sieht man, dass die Summe der Einzelbilanzen deutlich unter den Werten bleibt, die für die Konzernbilanz gefordert werden. Insofern ist in der vorliegenden Aufgabe klar, dass die konzernbezogenen Größenkriterien nicht erfüllt sind. Deswegen liegt nach PublG keine Verpflichtung zur Erstellung einer Konzernbilanz vor und nach HGB ohnehin nicht.